Anfang dieses Jahres habe ich 15 Aktien vorgestellt, die im Zehnjahreszeitraum von 2016 bis bis 2025 den größten Shareholder Value geschaffen haben, wobei ich mich auf die Kurssteigerung in US-Dollar konzentriert habe. Dieses Mal habe ich eine ähnliche Analyse aus der entgegengesetzten Perspektive durchgeführt, um Aktien zu identifizieren, die Wert vernichtet haben, anstatt ihn zu schaffen. Um diese zu finden, habe ich zunächst die US-Aktien-Datenbank von Morningstar durchforstet. Dabei habe ich Unternehmen mit den stärksten Rückgängen der Marktkapitalisierung ermittelt. Die Marktkapitalisierung errechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs multipliziert mit der Gesamtzahl der im Umlauf befindlichen Aktien ergibt. Um ein genaueres Bild der Wertvernichtung zu erhalten, habe ich den Gesamtwert der ausgeschütteten Dividenden und möglicher Aktien-Spinoffs wieder hinzugerechnet, da diese die Rückgänge der Marktkapitalisierung teilweise ausgeglichen haben.
Die Ergebnisse
Die nachstehende Grafik zeigt die 15 Aktien, die gemessen an diesen Kennzahlen den größten Wertverlust für die Aktionäre verursacht haben.
Die 15 Value-Aktien mit dem größten Wertverlust in den letzten 10 Jahren
Insgesamt haben die „Wertvernichter“ in den letzten 10 Jahren schätzungsweise 217,2 Milliarden US-Dollar an Aktionärsvermögen vernichtet: Eine große Zahl, die aber weit unter den geschätzten 27,0 Billionen US-Dollar an Vermögen liegt, das von den 15 besten Aktien auf der positiven Seite geschaffen wurde. Das liegt an verschiedenen Faktoren. Erstens stellen Unternehmen mit herausragenden Finanzergebnissen und Kursentwicklungen ihre Konkurrenten über viele Jahre hinweg in den Schatten. Zwar ist es unmöglich, mehr als 100 Prozent der ursprünglichen Investition in eine Aktie zu verlieren, es sei denn, Anleger begeben sich auf riskantes Terrain wie Derivate und andere gehebelte Anlagen. Gewinneraktien weisen aber ein Aufwärtspotenzial auf, das weit über ihren ursprünglichen Wert hinausgeht. Zweitens ist die Wahrscheinlichkeit zwar relativ hoch, bei einer einzelnen Aktie einen Verlust zu erleiden. Der Wertverlust ist jedoch in gewissem Maße begrenzt, wenn eine Aktie von vornherein nie eine große Marktkapitalisierung erreicht hat.
Zwar decken die auf der Liste aufgeführten Unternehmen ein breites Spektrum an Branchen, Sektoren und zugrunde liegenden Problemen ab, doch viele von ihnen weisen einen gemeinsamen Nenner auf: das Fehlen eines Economic Moat oder eines dauerhaften Wettbewerbsvorteils. Elf der Unternehmen auf der Liste weisen laut Morningstar Economic Moat Rating keinen wirtschaftlichen Wettbewerbsvorteil auf, und vier weitere – Biogen BIIB, Illumina ILMN, Kraft Heinz KHC und SLB SLB – werden mit einem „schmalen“ wirtschaftlichen Burggraben bewertet. Auf meiner Liste der Vermögensschöpfer waren solche Wettbewerbsvorteile deutlich häufiger anzutreffen: 12 der 15 Unternehmen erhielten auf Grundlage der Einschätzungen unserer Analysten die Bewertung „breiter wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil“.
Statistiken zum Economic Moat und Wachstum
Ein weiterer gemeinsamer Faktor : sich verschlechternde Fundamentaldaten. Wie aus der obigen Tabelle hervorgeht, verzeichneten mehrere dieser „Wertvernichter“ in den letzten zehn Jahren Rückgänge bei Umsätzen, betrieblichen Erträgen oder auch beim freien Cashflow. Der Markt reagierte auf diese sich verschlechternden Kennzahlen mit einem Rückgang der Aktienkurse.
Was ist schiefgelaufen?
Es ist schwierig, allgemeine Aussagen darüber zu treffen, was zum Niedergang dieser Unternehmen geführt hat. So wie es viele verschiedene Wege zum Erfolg gibt, gibt es auch viele Wege zum Wertverlust. Bei der eingehenden Untersuchung der Schwierigkeiten dieser Unternehmen traten jedoch einige Probleme wiederholt zutage.
- Übernahmen, die keinen Shareholder Value geschaffen haben. Kraft Heinz führt die Liste mit einem geschätzten Verlust an Shareholder Value von 36,1 Milliarden US-Dollar in den letzten zehn Jahren an. Der Goodwill für die Übernahme von Heinz sank um mehr als 15 Milliarden USD, und die Geschäftsentwicklung litt zudem unter einem stagnierenden Produktportfolio und einem nachlassenden organischen Wachstum. In ähnlicher Weise fusionierte American Airlines AAL im Jahr 2013 mit US Airways, hatte jedoch Schwierigkeiten bei der Integration der Geschäftsabläufe beider Fluggesellschaften. SLB (ehemals Schlumberger) nahm im Jahr 2019 eine massive Abschreibung in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar vor, begründet mit dem Rückgang seiner erworbenen Geschäftsbereiche im amerikanischen Druckpumpengeschäft. Auch bei der Perrigo Company PRGO, Illumina und dier VF Corp VFC führten bedeutende Übernahmen nicht zu den ursprünglich erwarteten Vorteilen.
- Das Versäumnis, mit den Veränderungen der Verbraucherpräferenzen Schritt zu halten. So verzeichnete beispielsweise die QVC Group QVC einen Rückgang ihres Nettogewinns, da die Fernsehzuschauerzahlen sanken und die Käufer sich zunehmend auf Online-Geschäfte konzentrierten. Sirius XM Holdings SIRI litt darunter, dass Hörer ihre Abonnements zugunsten von Musik-Streamingdiensten und Podcasts kündigten. Under Armour UA gelang es nicht, mit den Trends in der Mainstream-Bekleidung Schritt zu halten, wie beispielsweise dem Wachstum im Bereich der Athleisure-Mode, die sportliche Funktionalität mit Komfort und Mode verbindet.
- Herausfordernde externe Faktoren. Als führendes Ölfelddienstleistungsunternehmen ist SLB in hohem Maße von den Energiepreisen abhängig. Der Einbruch der Ölpreise zwischen 2014 und 2016 drückte erheblich auf den Umsatz und die Rentabilität des Unternehmens. Wie andere Fluggesellschaften und Unternehmen der Reisebranche hatte auch American Airlines in den Jahren 2020 und 2021 mit den Folgen der Covid-19-Pandemie zu kämpfen.
- Mangelnder Erfolg bei der Entwicklung neuer Produkte. Biogen, einst ein Liebling der Biotech-Branche, erlitt mehrere Rückschläge bei der Produktentwicklung. Das Unternehmen hatte darauf gesetzt, dass ein neues Medikament gegen Alzheimer die sinkenden Umsätze aus dem Bereich der Multiple-Sklerose-Medikamente ersetzen würde, doch die Entwicklung des Medikaments geriet an verschiedenen Stellen ins Stocken. Nach zahlreichen Kontroversen und Rückschlägen hinsichtlich der Kostenübernahme durch Medicare gab Biogen im Januar 2024 bekannt, man beende die klinischen Studien.
Ein Blick in die Zukunft
Die Aktionäre dieser 15 Unternehmen erlitten in den letzten zehn Jahren erhebliche Verluste. Doch wie ich bereits in meinem vorherigen Artikel dargelegt habe, kommt es für Anleger bei Plänen für einen möglichen Neukauf vor allem auf die Zukunftsaussichten eines Unternehmens an und darauf, ob der aktuelle Aktienkurs eine Sicherheitsmarge bietet.
Morningstar Ratings und Fair Value-Schätzungen
In dieser Hinsicht sehen die „Vermögenszerstörer“ vielversprechender aus. Obwohl American Airlines, Bread Financial Holdings BFH und Illumina derzeit mit einem Aufschlag gegenüber unseren Fair Value-Schätzungen gehandelt werden, weisen vier der 15 Unternehmen ein Morningstar Rating von 3 Sternen auf, was darauf hindeutet, dass sie nach Einschätzung unserer Analysten weder deutlich unter- noch überbewertet sind. Advance Auto Parts AAP, Perrigo und Under Armour werden derzeit mit einem moderaten Abschlag gegenüber unseren Wertschätzungen gehandelt und erhalten daher 4-Sterne-Ratings. Bath & Body Works BBWI, Kraft Heinz, VF und Vornado Realty Trust VNO werden mit deutlicheren Abschlägen gehandelt und erhielten zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels 5-Sterne-Ratings.

