Die wichtigsten Erkenntnisse
- Nach Schätzungen von Eurostat stieg die Inflationsrate in der Eurozone im März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 2,5 % und lag damit unter der Konsensprognose von 2,7 %.
- Die Kerninflation lag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei 2,3 % , was einem leichten Rückgang gegenüber den 2,4 % vom Februar entspricht. Dies entspricht den Konsensprognosen.
- Mögliche Störungen der Öl- und Gasversorgung bleiben entscheidende Indikatoren für künftige Inflationsentwicklungen.
Laut der Schnellschätzung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise in der Eurozone im März gegenüber dem Vorjahr um 2,5 %. Im Februar lag der Wert noch bei 1,9 %, jedoch wurden die Energiepreise durch den Iran-Konflikts in die Höhe getrieben. Der Wert lag leicht unter den Konsensschätzungen und deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 %.
Dies hat in den letzten Wochen zu einer deutlichen Verschiebung der Erwartungen hinsichtlich der EZB geführt: Die Terminmärkte preisen nun zwei bis drei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte im Jahr 2026 ein, wobei eine erste Maßnahme bereits im Juni immer wahrscheinlicher wird.
Die Kerninflation, bei der volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, lag im März bei 2,3 %. Dies entspricht einem Rückgang gegenüber dem Februarwert von 2,4 % und entspricht den Erwartungen. Dies deutet darauf hin, dass der Anstieg der Gesamtinflation größtenteils auf höhere Ölpreise zurückzuführen ist, so Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar.
„Besonders die Preise für Diesel und Benzin legten in den meisten Ländern zum Teil zweistellig zu“, sagt Ulrike Kastens, Senior Economist bei der DWS. „Von anderen Gütergruppen gingen dagegen dämpfende Effekte auf die Inflationsrate aus.“
Nach Schätzungen von Eurostat dürfte der Sektor der Energie im März mit 4,9 % die höchste Jahresrate aufweisen, verglichen mit -3,1 % im Februar, gefolgt vom Dienstleistungssektor mit 3,2 %, nach 3,4 % im Februar. Die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak lagen bei 2,4 %, leicht unter den 2,5 % vom Februar, und die Preise für nicht energetische Industriegüter stiegen um 0,5 %, nach 0,7 % im Februar.
Ökonomen gehen davon aus, dass die Auswirkungen der Zerstörung der Energieinfrastruktur im Nahen Osten noch über Monate und Jahre hinweg auf den globalen Energiemärkten zu spüren sein werden. Laut Reuters haben iranische Angriffe rund 17 % der Exportkapazitäten Katars für Flüssigerdgas lahmgelegt. Katar ist einer der wichtigsten Lieferanten Europas.
Der Preis für Brent-Rohöl ist seit Anfang März um etwa 47 % gestiegen, der für die US-Sorte West Texas Intermediate um rund 54 %.
Wie sieht der Inflationsausblick für das Jahr 2026 aus?
Mögliche Störungen der Ölversorgung und geopolitische Risiken bleiben entscheidende Faktoren für die künftige Inflationsentwicklung.
„Selbst wenn relativ bald ein Weg gefunden wird, die direkten Feindseligkeiten zu beenden, werden die unbeabsichtigten Folgen des Iran-Konflikts noch viel länger zu spüren sein als die ursprünglich angekündigten wenigen Wochen“, sagt Alain Bokobza, Leiter der globalen Asset Allokation bei der Société Générale.
„Solange es nicht gelingt, die Lage durch entschlossene militärische Interventionen oder diplomatische Bemühungen zu ändern, wird die Straße von Hormus für die meisten Schiffe gesperrt bleiben. Vergeltungsschläge gegen benachbarte Golfstaaten haben die LNG-Produktionskapazitäten für viele Monate schwer beeinträchtigt“, fügt er hinzu. „Die Inflationserwartungen sind stark angestiegen, was neben einer restriktiveren Geldpolitik der Zentralbanken weltweit zu einem gleichzeitigen Ausverkauf sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen geführt hat.“
Die EZB hat am 19. März ihre Inflationsprognose angehoben und rechnet nun damit, dass die Gesamtinflation im Jahr 2026 durchschnittlich 2,6 % betragen wird, gegenüber 1,9 % im Dezember. Die Prognose für 2027 wurde von 1,8 % auf 2,0 % angehoben.
„Einige Länder haben bereits fiskalische Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise beschlossen. In Spanien und Italien sind die Preise für Diesel und Benzin daher bereits gesunken, was sich entlastend auf die Inflationsrate im April auswirken sollte“, sagt Kastens von der DWS. Die Erdgaspreise hingegen reagieren mit einer gewissen Verzögerung, da die Haushalte in den meisten Ländern langfristige Verträge haben, erklärt sie.
Unterdessen wird erwartet, dass der Beginn der Urlaubssaison die Preise für Flugtickets und Pauschalreisen in der Eurozone in die Höhe treiben wird, und die Unternehmen könnten angesichts steigender Kosten Preiserhöhungen schneller durchsetzen.
„Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert und die Straße von Hormus de facto geschlossen ist, desto größer wird das Risiko von Zweitrundeneffekten“, sagt Kastens.
“Auf der EZB-Konferenz hat EZB-Präsidentin Lagarde die Reaktionsfunktion der Notenbank nochmals verdeutlicht: Nicht der Energiepreisschock an sich ist entscheidend, sondern die sich daraus ergebenden möglichen Zweitrundeneffekte für die Inflation. Vor diesem Hintergrund erwarten wir keine geldpolitischen Schnellschüsse der EZB. Abwarten ist für uns derzeit immer noch die beste Option”, so Kastens.
Uneinheitliches Inflationsbild in der Eurozone
Die Inflationsraten fielen innerhalb der Union sehr unterschiedlich aus, wobei die jährlichen Raten zwischen 1,5 % in Italien und Zypern und 4,7 % in Kroatien lagen.
Die Inflationsrate in Deutschland stieg von 2,0 % im Februar auf 2,8 %. In Frankreich lag die jährliche Inflationsrate bei 1,9 % (nach 1,1 % im Februar), in Spanien bei 3,3 % (nach 2,5 %).

