EZB lässt Zinsen unverändert, hebt Inflationsausblick deutlich an

Die Europäische Zentralbank hält erwartungsgemäß die Zinsen stabil. Die Inflationsprognose für 2026 hebt sie kräftig an von 1,9 % auf 2,6 %.

Das Gebäude der Europäischen Zentralbank mit dem Euro-Symbol ist in Frankfurt zu sehen.
Halil Sagirkaya/Anadolu via Getty

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die EZB hat die Zinssätze zum sechsten Mal in Folge unverändert belassen.
  • Die Inflationsprognose wurde nach oben korrigiert, da sich der Krieg im Nahen Osten „erheblich auf die Inflation auswirken“ wird.
  • Angesichts der wiederaufkommenden Inflationsängste aufgrund steigender Ölpreise preisen die Märkte nun zwei Zinserhöhungen im Laufe des Jahres 2026 ein.

Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins am Donnerstag wie erwartet unverändert bei 2 % belassen - trotz wachsender Sorgen über einen erneuten Anstieg der Inflation in der Eurozone infolge höherer Öl- und Erdgaspreise im Zuge des Nahostkonflikts. Damit bleibt der Leitzins bereits zum sechsten Mal in Folge unverändert, seit der Zinssenkungszyklus im Juni 2024 begonnen hatte. Die Entscheidung war einstimmig, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

„Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge“, so Lagarde. ”Durch höhere Energiepreise wird sich der Krieg auf kurze Frist erheblich auf die Inflation auswirken. Die mittelfristigen Auswirkungen werden sowohl von der Intensität und der Dauer des Konflikts als auch davon abhängen, wie die Energiepreise auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Wirtschaft beeinträchtigen."

Die Reaktion an den Aktien- und Anleihemärkten war begrenzt, da die Entscheidung erwartet wurde. Aktien und Anleihen stehen aktuell unter Druck.

Die Stimmung hat sich erheblich gewandelt, seit die israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran die globalen Energiemärkte erschüttert haben: Angesichts wachsender Inflationsängste sind die Erwartungen hinsichtlich Zinssenkungen durch die EZB Wetten auf Zinserhöhungen im Jahr 2026 gewichen.

Die Swap-Märkte, die die Erwartungen der Anleger hinsichtlich der künftigen Leitzinsen der Zentralbanken in Echtzeit widerspiegeln, preisen derzeit für den Rest des Jahres 2026 zwei Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte ein.

“Angesichts der derzeitigen Unsicherheit an den Märkten ist diese Entscheidung absolut nachvollziehbar”, sagt Michael Field, Chefstratege für den europäischen Markt bei Morningstar. “Die Zinspolitik war bis vor wenigen Wochen noch relativ unspektakulär. Nun, da der Ölpreis auf 115 Dollar pro Barrel gestiegen ist, hat sich die Lage völlig gewendet. Die Zentralbanker sind natürlich besorgt über die Auswirkungen auf die Inflation, falls sich der Konflikt verschärft oder in die Länge zieht – was angesichts der bisherigen Entwicklungen nicht ausgeschlossen werden kann."

Die Entscheidung der EZB fällt in eine Woche, in der zahlreiche wichtige Sitzungen der Zentralbanken stattfinden. Die US-Notenbank und die Bank of Canada ließen ihre Zinssätze am 18. März unverändert, ebenso wie die Schweizerische Nationalbank, die Bank of England, die schwedische Riksbank und die Bank of Japan am Donnerstag vor der Entscheidung der EZB.

Zinsentscheidung der EZB im März 2026

Seit dem 11. Juni 2025 gelten für die drei Leitzinsen der EZB folgende Sätze:

  • Einlagenzinssatz: 2,00 % (unverändert)
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,15 % (unverändert)
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,40 % (unverändert)

EZB erwartet deutlich höhere Inflation in 2026

Die Experten der EZB haben ihre Wirtschaftsprognosen aktualisiert. Sie gehen nun davon aus, dass die Gesamtinflation im Durchschnitt bei

  • 2,6 % im Jahr 2026 (deutlich höher als die 1,9 % in der Dezember-Prognose)
  • 2,0 % im Jahr 2027 (zuvor 1,8 %)
  • 2,1 % im Jahr 2028 (zuvor 2,0 %)

Für die Kerninflation, also die Teuerung ohne Energie und Nahrungsmittel, gehen die Fachleute von durchschnittlich 2,3 % für 2026, 2,2 % für 2027 und 2,1 % für 2028 aus. Im Vergleich dazu lagen die Prognosen vom Dezember bei 2,4 % für 2025, 2,2 % für 2026, 1,9 % für 2027 und 2,0 % für 2028.

Laut der Schnellschätzung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise in der Eurozone im Februar gegenüber dem Vorjahr um 1,9 %; dies entspricht einem Anstieg gegenüber dem Wert von 1,7 % im Januar und liegt über den Konsensschätzungen. Die Rate liegt knapp unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2 %.

Wachstumsprognose der EZB nach unten revidiert

Die Experten der EZB haben ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone wie folgt angepasst:

  • 0,9 % im Jahr 2026 (zuvor bei 1,2 %)
  • 1,3 % im Jahr 2027 (zuvor bei 1,4 %)
  • 1,4 % im Jahr 2028 (unverändert)

Anleiherenditen steigen angesichts veränderter Zinsaussichten

Der weltweite Ausverkauf an den Märkten nach dem Ausbruch des Iran-Kriegs hat die Anleihekurse in der Eurozone deutlich unter Druck gesetzt, da sich die Erwartungen für Zinsen und Inflation spürbar verschoben haben. Wenn die Renditen von Anleihen steigen, fallen ihre Kurse, da Anleger eine höhere Vergütung für die Bereitstellung von Kapital verlangen.

„Der Iran-Krieg und der daraus resultierende Anstieg der Ölpreise haben die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen auf den höchsten Stand seit Ende 2023 getrieben“, sagt Shannon Kirwin, Principal im Bereich Fixed Income bei Morningstar. Bundesanleihen gelten als Referenzwert für Staatsanleihen der Eurozone. „Bei der jüngsten Bundesanleiheauktion war die Nachfrage schwach, die Sorgen vor Stagflation haben zugenommen – auch wenn dies von den meisten weiterhin als ein Risiko mit geringer Wahrscheinlichkeit angesehen wird - und die Märkte sind von der Erwartung, dass die EZB die Zinsen unverändert lassen würde, dazu übergegangen, nun ein bis zwei Zinserhöhungen bis zum Jahresende einzupreisen, sagt sie.

„Einerseits könnte man argumentieren, dass Renditen 10-jähriger Bundesanleihen von knapp 3 % den attraktivsten Einstiegspunkt seit über zwei Jahren bieten – doch dabei würde man das erhebliche Risiko weiterer Kursverluste unterschätzen -, insbesondere wenn die Energiekrise anhält“, fügt sie hinzu.

Wird die EZB die Zinsen im Jahr 2026 senken?

Ulrike Kastens, Senior-Ökonomin bei der DWS, geht davon aus, dass der Einlagensatz der EZB in den kommenden Monaten unverändert bei 2,0 % bleiben wird. „Im Fall der Fälle dürfte die EZB jedoch heute schneller agieren als 2022, um dem Anstieg der Inflationserwartungen bereits im Vorfeld zu begegnen“, sagte sie.

„Der entscheidende Faktor ist dabei, wie lange der Krieg mit dem Iran dauert und wie lange sich dies in erheblichen Verwerfungen an den Energiemärkten niederschlägt. Da es keine einfache Antwort auf diese Frage gibt, dürfte es umso wichtiger sein, dass EZB-Präsidentin Lagarde klar und deutlich macht, dass sich der Inflationsanstieg der Jahre 2022 und 2023 nicht wiederholen wird. Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch“, so Kastens.

Carsten Brzeski, Global Head of Macro bei der ING, glaubt nicht, dass ein Zinsanstieg kurz bevor steht. „Der veränderte Ton und die neue Wortwahl in der geldpolitischen Erklärung deuten auf größere Unsicherheit hin, signalisieren aber auch, dass die EZB den Energiepreisschock - zumindest vorerst - als einmaliges Ereignis betrachten wird, auch wenn sie natürlich weiterhin in höchster Alarmbereitschaft bleiben wird.“

„Sollte die EZB noch in diesem Jahr eine Straffung beschließen, rechnen wir nicht mit Zinserhöhungen, die über das hinausgehen, was die Märkte bereits eingepreist haben“, fügt Konstantin Veit, Portfoliomanager bei Pimco, hinzu.

Wann finden die EZB-Sitzungen im Jahr 2026 statt?

  • 30. April 2026
  • 11. Juni 2026
  • 23. Juli 2026
  • 10. September 2026
  • 29. Oktober 2026
  • 17. Dezember 2026

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