Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Schweizerische Nationalbank hat ihren Leitzins wie erwartet bei 0 % belassen.
- Die SNB hat ihre Inflationsprognose für 2026 angehoben, ihre Prognose für 2027 jedoch gesenkt.
- Die politischen Entscheidungsträger wollen eher in die Devisenmärkte eingreifen, als die Zinsen in den negativen Bereich zu senken.
Die Schweizerische Nationalbank, die als erste in Europa Anfang 2024 mit Zinssenkungen begonnen hatte, beließ die Zinsen am Donnerstag bei 0% in einem Umfeld steigender Energiepreise und einer Aufwertung des Schweizer Frankens. Dies entspricht den Markterwartungen, dass die Schweizerische Nationalbank nicht zu Negativzinsen zurückkehren, sondern stattdessen Interventionen am Devisenmarkt vorziehen würde.
„Angesichts des Konflikts im Nahen Osten ist die Bereitschaft der Nationalbank, am Devisenmarkt zu intervenieren, erhöht“, heisst es in der Pressemitteilung. „Damit wirkt die Nationalbank einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegen, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde.“
Die SNB hat ihre kurzfristigen Inflationsprognosen aufgrund der gestiegenen Energiepreise nach oben korrigiert, ihre mittelfristigen Prognosen jedoch nach unten revidiert, da der Schweizer Franken gegenüber anderen Währungen, insbesondere gegenüber dem Euro, weiter an Wert gewinnt.
Die Entscheidung kommt einen Tag, nachdem die US-Notenbank beschlossen hatte, die Zinsen unverändert im aktuellen Zielkorridor von 3,50 % bis 3,75 % zu belassen. Die Terminmärkte preisen nun nur noch eine Zinssenkung im Jahr 2026 ein für die USA, verglichen mit zwei Senkungen vor Kriegsbeginn. Am Mittwoch beschloss auch die Bank of Canada, die Zinsen unverändert zu lassen.
Die Europäische Zentralbank wird ihre Zinsentscheidung heute um 14:15 Uhr bekannt geben, die Bank of England um 13:00 Uhr.
SNB: Inflation dürfte kurzfristig steigen
Die Inflationsrate in der Schweiz blieb im Februar den dritten Monat in Folge bei 0,1 % im Jahresvergleich auf damit auf einem niedrigen Niveau, während das Wirtschaftswachstum moderat ausfällt. Die SNB betrachtet eine Inflationsrate zwischen 0 % und 2 % als mit der Preisstabilität vereinbar.
Die SNB rechnet nun aufgrund steigender Energiepreise mit einer höheren Inflation in den kommenden Quartalen, hat jedoch ihre mittelfristigen Inflationsprognosen nach unten korrigiert, da der Schweizer Franken aufgrund der Nachfrage nach sicheren Anlagen weiter an Wert gewinnt. „Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognosezeitraum im Bereich der Preisstabilität“, heisst es in der Pressemitteilung. Damit beläuft sich die Schätzung der durchschnittlichen jährlichen Inflationsrate auf:
- 0,5 % für 2026 (gegenüber 0,3 % in der Prognose vom Dezember)
- 0,5 % für 2027 (ein Rückgang gegenüber zuvor 0,6 %)
- und 0,6 % für 2028 (neue Prognose)
Wirtschaftliche Aussichten ungewiss wegen Krieg im Nahen Osten
Die wirtschaftlichen Aussichten für die Schweiz in den kommenden Monaten sind laut SNB ungewiss. „In der kürzeren Frist könnte das Wachstum eher verhalten ausfallen, mittelfristig ist eine gewisse Belebung zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2026 geht die Nationalbank aktuell von einem Wachstum von rund 1% aus, gefolgt von rund 1,5% im Jahr 2027.“
Das Schweizer BIP ist im vierten Quartal erneut gewachsen, nachdem es im Vorquartal geschrumpft war. „Das Hauptrisiko für die Konjunkturaussichten der Schweiz ist die Entwicklung der Weltwirtschaft“, konstatiert die SNB.
SNB dürfte Zinsen vorerst nicht in den negativen Bereich senken
„Der Präsident der SNB hat wiederholt betont, dass Devisenmarktinterventionen für die Bank nach wie vor die bevorzugte erste Verteidigungslinie sind, bevor sie zu Zinssenkungen greift“, sagt Martina Honegger-Romahn, Lead Portfolio Manager Fixed Income Switzerland bei Allianz Global Investors.
„Sofern der Schweizer Franken nicht wesentlich aufwertet oder sich die inländischen Wirtschaftsaussichten nicht drastisch verschlechtern, gehen wir davon aus, dass die SNB in naher Zukunft in erster Linie auf Devisenmarktinterventionen setzen und die Leitzinsen unverändert lassen wird.“

