Allianz-Fondsmanager: Wie man sich auf einen volatileren Marktzyklus einstellt

Laut Marcus Stahlhacke, Multi-Asset-Manager bei der Allianz, ist die nächste Phase der Marktrenditen breiter angelegt, volatiler und weniger abhängig von einer kleinen Gruppe dominanter Aktien.

Veranschaulichung der Marktvolatilität anhand von Bildern eines Mannes mit Fernglas, einem Ticker und Münzen in Masken in Form von Aufwärts- und Abwärtspfeilen

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Nach Ansicht des Fondsmanagers der Allianz sind diversifizierte Portfolios angesichts eines volatilen makroökonomischen Umfelds konzentrierten Anlagen vorzuziehen.
  • Kurzfristig geht er von einem „Durchwursteln“-Szenario aus, bei dem sich das Wachstum verlangsamt, aber positiv bleibt, und die Inflation zurückgeht, jedoch weiterhin Schwankungen unterliegt.
  • Schwellenmärkte, europäische Aktien, Sachwerte und Rohstoffe würden zu immer wichtigeren Triebkräften für risikobereinigte Renditen, sagt er.

Nach Jahren der Marktführerschaft, die sich auf eine kleine Gruppe marktbeherrschender Aktien konzentrierte, könnte das Investieren nun in eine ganz andere Phase eintreten, sagt Marcus Stahlhacke, Multi-Asset-Manager bei der Allianz. Diese Phase werde durch größere Renditeschwankungen, anhaltende Volatilität und sich wandelnde makroökonomische Risiken geprägt sein.

Marcus Stahlhacke ist Co-Lead Manager des „Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 15 Fund“, der seit 2023 seine Referenzindizes und Mitbewerber übertroffen hat und in vier der letzten sechs Jahre im obersten Quartil seiner Kategorie rangierte.

Allianz Global Investors Fund - Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 15 IT EUR

In diesem Interview erläutert er, wie er sich in einem zunehmend instabilen globalen Umfeld zurechtfindet, das von geopolitischen Spannungen, einer ungewissen Inflationsentwicklung und politischen Risiken geprägt ist. Stahlhacke erklärt, warum Diversifizierung, Selektivität und taktische Flexibilität heute entscheidend sind, um Chancen über verschiedene Anlageklassen hinweg zu nutzen und gleichzeitig das Verlustrisiko zu begrenzen.

Ein instabileres makroökonomisches Umfeld

Valerio Baselli: Ihre aktuelle Portfoliozusammensetzung deutet auf einen selektiven Ansatz über alle Anlageklassen hinweg hin: Welche makroökonomischen Risiken bereiten Ihnen derzeit die größten Sorgen, und wie spiegeln sich diese in Ihren aktuellen Asset-Allokationen wider?

Marcus Stahlhacke: Die Makrorisiken, auf die wir uns konzentrieren, sind: ein durch den Energiesektor bedingter Wiederanstieg der Inflation, erneute Störungen der Lieferketten aufgrund geopolitischer Entwicklungen sowie das Risiko politischer Fehlentscheidungen, etwa wenn die Zentralbanken ihre restriktive Geldpolitik beibehalten, gerade wenn sich das Wachstum abschwächt. Dies spiegelt sich in einer selektiven, diversifizierten Asset-Allokation über Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Sachwerte wider, mit einer regionalen Gewichtung bei Aktien dort, wo unsere Überzeugung am größten ist, sowie mit expliziten Diversifikationsmaßnahmen, um die Abhängigkeit von einem einzigen makroökonomischen Szenario zu verringern. Zudem gestalten wir die Umsetzung flexibel, damit wir schnell reagieren können, falls sich der Verlauf des Iran-Konflikts oder die Inflationsaussichten ändern.

Baselli: Auf welches makroökonomische Szenario stellen Sie sich implizit für die nächsten 12 bis 18 Monate ein?

Stahlhacke: Wir stellen uns auf ein Makroszenario ein, bei dem wir uns in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren „durchwursteln“: Das Wachstum verlangsamt sich, bleibt aber positiv, die Inflation liegt unter dem jüngsten Höchststand, ist jedoch weiterhin volatil, und die geopolitische Lage verhindert eine vollständige Normalisierung der Risikoprämien. Vor diesem Hintergrund streben wir diversifizierte Renditequellen an: ausgewählte Aktien, widerstandsfähige Anleihenpositionen und Diversifikatoren in Form von Sachwerten, die bei Inflationsschocks helfen können. Ziel ist es nicht, auf eine einzelne Prognose hin zu optimieren, sondern eine robuste Mischung zu halten, die mit Regimewechseln und episodischer Volatilität umgehen kann.

Wo sich neue Chancen eröffnen

Baselli: Der Fonds scheint ein Engagement in Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Rohstoffen zu halten. Wo sehen Sie derzeit die größten risikobereinigten Chancen, und wo sind Sie am vorsichtigsten?

Stahlhacke: Derzeit sehen wir die größten risikobereinigten Chancen bei ausgewählten Aktien sowie in der Diversifizierung über Sachwerte. Bei den Aktien bevorzugen wir Schwellenländer – mit einem aktuellen Schwerpunkt auf Osteuropa und Lateinamerika. In diesem Zusammenhang sticht Brasilien als Netto-Ölexporteur hervor, was bei hohen Energiepreisen von Vorteil sein kann. Wir schätzen zudem Japan und Europa, mit besonderem Fokus auf Großbritannien. Ergänzt werden diese Positionen durch Engagements wie Small Caps, Immobilienaktien und Finanzwerte, die die Renditetreiber des Portfolios erweitern.

Im Bereich festverzinslicher Wertpapiere liegt der Fokus weiterhin auf Qualität und Widerstandsfähigkeit, während wir bei Anleihen mit geringerer Bonität vorsichtiger sind, da die Spreads die Abwärtsrisiken möglicherweise nicht ausreichend kompensieren. Anleihen aus Schwellenländern bieten innerhalb der Allokation in festverzinslichen Wertpapieren zusätzliche Diversifizierungs- und Ertragspotenziale.

Darüber hinaus bieten Silber und Gold (einschließlich Produzenten), ein breit gefächertes Rohstoffengagement sowie Katastrophenanleihen potenzielle Quellen zusätzlicher Renditen, die in der Regel weniger stark mit den traditionellen Aktien- und Anleihemärkten korrelieren.

Renten: Fokus auf Qualität und Selektivität

Baselli: Wie beurteilen Sie angesichts Ihrer derzeitigen Duration und Kreditpositionierung die Zinsrisiken und die Geldpolitik der Zentralbanken in den kommenden Quartalen?

Stahlhacke: Was die Duration und den Kreditbereich betrifft, gehen wir davon aus, dass die Zinsvolatilität wahrscheinlich auf einem hohen Niveau bleiben wird. Energiepreise und geopolitische Entwicklungen können die Unsicherheit hinsichtlich der Inflation aufrechterhalten, während jede Enttäuschung beim Wachstum zu einer raschen Neubewertung der Zinspfade führen könnte.

Wir halten daher unser Durationsengagement moderat und diversifizieren es über verschiedene Märkte hinweg und vermeiden Positionen, die auf eine rasche Umstellung auf eine lockerere Geldpolitik setzen. Bei Anleihen legen wir Wert auf Selektivität und Qualität, da Ausfallrisiken und Liquiditätsprämien schnell wieder auftauchen können, wenn sich die Risikostimmung ändert. Insgesamt streben wir ein Gleichgewicht zwischen Rendite und Widerstandsfähigkeit an.

Was hat die Wertentwicklung dieses Allianz-Fonds seit 2023 bestimmt?

Baselli: Seit 2023 hat der Fonds seine Morningstar-Kategorie und die Vergleichsgruppe übertroffen. Welche konkreten Umschichtungen oder taktischen Entscheidungen haben am meisten zu dieser Wertentwicklung beigetragen?

Stahlhacke: Die Outperformance seit 2023 wurde durch gezielte taktische Entscheidungen sowie Satellitenengagements vorangetrieben, die zur Renditesteigerung beitrugen und die Drawdown-Kontrolle verbesserten. Im Jahr 2023 profitierte das Portfolio von einer gezielten Allokation in japanische Aktien, begünstigt durch unterstützende wirtschaftspolitische Maßnahmen sowie die Bemühungen der Tokyo Stock Exchange um eine höhere Kapitaleffizienz.

Im Jahr 2024 trug eine opportunistische Long-Volatilitätsstrategie durch gutes Timing dazu bei, das Portfolio in Phasen erhöhter Marktturbulenzen zu stabilisieren. Im Jahr 2025 stärkte eine Allokation in Edelmetalle die Widerstandsfähigkeit und Diversifizierung des Portfolios, insbesondere als Absicherung gegen makroökonomische Schocks und geopolitische Unsicherheiten.

Diese Satellitenanlagen ergänzten die Kernallokation über verschiedene Anlageklassen hinweg.

Baselli: Gab es irgendwelche konträren Positionen oder Positionen, bei denen Sie besonders überzeugt waren, die sich als besonders wirkungsvoll erwiesen haben?

Stahlhacke: Ja. Mehrere Positionen, von denen wir fest überzeugt waren, erwiesen sich als besonders wichtig, da sie trotz der Volatilität konsequent gehalten und nicht aufgrund von Schlagzeilen gehandelt wurden. So haben wir beispielsweise unsere Präferenz für Aktien aus Schwellenländern weltweit und Europa beibehalten, selbst als die globale Stimmung von einer begrenzten Anzahl von Märkten und Anlagestilen dominiert wurde.

Wir sind der Ansicht, dass diese Regionen eine ausgewogenere Mischung aus soliden Fundamentaldaten und attraktiven Bewertungen bieten. Wir setzen zudem gezielte Absicherungsstrategien ein, wenn die Risikoprämien zu selbstgefällig erschienen, was dazu beitrug, Abwärtsrisiken zu bewältigen, ohne Kernengagements aufzugeben. Diese Positionen waren wirkungsvoll, da sie auf Bewertungen, Fundamentaldaten und Diversifizierungsvorteilen beruhten - und nicht auf kurzfristigen Marktmeinungen.

Baselli: Wie entscheiden Sie, wann Sie wesentliche Umschichtungen vornehmen und wann Sie eine stabilere Positionierung beibehalten?

Stahlhacke: Wir nehmen wesentliche Umschichtungen vor, wenn unsere Überzeugung, das Risikobudget und die Umsetzungsbedingungen übereinstimmen. Unsere Überzeugung ergibt sich aus der Kombination unserer fundamentalen Analyse mit systematischen Inputs, während das Risikobudget bestimmt, wie viel Risiko wir eingehen können, ohne das defensive Profil des Fonds zu verletzen.

Auch die Umsetzung spielt eine Rolle: Wir berücksichtigen Liquidität, Bewertungen und die Frage, ob die Änderung die Diversifizierung verbessert oder das Risiko konzentriert. Wenn diese Elemente übereinstimmen, nehmen wir entschlossen eine Neugewichtung vor; wenn dies nicht der Fall ist, behalten wir eine stabilere Positionierung bei und nutzen kleinere Gewichtsverschiebungen oder Absicherungen, um das Risikoprofil fein abzustimmen.

ESG als Instrument des Risikomanagements

Baselli: Inwieweit war Ihr „Best-in-Class“-Ansatz im ESG-Bereich eine Quelle für Alpha und inwieweit eine Einschränkung Ihres Anlageuniversums, insbesondere in Sektoren wie Energie oder Rohstoffe, die sich in letzter Zeit sehr gut entwickelt haben?

Stahlhacke: Unser „Best-in-Class“-Nachhaltigkeitsansatz ist sowohl eine disziplinierende Kraft als auch eine potenzielle Quelle für Wertsteigerung. Indem wir Emittenten mit im Vergleich zu ihren Mitbewerbern stärkeren Nachhaltigkeitsprofilen systematisch bevorzugen, streben wir eine Verringerung der langfristigen Abwärtsrisiken an, die mit Governance-Versagen, Rechtsstreitigkeiten oder Übergangsrisiken verbunden sind – was risikobereinigte Renditen begünstigen kann.

Gleichzeitig kann dies in einigen zyklischen Segmenten, die kurzfristig stark zulegen könnten – darunter Bereich traditioneller Energie- und Rohstoffwertschöpfungsketten –, Teile des investierbaren Universums einschränken. Entscheidend ist, dass wir dies als integrierten Anlagefilter und nicht als separaten Overlay betrachten und etwaige Opportunitätskosten durch Diversifizierung und aktive Auswahl steuern.

Die Rolle von Rohstoffen als Diversifikationsinstrumente

Baselli: Der Fonds hat sein Engagement in Rohstoffen beibehalten. Welche Rolle hat dies für die Wertentwicklung gespielt, insbesondere in Zeiten inflationsbedingter Schwankungen?

Stahlhacke: Rohstoffe haben drei Funktionen erfüllt: Diversifizierung, Inflationsschutz und Renditesteigerung. In Zeiten inflatorischer Schwankungen können sie Portfolios abfedern, wenn sowohl Aktien als auch Anleihen gleichzeitig unter Druck geraten. Insbesondere während des Iran-Konflikts verhielt sich Gold nicht wie eine klassische geopolitische Absicherung: Es geriet unter Druck und konnte den anfänglichen Kursverlust nur teilweise wieder wettmachen.

Ein Grund dafür war, dass der US-Dollar als wichtigster sicherer Hafen fungierte und damit die Nachfrage nach Gold dämpfte. Zudem erhöhten steigende Erwartungen hinsichtlich der Realrenditen die Opportunitätskosten für das Halten von zinslosen Anlagen. Gleichzeitig können die Korrelationen zwischen Gold und Aktien in angespannten Marktphasen zunehmen, was die kurzfristigen Diversifizierungsvorteile von Gold schmälert.

Ausblick: Ein breiteres Spektrum an Gewinnern

Baselli: Rechnen Sie damit, das Risiko im Portfolio künftig zu erhöhen oder zu verringern, und welche Anlageklassen dürften künftig die Renditen vorantreiben?

Stahlhacke: Mit Blick auf die Zukunft lässt sich das Umfeld als instabil, aber nicht mehr akut beschreiben, was eine etwas konstruktivere Haltung rechtfertigt – die jedoch eindeutig als taktisch zu verstehen ist und einer Überprüfung unterliegt. Aufwärtspotenzial bei Risikoanlagen dürfte in erster Linie von den Gewinnen getrieben werden und weniger von einer Umstellung auf eine akkommodierendere Geldpolitik der Zentralbanken.

Gleichzeitig signalisieren die Anleihemärkte mehr Vorsicht als die Aktienmärkte. In der Praxis gehen wir davon aus, dass wir das Risikoengagement kontrolliert und selektiv halten werden, wobei Aktien und hochwertige Duration die wichtigsten Renditetreiber darstellen, ergänzt durch Diversifikatoren und aktives Risikomanagement für den Fall, dass die Volatilität wieder zunimmt.

Der Autor/Autorin oder die Autoren besitzen keine Aktien der in diesem Artikel erwähnten Wertpapiere. Informieren Sie sich hier Redaktions-Richtlinien von Morningstar.