USA: Fed lässt Leitzinsen unverändert und gibt kaum Hinweise Hinweise zum weiteren Kurs

Notenbank-Chef Kevin Warsh verweist auf die Anleiherenditen als Indikator für die Konjunkturlage, doch der neue Kommunikationsstil bietet Anlegern kaum Anhaltspunkte.

Das Marriner S. Eccles Federal Reserve Board Building, Hauptsitz des Federal Reserve Board.
Brooks Kraft via Getty

Kevin Warsh hat seine zweite Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) als Vorsitzender der US-Notenbank Federal Reserve absolivert. Wir haben nach wie vor kaum Einblick gewonnen, wie die Zentralbank unter seiner Leitung agieren wird. Die Fed hat den Federal-Funds-Satz bei der gestrigen Sitzung unverändert belassen.

Unmittelbar vor der Sitzung war der Ausgang ungewiss; noch am Dienstag preisten die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent für eine Zinserhöhung ein. Dies ist im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit ungewöhnlich, da die Entscheidungen des FOMC in den Wochen vor jeder Sitzung schrittweise signalisiert wurden. Noch auffälliger ist jedoch, dass sich die Fed zu ihren nächsten Schritten bislang fast gar nicht geäußert hat.

Der Leitzins wird seit über sieben Monaten in einer Zielbandbreite von 3,50 Prozent bis 3,75 Prozent gehalten. Der jüngste Schritt der Fed war eine Zinssenkungsphase, in deren Rahmen der Zinssatz von September 2024 bis Dezember 2025 um insgesamt 1,75 Prozentpunkte gesenkt wurde. Nun wird jedoch erwartet, dass die Fed aufgrund der beschleunigten Inflation und nachlassender Bedenken hinsichtlich des Arbeitsmarktes wieder mit Zinserhöhungen beginnen wird.

Warum hat die Fed die Zinsen nicht angehoben? Das wissen wir nicht. Die Erklärung der Fed zur Sitzung blieb gegenüber dem Vormonat unverändert. Wir wissen jedoch, dass im Gegensatz zur Sitzung im Vormonat drei der zwölf Stimmberechtigten der heutigen Entscheidung widersprachen und sich für eine Zinserhöhung aussprachen. In der Pressekonferenz wurde Warsh gefragt, warum die Mehrheit des Ausschusses beschlossen habe, die Zinsen unverändert zu lassen, und warum die drei Abweichler für eine Zinserhöhung plädierten. Er lehnte es ab, auf eine der beiden Fragen eine substanzielle Antwort zu geben.

Insgesamt gab Warsh in der Pressekonferenz kaum aussagekräftige Informationen preis. Er war zwar nicht wortkarg, wich jedoch bei den meisten Fragen auf eher philosophische Aspekte der Geldpolitik oder bloße Plattitüden aus. Er fand zwar deutliche Worte und betonte mehrfach, die Fed müsse ihre Ziele besser erreichen. Dabei wiederholte er immer wieder die Formulierung, die USA hätten „mehr als fünf Jahre ... hoher Inflation“ erlebt. Konkrete Aussagen zum weiteren Kurs blieben jedoch weitgehend aus.

Natürlich vertritt Warsh die Auffassung, dass die Fed deutlich weniger kommunizieren sollte als bisher, weshalb die Zurückhaltung nicht wirklich überraschend war. Warsh hat den Wunsch geäußert, dass die Marktteilnehmer mehr Zeit damit verbringen, über die Wirtschaftslage nachzudenken, und sich weniger auf die Einschätzung der Fed fixieren.

Dies führt uns zu dem einen Punkt, an dem wir möglicherweise Einblicke in Warshs Denkweise gewinnen: seinen Kommentaren zu den jüngsten Marktbewegungen. Er erwähnte den jüngsten Anstieg der Renditen für US-Staatsanleihen. Die Rendite für 10-jährige Treasuries ist seit seinem Amtsantritt als Vorsitzender um rund 20 Basispunkte gestiegen. Er befürwortete den Renditeanstieg zwar nicht ausdrücklich, sprach ihm jedoch implizit seine Unterstützung aus, indem er erklärte, dies sei ein Beispiel dafür, dass „die Märkte in Echtzeit auf neue Informationen reagieren“.

Da dieser Anstieg der Renditen mit einer gewissen Festigung der Erwartungen hinsichtlich Zinserhöhungen einherging, deutet dies darauf hin, dass Warsh bei den kommenden Sitzungen eine gewisse Straffung der Geldpolitik befürworten wird. Derzeit rechnet der Markt mit einer Zinserhöhung im Jahr 2026 und einer zweiten Anfang 2027.

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