2026 stieg die Inflation in den USA, aber wir gehen davon aus, dass sie in den nächsten Jahren wieder sinkt.
Nachdem die Schocks der Pandemiezeit die Inflation in den USA 2022 auf einen Höchststand von 6,5 Prozent getrieben hatten (gemessen am Preisindex für persönliche Konsumausgaben, dem sogenannten PCE-Index), begann die Inflation zu sinken - bis 2024 auf 2,6 Prozent. Doch dieser Rückgang kam im letzten Jahr zum Stillstand, was auf den Zollschock zurückzuführen war, der 2025 rund 0,3 Prozentpunkte zur Inflation beitrug. In diesem Jahr stieg die Inflation erneut, was vor allem auf den Iran-Krieg zurückzuführen ist.
Nach unserer aktuellsten Prognose rechnen wir damit, dass die Inflation 2027 auf 2,4 Prozent sinkt und im Zeitraum 2028 bis 2030 durchschnittlich bei 2,0 Prozent liegen wird. Dieser Rückgang wird ein entscheidender Faktor dafür sein, dass die Federal Reserve ihre Zinssenkungen wieder aufnimmt, nachdem sie die Zinsen am 16. September angehoben hatte.
Inflationsrate in den USA (PCE) (in Prozent)
Hier sind vier Gründe, warum wir optimistisch für einen Rückgang der Inflation sind
1) Die Auswirkungen der Zölle werden nachlassen
Zollerhöhungen im Jahr 2025 ließen die Wareninflation ansteigen, und auch in diesem Jahr kam es weiterhin zu zollbedingten Preiserhöhungen. Die Kerninflation bei Waren (d. h. Waren ohne Lebensmittel und Energie) lag 2025 bei 0,9 Prozent und entwickelte sich 2026 in Richtung 1,6 Prozent. Der historische Durchschnitt (2005 bis 2019) für die Kerninflation bei Waren liegt bei etwa 0 Prozent. Der derzeitige Überschuss ist nicht ausschließlich auf Zölle zurückzuführen (beispielsweise treibt eine Besonderheit bei der Messung der Software-Inflation die Inflation bei langlebigen Gütern künstlich in die Höhe), doch der größte Teil ist darauf zurückzuführen.
PCE-Inflation-Prognose: Wesentliche Komponenten (Wachstum in Prozent)
Der durchschnittliche Zollsatz blieb nahezu unverändert, seit der Oberste Gerichtshof im Februar 2026 einen Teil der Zölle für nichtig erklärte. Es sieht nicht so aus, als stünden größere neue Zollerhöhungen bevor. Sobald sich die Auswirkungen der Zollerhöhungen aus dem Jahr 2025 vollständig ausgewirkt haben, dürfte die Inflation bei langlebigen Gütern und bei kurzlebigen Kerngütern daher deutlich näher an die historischen Durchschnittswerte zurückgehen.
2) Der Anstieg der Energiepreise dürfte sich umkehren
Die Ölpreise steigen erneut stark an, da der im Juni vereinbarte Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran nicht zur Wiederöffnung der Straße von Hormus führte und die Kämpfe im August wieder aufflammten. Der Preis für West Texas Intermediate lag am 14. September bei 102 US-Dollar pro Fass, was einem Anstieg von über 70 Prozent seit Jahresbeginn entspricht.
Die Märkte gehen jedoch weiterhin davon aus, dass die Preise im Laufe des nächsten Jahres und darüber hinaus stark zurückgehen. Die Terminpreise für Oktober 2027 liegen bei 72 US-Dollar pro Fass. Bei einer solchen Entwicklung werden die Preise an den Tankstellen im Laufe des nächsten Jahres drastisch sinken und im nächsten Jahr einen deflationären Impuls auslösen, so wie sie in diesem Jahr einen inflationären Impuls ausgelöst haben.
Terminkursen für West Texas Intermediate
Zugegebenermaßen könnte sich der Terminmarkt irren. Zu Beginn hatte der Markt die Dauer des Konflikts unterschätzt. Im März schossen die kurzfristigen Preise noch über 100 US-Dollar pro Fass, aber die Terminkontrakte für Oktober 2026 wurden unter 80 US-Dollar pro Fass gehandelt, was darauf hindeutete, dass der Krieg inzwischen längst beigelegt sein müsste. Nun werden die Kontrakte für Oktober 2026 über 100 US-Dollar gehandelt.
Unsere Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es schwierig ist, die kurzfristige Entwicklung der Rohstoffmärkte genauer vorherzusagen. Und die Einschätzung des Terminmarktes erscheint durchaus plausibel. Die Disruption, die durch den Krieg zwischen den USA und dem Iran verursacht wurde, ist größtenteils nicht von Dauer. Irgendwann wird die Meerenge wieder geöffnet und die Infrastruktur wiederhergestellt sein. Der Warenfluss wird wieder aufgenommen werden. Das wird dazu führen, dass sich die Ölpreise wieder annähernd auf das Vorkriegsniveau einpendeln. Im Gegensatz dazu erfordern dauerhafte Preisschocks dauerhafte Ursachen (wie beispielsweise das Erwachen der Marktmacht der OPEC in den 1970er Jahren).
3) Das Lohnwachstum steht jetzt im Einklang mit einer niedrigen Inflation
Der Arbeitsmarkt wirkt sich nicht mehr inflationstreibend aus. Das Lohnwachstum verläuft in einem Tempo, das mit einer Inflationsrate von 2 Prozent oder sogar darunter vereinbar ist.
Unser zusammengesetzter Indikator für das Lohnwachstum lag im zweiten Quartal 2026 bei 3,5 Prozent im Jahresvergleich und damit deutlich unter dem Höchststand von 6,2 Prozent im Jahresvergleich, der im ersten Quartal 2022 erreicht wurde. Zieht man das Produktivitätswachstum vom nominalen Lohnwachstum ab, erhält man die implizite Inflationsrate (unter der Annahme eines konstanten Arbeitsanteils am Bruttoinlandsprodukt). Setzt man das durchschnittliche Produktivitätswachstum der letzten sechs Jahre von 1,9 Prozent ein, bedeutet das, dass das aktuelle Lohnwachstum mit einer Inflationsrate von 1,6 Prozent vereinbar ist.
Ein schwaches Lohnwachstum trägt dazu bei, die Inflation in der gesamten Wirtschaft zu senken, insbesondere jedoch bei den Kerndienstleistungen ohne den Wohnungssektor (beispielsweise im Gesundheitswesen oder in der Gastronomie).
4) Die Inflation auf dem Wohnungsmarkt dürfte ihren Abwärtstrend fortsetzen
Die Wohnkomponente der wichtigsten Preisindizes (VPI und PCE), die die von allen Mietern gezahlte Durchschnittsmiete widerspiegelt, reagiert mit einer erheblichen Verzögerung auf die Marktmieten. Aufgrund dieser Verzögerung und des Anstiegs der Marktmieten in den Jahren 2021 bis 2022 lag die offizielle Wohninflation 2024 mit 5,40 Prozent weiterhin auf hohem Niveau. 2025 verlangsamte sie sich auf durchschnittlich 3,90 Prozent, und wir erwarten, dass sie 2026 auf 3,2 Prozent und 2027 auf 3,0 Prozent sinkt. Das Marktwachstum der Mieten hat sich als Reaktion auf die sinkende Nachfrage nach Wohnraum und das gestiegene Angebot stark verlangsamt und lag nach unserem zusammengesetzten Maßstab im Juli 2026 bei lediglich 1 Prozent im Jahresvergleich.

