Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Energiepreise ließen die Inflation in der Eurozone im Juli ansteigen, und auch die Kerninflation nahm gegenüber dem Juni zu.
- Die Derviatemärkte preisen eine Zinserhöhung der EZB um 0,25 Prozentpunkte im September sowie eine weitere Anhebung vor Ende 2026 ein.
- Die Inflationszahlen folgen auf die am 30. Juli veröffentlichten, besser als erwartet ausgefallenen BIP-Daten.
Laut der Vorabschätzung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise in der Eurozone im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent, weil sich die Energieinflation weiter beschleunigte. Im Juni lag der Wert noch bei 2,8 Prozent. Die Kerninflation, bei der volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, belief sich im Juli auf 2,5 Prozent und lag damit über den 2,4 Prozent vom Juni.
Beide Werte lagen über den Konsensschätzungen von FactSet, und die Inflation bleibt damit deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent.
Nach Schätzungen von Eurostat stieg die Energieinflation um 10,0 Prozent – gegenüber 8,5 Prozent im Juni. Brent-Rohöl ist etwa 16,5 Prozent teurer als noch Anfang Juli, da sich der Konflikt im Nahen Osten im Laufe des Monats verschärft hatte.
Die Preise im Dienstleistungssektor stiegen auf 3,3 Prozent, verglichen mit dem Wert von 3,2 Prozent im Juni. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak stiegen um 1,2 Prozent, nach 1,5 Prozent im Juni, und die Preise für Industriegüter (ohne Energie) stiegen um 0,9 Prozent, ebenfalls ein Anstieg gegenüber den 0,7 Prozent im Juni.
„Haupttreiber waren die Energiepreise, die nach dem Auslaufen des Tankrabatts in Deutschland und angesichts der neuerlichen Eskalation im Nahen Osten um 10,0 Prozent stiegen.“, sagt Ulrike Kastens, Senior Economist bei der DWS, zur Gesamtinflation. „Dagegen ging der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln von 1,5 Prozent im Juni auf 1,2 Prozent im Juli zurück. Die Kernrate stieg wieder leicht auf 2,5 Prozent. Verantwortlich hierfür dürften unter anderem Pauschalreisen und urlaubsbedingte Preiserhöhungen sein, die zu einem Anstieg der Dienstleistungspreise von 3,2 auf 3,3 Prozent führten.“
Wird die EZB die Zinsen im September anheben?
Die Entwicklung an den Terminmärkten preist eine weitere Zinsanhebung um einen Viertelpunkt als wahrscheinlichste Szenario ein. Die EZB hatte die Zinsen im Juli unverändert belassen.
Volkswirte rechnen in diesem Jahr mit mindestens zwei weiteren Zinserhöhungen, wobei eine erste Anhebung um 0,25 Prozentpunkte für September erwartet wird.
„Insgesamt ist der Preisdruck unserer Meinung nach von den Energiepreisen getrieben, die indirekten Effekte daraus sind bisher eher begrenzt. Aufgrund der Volatilität an den Energiemärkten ist aber weiterhin Wachsamkeit von Seiten der EZB geboten. Daher rechnen wir unverändert mit einer Zinserhöhung auf 2,50 Prozent im Septemberr“, so Kastens von der DWS.
Die jüngsten Zahlen zum europäischen BIP verschafften der EZB zudem etwas Spielraum, so Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar. Die europäische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1 Prozent und lag damit deutlich über den Erwartungen der Ökonomen, die von einem Wachstum von 0,5 Prozent ausgegangen waren.
Ein uneinheitliches Inflationsbild in der Eurozone
Die Inflationsrate variierte innerhalb der Eurozone, wobei die Jahresraten zwischen 2,0 Prozent in Estland und 5,6 Prozent in Litauen lagen.
Die jährliche Inflationsrate in Italien lag im Juli bei 2,9 Prozent und damit unter den 3,0 Prozent vom Juni. In Deutschland stieg die Inflationsrate von 2,4 Prozent auf 2,8 Prozent, in Frankreich kletterte sie von 2,0 Prozent auf 2,4 Prozent, und in Spanien lag die Inflationsrate im Jahresvergleich bei 3,8 Prozent, ebenfalls ein Anstieg gegenüber den 3,6 Prozent vom Juni.

