EZB-Zinsentscheid am 5. Februar: Kommt eine Zinssenkung oder Pause?

Die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank ihre Zinssätze unverändert lassen wird, denn die Inflation scheint unter Kontrolle zu sein.

Die Frankfurter Bankenskyline mit Blick auf den Turm der Europäischen Zentralbank.
Boris Roessler/picture alliance via Getty

Wichtige Erkenntnisse

  • Die EZB dürfte am 5. Februar zum fünften Mal in Folge die Zinssätze unverändert belassen.
  • Die Mehrheit der Ökonomen geht davon aus, dass die Zinsen für den Rest des Jahres 2026 stabil bleiben werden.
  • Die Inflation in der Eurozone wird als unter Kontrolle angesehen, allerdings steigen angesichts des stärkeren Euro die deflationären Risiken.

Die Europäische Zentralbank dürfte in ihrer Sitzung am 5. Februar die Zinssätze unverändert lassen. Dies wäre die fünfte Sitzung in Folge ohne Zinssenkung, seit die Zentralbank die Zinsen zuletzt im Juni 2025 um 0,25 Prozentpunkte gesenkt hat.

„Angesichts der bereits niedrigen Zinssätze von 2 % und einer Inflation, die sich um das von der EZB angestrebte Niveau von 2 % bewegt, besteht für die Bank keine Notwendigkeit, die Zinssätze zu ändern“, erklärt Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar. „Diese Botschaft wurde von den Ökonomen gut verstanden. In einer aktuellen Umfrage gaben 85 % von ihnen an, dass die Zins-Ankündigung im Februar unverändert bleiben wird.“

„Die Mehrheit der Ökonomen geht davon aus, dass die Zinsen während des gesamten nächsten Jahres auf diesem Niveau bleiben werden – eine kühne Prognose angesichts des unsicheren wirtschaftlichen Umfelds. Allerdings sind die Zinsen niedrig, und die EZB verfügt über einen großen Handlungsspielraum, um sich an veränderte Marktbedingungen anzupassen“, fügt Field hinzu.

Die Swap-Märkte preisen ebenfalls keine Änderung der EZB-Politik bei der Sitzung am 5. Februar ein und signalisieren wenig Bereitschaft für Zinssenkungen im Jahr 2026, wobei die Overnight-Index-Swaps im Herbst nur um etwa 10 Basispunkte sinken, bevor sie zum Jahresende wieder einen Anstieg auf das aktuelle Niveau signalisieren.

Was sind die wichtigsten Leitzinsen der EZB?

Die erste Zinssenkung der EZB erfolgte im Juni 2024, insgesamt acht Zinssenkungen wurde der Einlagezinssatz von 4,00 % auf das derzeitige Niveau von 2,00 % gesenkt. Seit dem 11. Juni 2025 liegen die drei Leitzinsen der EZB bei:

  • Einlagenzinssatz: 2,00 %
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,15 %
  • Spitzenrefinanzierungsfazilität: 2,40 %

Stärkerer Euro lässt Debatte über Zinssenkung im Jahr 2026 wieder aufleben

„Themen der EZB-Sitzung dürften die handelspolitische Unsicherheit, die erneute Aufwertung des Euro und der erwartete deutliche Rückgang der Inflationsrate im Januar unter die 2 %-Marke sein.“, erklärt Ulrike Kastens, Europa-Ökonomin bei der DWS.

Die Inflationsdaten für die Eurozone werden am 4. Februar veröffentlicht, einen Tag vor der Sitzung des EZB-Rates. Der Konsens geht von einer Gesamtinflationsrate von 2,0 % im Jahresvergleich aus, jedoch erwartet der in Frankfurt ansässige Vermögensverwalter einen Wert von nur 1,7 %.

Ein starker Euro gegenüber dem US-Dollar macht Importe für Käufer in der Eurozone günstiger und dämpft somit die Inflation. Der Euro wird derzeit bei 1,19 USD gehandelt, gegenüber 1,17 USD Anfang Januar.

„Bereits im vergangenen Jahr hat der Euro handelsgewichtet um 7,6 Prozent zugelegt; dies ist in den EZB-Projektionen zu Wachstum und Inflation bereits verarbeitet. Insofern besteht trotz der jüngsten Euro-Stärke kein Anlass für eine rasche geldpolitische Anpassung“, fügt Kastens hinzu.

Der stärkere Euro könnte jedoch die Debatte über eine mögliche Zinssenkung wiederbeleben, sagt Carsten Brzeski, Head of Global Macroeconomics Research bei ING. „Derzeit und für die nächste Woche ist der stärkere Euro ein komplizierender Faktor für den gerade einsetzenden zyklischen Aufschwung in der Industrie und für die Wachstumsaussichten im Allgemeinen. Die jüngste Aufwertung wird für die EZB kein Grund sein, nächste Woche ihren Kurs zu ändern“, sagt er.

Wird die EZB im März die Zinsen senken?

Vorerst wird die Zentralbank in ihrem „good Place“ verbleiben, und Brzeski geht nicht davon aus, dass EZB-Präsidentin Christine Lagarde über die Feststellung hinaus, dass die EZB den Wechselkurs genau beobachten werde, weitere Äußerungen zum Devisenmarkt machen wird.

„Sollte sich der aktuelle Trend jedoch fortsetzen und die EZB signalisieren wollen, dass eine leichte Unterschreitung der Inflationszielvorgabe ebenso besorgniserregend ist wie eine leichte Überschreitung, würden die Chancen für eine Zinssenkung im März deutlich steigen“, fügt er hinzu.

Jörg Held, Leiter des Portfoliomanagements bei Ethenea Independent Investors, erklärt: „Für die EZB sehen wir 2026 eventuell einen notwendigen bis maximal zwei mögliche Lockerungsschritte, allerdings nicht kurzfristig und nur falls unbedingt notwendig. Die Zentralbank wird 2026 mehr beobachten und, wenn nötig, unterstützend reagieren, anstatt voreilig zu agieren.“

„Über den starken Euro-Wechselkurs importieren wir Deflation. Das hat die EZB sehr genau auf der Uhr – aber wir sind noch lange nicht an dem Punkt angekommen, an dem sie hier gegensteuern müsste“, erklärt er.

Auch ein Eurokurs von 1,25 US-Dollar wäre historisch gesehen kein ungewöhnlich hohes Niveau. „Problematisch wird es erst, wenn wir durch die starke Währung an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Denn ein zu starker Euro wirkt bremsend – insbesondere für Deutschland mit einem vom ifo Institut und Wirtschaftsweisen für 2026 prognostizierten Wachstum von nur 0,8 bis 0,9 %.“

Wird die Wirtschaft der Eurozone im Jahr 2026 an Dynamik gewinnen?

Die Eurozone hat gegen Ende des Jahres 2025 erste Anzeichen einer Erholung gezeigt, wie neue BIP-Daten belegen. „Trotz des Zollstreits mit den USA und der zunehmenden Konkurrenz aus China hat sich die Eurozone als widerstandsfähig erwiesen“, so Berenberg Economics. Das BIP wuchs im vierten Quartal 2025 um 0,3 % gegenüber dem Vorquartal und übertraf damit die Konsensprognose von Bloomberg von 0,2 %.

Allerdings gibt es große Unterschiede beim Wachstum. Während die spanische und die portugiesische Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um 0,8 % wuchsen, betrugen die Wachstumsraten in Frankreich und Deutschland nur 0,2 % bzw. 0,3 %.

„Trotz nur begrenzter Fortschritte bei den strukturellen Herausforderungen Europas scheint die Wirtschaft in einen konjunkturellen Aufschwung einzutreten“, erklärt Peter Vanden Haute, Chefökonom für die Eurozone bei ING. Der Dienstleistungssektor wächst weiter, und auch das produzierende Gewerbe erholt sich langsam aus ihrer Flaute.

Laut Kastens von der DWS liegen Stimmungsindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex weiterhin über der 50-Punkte-Marke, und auch die Arbeitsmärkte sind stabil. „Die Zinssenkungen der EZB dürften der Bauwirtschaft in diesem Jahr neuen Schub geben. Zudem erhöht Deutschland spürbar seine öffentlichen Investitionen. Das ökonomische Umfeld müsste sich daher schon deutlich verändern, bevor die EZB ihre Einschätzung „we are in a good place“ aufgibt.”

Termine der EZB-Sitzungen im Jahr 2026

  • 5. Februar 2026
  • 19. März 2026
  • 30. April 2026
  • 11. Juni 2026
  • 23. Juli 2026
  • 10. September 2026
  • 29. Oktober 2026
  • 17. Dezember 2026

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