Die wichtigsten Erkenntnisse
- Laut der Schnellschätzung von Eurostat stieg die Inflationsrate in der Eurozone im April im Vergleich zum Vorjahr auf 3,0 % und entsprach damit der Konsensprognose.
- Die Kerninflation lag bei 2,2 % im Jahresvergleich, was einem leichten Rückgang gegenüber den 2,3 % vom März entspricht und unter der Konsensprognose von 2,3 % liegt.
- Die Derivatemärkte preisen weiterhin bis zu drei Zinserhöhungen der EZB in diesem Jahr ein.
Laut der Schnellschätzung von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise in der Eurozone im April gegenüber dem Vorjahr um 3,0 %. Im Vergleich dazu lag der Wert im März bei 2,6 %, wobei die jährliche Energieinflation schätzungsweise auf 10,9 % gestiegen ist. Der Gesamtwert entsprach den Konsensschätzungen und liegt weiterhin deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 %.
Der Anstieg der Ölpreise und der Inflationserwartungen in dieser Woche hat zu einer Verschiebung der Marktprognosen hinsichtlich der Zinsschritte der EZB im weiteren Verlauf dieses Jahres geführt. Die Terminmärkte preisen nun bis zu drei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte im Jahr 2026 ein, wobei ein erster Schritt im Juni immer wahrscheinlicher wird.
Die Kerninflation, bei der volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel unberücksichtigt bleiben, lag im April bei 2,2 %, verglichen mit 2,3 % im März, und damit leicht unter den Erwartungen. „Es dauert in der Regel mehrere Monate, bis sich höhere Energiepreise vollständig in der Inflation niederschlagen“, sagt Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar. „Diese Auswirkungen dürften erst in den kommenden Monaten sichtbar werden und hängen davon ab, wie lange die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben.“
Nach Schätzungen von Eurostat stieg die Energieinflation im April um 10,9 %, verglichen mit 5,1 % im März, während sich die Inflation bei den Dienstleistungen auf 3,0 % abschwächte, nach 3,2 % im März.
Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak stiegen um 2,5 % und lagen damit leicht über den 2,4 % vom März, während die Preise für Industriegüter ohne Energie um 0,8 % stiegen, nach 0,5 % im März.
Brent-Rohöl ist etwa 50 % teurer als vor dem Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran Ende Februar.
Wie sieht der Inflationsausblick für das Jahr 2026 aus?
Die größere Veränderung liegt jedoch in den Aussichten für den Rest des Jahres 2026. Was einst wie ein Disinflationstrend aussah, hat sich zu einem ungewisseren Ausblick gewandelt, der von geopolitischen Spannungen, schwankenden Energiepreisen und schwächeren Wachstumszeichen im gesamten Euroraum geprägt ist.
„Kurzfristig können die Inflationsdaten im April noch einmal etwas ruhiger aussehen“, sagt Martin Moryson, Global Head of Economics bei der DWS „Ab Mai sehen wir aber weiteren Aufwärtsdruck.“
„Der eigentliche Anstieg wegen der hohen Energiepreise kommt aber später: Im Spätsommer erwarten wir einen Peak von rund 3,5 Prozent, bevor die Headline-Inflation mit Verzögerung wieder zurückkommt – vor allem durch Basiseffekte", sagt er.
Im März haben die Ökonomen der EZB ihre Wachstumsprognosen für die Eurozone wie folgt revidiert:
- 0,9 % im Jahr 2026 (gegenüber 1,2 % in der Prognose vom Dezember)
- 1,3 % im Jahr 2027 (gegenüber 1,4 % im Vorjahr)
- 1,4 % im Jahr 2028 (unverändert)
Ein uneinheitliches Inflationsbild in der Eurozone
Die Inflationsraten fielen innerhalb der Eurozone sehr unterschiedlich aus und reichten von 2,3 % in Finnland bis zu 6,2 % in Bulgarien.
Die jährliche Inflationsrate in Italien stieg im April auf 2,9 %, nachdem sie im März noch bei 1,6 % gelegen hatte. In Deutschland stieg die Inflationsrate leicht von 2,8 % auf 2,9 %, in Frankreich von 2,0 % auf 2,5 % und in Spanien von 3,4 % auf 3,5 %.

