Inflation in der Eurozone bei 3,8 Prozent - Druck auf EZB für Zinserhöhungen steigt

Höhere Energiepreise treiben die Inflation im September höher als erwartet.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Energiepreise treiben die Gesamtinflation in der Eurozone im September auf 3,8 Prozent. Sie lagen damit über den Erwartungen von 3,6 Prozent. Die Kerninflation stieg leicht von 2,4 Prozent im August auf nun 2,5 Prozent.
  • Die Inflation hat sich in den größten Volkswirtschaften der Eurozone beschleunigt und liegt weiterhin deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von 2 Prozent.
  • Die Derivatmärkte preisen für die Dezember-Sitzung der EZB eine Zinserhöhung ein.

Steigende Energiepreise haben die Inflation in der Eurozone im September überraschend stark angeheizt. Die Verbraucherpreise lagen nach vorläufigen Daten von Eurostat um 3,8 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Analysten sind der Ansicht, dass dies den Druck auf die Europäische Zentralbank erhöht, die Zinssätze bei der letzten der beiden Sitzungen des Jahres 2026 anzuheben.

Ökonomen hatten für September einen Anstieg der Inflation auf 3,6 Prozent erwartet. Die vorläufige Schätzung von Eurostat in Höhe von 3,8 Prozent folgt auf einen Anstieg von 3,2 Prozent im August.

Die Kerninflation, bei der schwankungsanfällige Komponenten wie Energie und Lebensmittel herausgerechnet werden, lag im September bei 2,5 Prozent - nach 2,4 Prozent im August. Dies entsprach den Erwartungen.

„Diese Entwicklung markiert den höchsten Inflationsstand seit drei Jahren und liegt weit über dem Inflationsziel der EZB von 2 Prozent“, sagte Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar. „Dies bedeutet wahrscheinlich, dass die im September erfolgte Zinserhöhung der EZB um 25 Basispunkte nicht die letzte sein wird. Die Bank wird die Zinsen vermutlich weiter anheben, um die Inflation wieder in Richtung des Zielwerts zu bringen.“

Nach Schätzungen von Eurostat lag die jährliche Energieinflation bei 18,8 Prozent, nach 14,3 Prozent im August. Die Inflation bei den Dienstleistungen stieg um 3,2 Prozent, verglichen mit 3,0 Prozent im August. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak stiegen um 1,4 Prozent, nach 1,1 Prozent im August. Die Preise für Industriegüter (ohne Energie) stiegen im Jahresvergleich um 1,1 Prozent, verglichen mit 1,2 Prozent im August.

Die Inflationszahlen wurden vor dem Hintergrund eines erneuten Drucks auf die globalen Anleihemärkte veröffentlicht, wobei die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen am 1. Oktober mit 5,3 Prozent ein 24-Jahres-Hoch erreichte und die Rendite 10-jähriger französischer Staatsanleihen sich der 5 Prozent-Marke näherte. Der Spread zwischen den Erträgen französischer Staatsanleihen und deutscher Bundesanleihen weitete sich auf fast 130 Basispunkte aus – den höchsten Stand seit der Eurozonen-Schuldenkrise 2012 –, während der Euro gegenüber dem US-Dollar auf ein 17-Monats-Tief fiel.

Wird die EZB am 29. Oktober die Zinssätze anheben?

Die Entwicklungen an den Derivatemärkten deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von 11,7 Prozent hin, dass die EZB im Oktober die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte anhebt. Für die Dezember-Sitzung steigt diese Wahrscheinlichkeit jedoch auf fast 70 Prozent.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde signalisierte diese Woche, dass keine große Dringlichkeit bestehe, die Zinsen weiter anzuheben, und erklärte, höhere Anleiherenditen würden das Wachstum verlangsamen und die Auswirkungen des Energieschocks auf das allgemeine Preisniveau begrenzen, wie Bloomberg berichtet.

Inflation in der Eurozone zeigt ein uneinheitliches Bild

Die Inflation variierte stark innerhalb der Eurozone. In Deutschland lag die Inflation bei 3,3 Prozent, nach 2,9 Prozent im August. Der am 1. Oktober in Kraft getretene Tankrabatt dürfte die Preise für Benzin und Diesel um bis zu 17 Cent je Liter senken, sofern die Entlastung vollständig an die Verbraucher weitergegeben wird, so Sebastian Becker, Ökonom bei Deutsche Bank Research. Dies könnte die deutsche Gesamtinflation bis zum Jahresende um rund 0,2 Prozentpunkte verringern, schätzt er. Becker prognostiziert für das Jahr 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate in Deutschland von 2,7 Prozent.

Die jährliche Inflation in Italien lag im September bei 4,1 Prozent, verglichen mit 3,2 Prozent im August. In Frankreich stieg die Inflation von 2,6 Prozent im August auf 3,4 Prozent, da sich die Inflation für Energie laut Angaben des Statistikamts Insee im September auf 21,2 Prozent beschleunigte, nachdem sie im August im Vergleich zum Vorjahresmonat noch bei 16,7 Prozent gelegen hatte.

Die Jahresrate Spaniens lag bei 5,0 Prozent und stieg damit gegenüber den 4,6 Prozent im August an. Litauen meldete unterdessen die höchste harmonisierte Jahresrate von 6,1 Prozent.

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