Wichtige Erkenntnisse
- Obwohl viele davon überzeugt sind, dass KI-Investments noch viel Potenzial haben, gibt es für Anleger Möglichkeiten, die Risiken in ihren Portfolios für den Fall weiterer Verluste zu mindern.
- Indexanleger können über kapitalisierungsgewichtete Produkte hinaus auch gleichgewichtete Fonds sowie Fonds in Betracht ziehen, die sich auf Small- und Mid-Cap-Aktien konzentrieren.
- Experten empfehlen Anlegern, die ihr Branchenengagement erweitern möchten, den Finanzsektor und das Gesundheitswesen in Betracht zu ziehen.
Aktien aus dem Bereich Künstliche Intelligenz trieben den Markt in diesem Jahr nach oben, obwohl immer mehr Stimmen warnen, dass dieser Aufschwung nicht ewig anhalten kann. KI-bezogene Aktien wie Nvidia NVDA und Oracle ORCL haben kürzlich an Wert verloren. Vor diesem Hintergrund suchen einige Anleger möglicherweise nach Strategien, um die Auswirkungen weiterer Verluste abzufedern. Das wird insbesondere im Zuge der Weiterentwicklung des KI-Themas von Bedeutung sein.
„Die Märkte werden offensichtlich kritischer und unterscheiden stärker zwischen Gewinnern und Verlierern“, erklärt James Ragan, Director für Investment-Management-Research bei DA Davidson. Er rechnet mit einer höheren Volatilität und warnt Anleger davor, davon auszugehen, dass „alles einfach weiter steigen wird“.
Nach einer rasanten Rallye, die die Tiefststände vom April in Rekordhöhen im Oktober verwandelte, verlangsamte sich der Technologie-Sektor in diesem Herbst. Unternehmen, die mit KI in Verbindung stehen, zogen einen Großteil des restlichen Marktes mit sich nach unten. Dies ist eine unangenehme Erinnerung an das Konzentrationsrisiko, vor dem Marktprofis seit zwei Jahren warnen. Nur fünf Technologiewerte – Microsoft MSFT, Meta Platforms META, Nvidia, Tesla TSLA und Oracle – waren für 40 % des 5-prozentigen Index-Rückgangs zwischen dem 28. Oktober und dem 20. November verantwortlich.
Strategen weisen darauf hin, dass Diversifizierungsstrategien – regelmäßige Neugewichtung, gleichgewichtete Fonds, Small-Cap- und Value-Aktien sowie die Ausweitung auf andere Sektoren – dazu beitragen können, die Auswirkungen konzentrierter Verluste bei KI-Aktien abzufedern.
Eine gute „Portfoliohygiene“ praktizieren
Für Carol Schleif, Chef-Marktstrategin bei BMO Wealth Management, sind Momente wie diese eine gute Gelegenheit für Anleger, ihre „Portfoliohygiene” zu überprüfen. Sie beschreibt das als einen regelmäßigen Prozess: Überdurchschnittlich gut performende Positionen werden reduziert und das frei werdende Kapital in weniger beliebte, aber fundamental attraktive Bereiche reinvestiert, die möglicherweise übersehen werden, wobei es gilt, immer eine umfassendere Investment- und Risikostrategie im Blick zu behalten.
Selbst Anleger, die nur breit angelegte Index-Fonds besitzen, könnten sich in einer Übergewichtung des Technologiesektors wiederfinden, und diejenigen mit aktiv verwalteten Beständen oder Einzelaktien könnten sogar noch stärker exponiert sein. Wer sich Sorgen über einen Rückgang bei Künstlicher Intelligenz macht, kann „darüber nachdenken, einige dieser Positionen zu reduzieren“, erklärt Schleif. Sie hält das Ende des Kalenderjahres für einen idealen Zeitpunkt, da es Anlegern die Möglichkeit bietet, eine mögliche Steuerbelastung auf zwei Jahre zu verteilen.
Erwägen Sie gleichgewichtete Strategien
Doch wohin sollten diese Erlöse fließen? Über bewährte Diversifikationsinstrumente wie Bargeld und Anleihen hinaus empfehlen Strategen Anlegern, die einen einfachen Ansatz suchen, sich von marktkapitalisierungsgewichteten Produkten (die stark auf die größten Namen im KI-Bereich ausgerichtet sind) zu lösen und in Anlageinstrumente mit anderen Gewichtungsstrategien zu investieren.
Gene Goldman, Chief Investment Officer bei Cetera Investment Management, erklärt, dass ein gleichgewichteter Index-Fonds im Gegensatz zu einem kapitalgewichteten Fonds Anlegern dabei helfen kann, ein zu hohes KI-Risiko zu vermeiden und von attraktiveren Bewertungen zu profitieren. „Man erhält das gleiche Engagement, reduziert jedoch einen Teil des Konzentrationsrisikos“, sagt er.
Dies geht natürlich mit Einbußen bei der Performance einher. Der Morningstar US Target Market Exposure Equal Weighted Index stieg in diesem Jahr um 11,7 %, verglichen mit einem Plus von 17,1 % für den nach Marktkapitalisierung gewichteten Morningstar US Target Market Exposure Index, der von einer stärkeren Ausrichtung auf den Technologiesektor profitierte.
Blicken Sie über Large-Cap-Wachstumswerte hinaus
Anleger können auch außerhalb von Large-Cap-Wachstumsaktien Diversifizierungsmöglichkeiten finden. „Der S&P 500 ist nicht mehr so breit gefächert wie früher“, sagt Ragan von DA Davidson. „Eine Möglichkeit, das Risiko zu reduzieren, besteht darin, sich den Russell 1000 Value Index anzusehen, da dieser viele der gleichen Unternehmen enthält, nur mit anderen Gewichtungen.“
Strategen weisen auch auf Small- und Mid-Cap-Aktien als gute Diversifikationsmöglichkeiten für 2026 hin. Small Caps dürften laut Goldman von Cetera durch die Zinssenkungen der US-Notenbank einen Schub erhalten und könnten sogar noch stärker zulegen, wenn sich die Wirtschaft als robuster als erwartet erweist. Er ist der Ansicht, dass attraktive Mid-Cap-Aktien gute Kandidaten für Übernahmen sein könnten, da die M&A-Aktivitäten zunehmen und die Zinsen sinken.
Für einige Anleger mit komplexeren Portfolios empfiehlt Goldman zudem liquide alternative Anlagen – Produkte, deren Manager „gegen den Trend handeln, wenn der Markt in eine bestimmte Richtung tendiert“. Anleger sollten beachten, dass diese Investments in der Regel mit einem höheren Risiko und höheren Gebühren verbunden sind als viele traditionelle Anlagen.
Diversifizieren Sie über verschiedene Sektoren
Auch im Finanzsektor und im Gesundheitswesen bieten sich bemerkenswerte Chancen, obwohl die Vergangenheit gezeigt hat, dass Anleger beim Kauf sektorspezifischer Produkte in der Regel ein schlechtes Gespür für den richtigen Zeitpunkt haben. Dennoch halten es Strategen für sinnvoll, über den Technologiesektor hinaus auch andere Sektoren in Betracht zu ziehen, die von makroökonomischen Faktoren oder starken Gewinnen profitieren könnten, insbesondere wenn die Bedenken hinsichtlich der KI-Rallye bis ins nächste Jahr hinein anhalten.
„Wenn Investoren etwas nervöser in Bezug auf Technologie sind, erscheint es uns logisch, dass das Geld in einige dieser anderen Sektoren fließt“, sagt Ragan von DA Davidson. Während etwa Technologie in diesem Jahr bisher der Sektor mit der zweitbesten Performance war, wurde er in den letzten zwei Monaten von den Sektoren Gesundheitswesen, Energie und Finanzdienstleistungen übertroffen.
Goldman von Cetera sagt, dass er Aktien des Gesundheitswesens schätzt, die zu Beginn des Jahres deutlich hinter dem Markt lagen, aber attraktive Bewertungen und langfristigen Rückenwind aufweisen, die auf die alternde Bevölkerung und andere makroökonomische Faktoren zurückzuführen sind. Er schätzt auch Finanzwerte, von denen er erwartet, dass sie von niedrigeren Zinsen, einer steileren Zinsstrukturkurve, einer positiven Gewinnentwicklung und einem weniger restriktiven regulatorischen Umfeld profitieren werden.
Für Schleif von BMO bieten sich auch Chancen bei den sekundären oder tertiären Nutznießern der KI-Entwicklungen. Finanzunternehmen investieren erheblich in KI und könnten nach deren Einführung deutliche Effizienzsteigerungen erzielen. Cybersicherheitsunternehmen, Verteidigungsunternehmen und Energieunternehmen könnten ebenfalls in diese Kategorie fallen.
Bleiben Sie im Technologiebereich diversifiziert
Die meisten Analysten sind sich einig, dass die Begeisterung für KI in nächster Zeit nicht nachlassen dürfte, und viele sagen, dass diese Aktien noch viel Luft nach oben haben. Die großen „Hyperscaler“ werden weiterhin viel investieren, und der Sektor wird sich weiterhin gut entwickeln, wenn das Gewinnwachstum anhält.
„Wir empfehlen nicht, sich aus dem Technologiesektor zurückzuziehen“, erklärt Ragan von DA Davidson. „Dieser Sektor wird auch in Zukunft eine gute Wahl sein, jedoch ist es ratsam, das Exposure zu kontrollieren und keine Übergewichtungen zu haben.“ Er betont erneut, dass Anleger sich auf „Gewinner und Verlierer“ in der Branche einstellen sollten.
Schleif von BMO erklärt, dass eine solche Unterscheidung ein positives Zeichen sei, da es sich dabei „nicht um ein blasenähnliches Verhalten“ handele.
Volatilität voraus
Doch selbst wenn es keine Blase gibt, die platzt, könnte die turbulente Entwicklung anhalten. „Wir rechnen mit Rückgängen und einer höheren Volatilität“, sagt Goldman von Cetera. Vor dem Hintergrund einer nach wie vor starken Wirtschaft, bevorstehender fiskalischer und monetärer Anreize sowie eines starken Gewinnwachstums sollten Anleger diese Rückgänge seiner Meinung nach als Kaufgelegenheiten betrachten.
Auch wenn die großen Technologieunternehmen ins Stocken geraten sind, verzeichnet der breitere Markt in diesem Jahr bislang immer noch einen Anstieg von 17 % und in den letzten drei Monaten von 5 %. Ragan von DA Davidson glaubt, es könnte Anlegern ein gewisses Maß an Sicherheit geben, dass Technologieaktien underperformen können, während sich der Markt insgesamt gut behauptet.
Strategen betonen, dass Rückgänge im Laufe der Geschichte normal sind. Schlief von BMO erklärt, dass eine gesunde Perspektive, ein gut diversifiziertes Portfolio und ein langfristiger Plan Anlegern helfen können, die Volatilität zu bewältigen: „Es geht darum, sich mental darauf vorzubereiten … alles hängt davon ab, was Ihnen ermöglicht, nachts ruhig zu schlafen.“

