Wie haben deutsche Anleger im ersten Halbjahr investiert?

Iran-Krieg, KI-Boom und Zinserwartungen prägten das Anlageverhalten im ersten Halbjahr. Die beliebtesten Fondskategorien im Überblick – und warum ETFs weiter gefragt bleiben.

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Wichtigste Erkenntnisse:

  • Mit Abstand am meisten Kapital floss netto in weltweit investierende Large-Cap-Blend-Strategien.
  • Anleger zogen Milliarden aus Euro-Geldmarktfonds ab und investierten stattdessen in US-Dollar-Strategien.
  • ETFs gewannen weiter Marktanteile.

Der Krieg im Nahen Osten, der KI-Boom und unterschiedliche Zinserwartungen dies- und jenseits des Atlantiks prägten das erste Halbjahr 2026. In diesem Umfeld floss am deutschen Fondsmarkt besonders viel Kapital in globale Aktien, Geldmarktstrategien und US-Aktienanlagen. Das zeigen Daten aus Morningstar Direct zu Fonds und ETFs, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind.

Global Large-Cap Blends bleiben erste Wahl

Die mit Abstand höchsten Zuflüsse verzeichneten weltweit investierende Large-Cap-Blend-Fonds. Sie sammelten im ersten Halbjahr netto 56,0 Milliarden Euro ein und lagen damit deutlich vor allen anderen Morningstar-Kategorien. Den zweiten Rang belegten zwei kurzfristige US-Dollar-Geldmarktfonds mit 23,7 Milliarden Euro. An dritter Stelle folgten US-Large-Cap-Blend-Strategien, die 18,4 Milliarden Euro anzogen.

Ebenfalls gefragt waren Euro-Geldmarktfonds, die trotz deutlicher Abflüsse im Juni auf Halbjahressicht noch 16,4 Milliarden Euro einsammelten. Schwellenländer-Aktienfonds komplettierten mit 13,0 Milliarden Euro die fünf beliebtesten Kategorien.

Unbeliebt waren dagegen Growth-Strategien. So flossen aus globalen Wachstumsstrategien 11,9 Milliarden Euro ab. Auch europäische Large-Cap-Growth-Strategien mussten Nettoabflüsse von 5,0 Milliarden Euro hinnehmen.

Zur Einordnung: Die Morningstar-Direct-Daten erfassen die Kapitalflüsse von Fonds und ETFs, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Sie erlauben jedoch keine Aussage darüber, aus welchen Ländern die Anleger stammen.

US-Aktien wegen KI-Welle gefragt

Die Daten passen zu einem breiteren Trend, den auch die Deutsche Bank beobachtet: die Verlagerung globaler Gelder in Richtung US-Aktien. Ein wichtiger Grund: Die führende Rolle der USA bei Künstlicher Intelligenz zieht weiterhin große Mengen internationalen Aktienkapitals an.

Gleichzeitig zieht der ausländische öffentliche Sektor angesichts der geopolitischen Verwerfungen Geld aus US-Dollar-denominierten Anleihen ab. Dieser Trend könnte sich weiter verstärken, da viele Staaten ihre strategische Autonomie – etwa in den Bereichen Verteidigung und Energie – ausbauen und dafür möglicherweise auf in US-Dollar gehaltene Ersparnisse beziehungsweise Reserven zurückgreifen müssen.

„Der Abstand zwischen den Nettozuflüssen in US-Aktien (die zunehmen) und den Nettozuflüssen in US-Anleihen (die zurückgehen) war noch nie so groß wie heute“, konstatiert Mallika Sachdeva, Strategin bei Deutsche Bank Research.

Das Bild am Geldmarkt dreht sich

Die geopolitische Unsicherheit infolge des Iran-Krieges sorgte im Frühjahr zunächst für eine hohe Nachfrage nach sicheren und liquiden Anlagen. Zugleich schürten steigende Energiepreise die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen würde. Daher gehörten Euro-Geldmarktstrategien auf Halbjahressicht trotz der späteren Trendwende zu den beliebtesten Kategorien – genau wie ihre US-Pendants.

Auf Monatssicht drehte sich das Bild jedoch deutlich. Allein die beiden Euro-Geldmarkt-Kategorien verzeichneten im Juni Abflüsse von zusammen 11,3 Milliarden Euro, während kurzfristige US-Dollar-Geldmarktstrategien 12,7 Milliarden Euro einsammelten.

Hintergrund dürfte das unterschiedliche Zinsniveau auf beiden Seiten des Atlantiks sein. Da die Märkte sowohl für die US-Notenbank als auch für die EZB noch ein bis zwei Zinsschritte erwarteten, lagen die Zinsen in den USA weiterhin deutlich über denen im Euroraum. Dadurch blieb der Renditevorsprung von US-Dollar-Geldmarktanlagen gegenüber vergleichbaren Euro-Produkten attraktiv und dürfte die Umschichtung in US-Dollar-Strategien begünstigt haben.

ETFs gewinnen weiter Marktanteile

Börsengehandelte Fonds konnten im ersten Halbjahr 2026 ihren Marktanteil im deutschen Vertriebsmarkt ausbauen . Inzwischen entfallen 33,6 Prozent des verwalteten Vermögens auf ETFs, nach 29,1 Prozent ein Jahr zuvor.

Die Kapitalflussdaten deuten darauf hin, dass ETFs ihren Marktanteil noch weiter steigern dürften. Nachdem ETFs in den ersten beiden Monaten des Jahres rund 46 beziehungsweise 52 Prozent der Nettomittelzuflüsse auf sich vereinten – und der März infolge des Iran-Krieges sowohl bei ETFs als auch bei aktiv verwalteten Fonds von kräftigen Abflüssen geprägt war –, beschleunigte sich die Nachfrage nach passiven Strategien im zweiten Quartal schon wieder deutlich.

Im April und Mai entfielen bereits 67 beziehungsweise 69 Prozent der Nettomittelzuflüsse auf ETFs. Im Juni verzeichneten aktiv verwaltete Fonds netto Mittelabflüsse, während ETFs weitere Zuflüsse verbuchten und die Abflüsse aus Investmentfonds kompensierten.

Rekordhalbjahr am europäischen ETF-Markt

Ein ähnliches Bild zeigt sich auf europäischer Ebene. Im ersten Halbjahr flossen netto 219 Milliarden Euro in europäische ETFs. Das entspricht einem Plus von 38,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und ist der höchste Wert für ein erstes Halbjahr seit Beginn der Morningstar-Datenreihe, so José Garcia Zarate, Senior Principal bei Morningstar, im monatlichen ETF-Bericht. Allein Aktien-ETFs sammelten 169,3 Milliarden Euro ein und standen damit für mehr als drei Viertel aller ETF-Zuflüsse.

Besonders gefragt waren weltweit investierende sowie auf die USA fokussierte Large-Cap-Strategien. Im Juni verdoppelten sich die Zuflüsse in US-Large-Cap-Blend-ETFs gegenüber dem Vormonat auf mehr als 10 Milliarden Euro, während Eurozonen-Large-Cap-ETFs Mittelabflüsse verzeichneten. Die zehn beliebtesten Aktien-ETFs des Monats investierten ausschließlich in globale oder US-amerikanische Standardwerte und unterstrichen damit den Trend hin zu breit diversifizierten beziehungsweise US-fokussierten Aktienanlagen. Ungebrochen blieb zudem die Nachfrage nach Technologie-ETFs, die von der anhaltenden Begeisterung für Künstliche Intelligenz und Halbleiter profitierten.

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