Wichtigste Erkenntnisse
- Die Gesamtinflation in der Eurozone stieg im September im Jahresvergleich auf 2,2 % und lag damit leicht unter den Erwartungen.
- Die Kerninflation stieg im September wie in den vier Vormonaten um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr.
- Es ist unwahrscheinlich, dass die Europäische Zentralbank im Jahr 2025 die Zinsen erneut senkt.
Die Verbraucherpreise in der Eurozone sind im September im Jahresvergleich um 2,2 % gestiegen. Dies geht aus der Schnellschätzung von Eurostat hervor und liegt damit über dem Augustwert von 2,0 % und leicht unter den Erwartungen eines Anstiegs um 2,3 %.
Die Kerninflation, die die Preise ohne volatile Komponenten wie Energie- und Nahrungsmittelkosten ausweist, stieg im September wie in den vier Monaten zuvor um 2,3 % gegenüber dem Vorjahr.
“Die Euro-Inflation hat sich im September etwas erholt und ist von 2 % im August auf 2,2 % gestiegen. Die Ökonomen führen dies größtenteils auf die steigenden Preise für Kraftstoffe, Lebensmittel und Alkohol zurück. Da die Kerninflation jedoch nur geringfügig über der Gesamtinflationsrate liegt, ist dies möglicherweise nicht die ganze Wahrheit”, sagt Michael Field, Chefstratege für den europäischen Markt bei Morningstar.
“So oder so dürfte der Anstieg in diesem Monat die Zentralbanker nicht allzu sehr beunruhigen, da Ökonomen kürzlich davor warnten, dass die Inflation im Jahr 2026 sogar unter das 2 %-Ziel der Zentralbank fallen könnte.”
Was treibt die Inflation in der Eurozone an?
Den Schätzungen von Eurostat zufolge wies die Inflation im Dienstleistungssektor im September mit 3,2 % die höchste Rate auf, gegenüber 3,1 % im August. Die Preise für Nahrungsmittel, Alkohol und Tabakwaren stiegen im September um 3,0 %, verglichen mit einem Anstieg von 3,2 % in den zwölf Monaten bis August. Die Preise für Non-Energie Industriewerte stiegen wie bereits im August um 0,8 %. Die Preise für Energie fielen um 0,4 %, verglichen mit einem Rückgang um 2,0 % im August.
“Das Bild mag düsterer erscheinen, als es sein sollte”, sagt Riccardo Marcelli Fabiani, Senior Economist bei Oxford Economics. “Energie ist typischerweise volatil und kaum ein Indikator für Preisdruck. Der Anstieg bei den Dienstleistungen wurde durch den Zeitpunkt der Olympischen Spiele 2024 in Paris beeinflusst, was bedeutet, dass der vorübergehende Abwärtsdruck auf die französische Dienstleistungsinflation nachgelassen hat. Die Aussichten haben sich nicht geändert und deuten nach wie vor eindeutig auf eine sinkende Inflation hin, was auf eine Abkühlung des Lohnwachstums, niedrige Preise für Energierohstoffe, einen stärkeren Euro und einen begrenzten Druck von der Nachfrageseite zurückzuführen ist.”
Der Euro und die Aktienmärkte zeigten sich nach der Veröffentlichung der Daten wenig verändert.
Laut Field von Morningstar “haben die europäischen Aktienmärkte trotz der Einführung von US-Zöllen und anderer Schocks für das System ein solides Jahr 2025 hinter sich”. Er fügt hinzu, dass “das makroökonomische Umfeld günstig war und die niedrigen Zinssätze die Aktienmärkte bis zum Jahresende 2025 weiter stützen sollten”.
Uneinheitliches Inflationsbild in den Ländern der Eurozone
Die Schnellschätzung der französischen HVPI-Gesamtinflation im September lag mit 1,1 % im Jahresvergleich unter den Konsensprognosen, während die italienische Inflation mit 1,8 % im Jahresvergleich leicht über den Erwartungen lag, da die Energie-Inflation positiv überraschte.
Die deutsche Gesamtinflation überraschte mit einem Preisanstieg von 2,4 % im Jahresvergleich. “Die VPI-Inflation für Dienstleistungen stieg im September auf 3,4 % im Jahresvergleich und lag damit über unseren Erwartungen. Die VPI-Inflation für Waren stieg im September weiter auf 1,4 % im Jahresvergleich”, schreiben die Analysten von Goldman Sachs in einer Mitteilung. Auf der anderen Seite lag die spanische Inflation im September bei 3,0 % und entsprach damit den Konsensprognosen.
EZB-Zinssätze: Keine weiteren Senkungen im Jahr 2025 zu erwarten
Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB findet am 30. Oktober in Florenz statt, und Ökonomen rechnen nicht mit einer Zinssenkung, nachdem die Zentralbank die Zinssätze in den letzten beiden Sitzungen unverändert gelassen hat. Die EZB hat die Zinssätze seit 2024 achtmal gesenkt und den Satz für die Einlagefazilität auf 2 % gedrückt.
“Das Hindernis für weitere Zinssenkungen ist beträchtlich”, sagt Martin Van Vliet, globaler Makrostratege bei Robeco. “Da die Inflation nahe am Zielwert liegt, ist der EZB-Rat der Ansicht, dass seine Politik ‘gut positioniert’ ist. Die Botschaft war klar: Es wird eine Art Schock nötig sein, um die EZB zu weiteren Zinssenkungen zu bewegen. Eine allmähliche Abkühlung der Inflation, wie wir sie erwarten, oder eine Aufwertung des Euro werden wahrscheinlich nicht ausreichen, um die EZB umzustimmen.”

