EZB-Zinsentscheid: Hält die Notenbank die Zinsen stabil?

Mit Inflation nahe am Ziel und abnehmenden Handelsrisiken dürfte die Europäische Zentralbank die Zinsen vorerst unverändert lassen, aber die Tür für eine mögliche Zinssenkung im weiteren Jahresverlauf offenhalten.

Een collageillustratie die het Europese centralebankens byggnad omgiven av uppblåsta bubblor som var och en innehåller delar av en eurosedel laat zien.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die EZB dürfte die Zinsen angesichts stabiler Inflation und politischer Unsicherheit beibehalten.
  • Die Märkte gehen von einer Zinssenkung im Dezember aus, während Ökonomen eine weitere Lockerung im Jahr 2025 bezweifeln.
  • Die Inflation liegt im Großen und Ganzen im Zielbereich, aber die politischen Unruhen in Frankreich sind ein Risiko.

Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank auf ihrer Sitzung am 11. September die Zinsen unverändert lässt und damit eine zweite Pause im Zinssenkungszyklus einlegt, der im Juni 2024 begann.

Swap-Märkte preisen für Dezember einen Satz von etwa 1,8 % ein, was auf eine hohe Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung bis zum Jahresende hindeutet. Einer Reuters-Umfrage zufolge erwarten 66 von 69 befragten Ökonomen, dass die Zinsen in diesem Monat unverändert bleiben, und 40 von ihnen prognostizieren, dass die Zinsen für den Rest des Jahres unverändert bleiben.

Eine Pause “ist eine Entscheidung, die wir angesichts der Inflationsentwicklung und der Gesundheit der Wirtschaft durchaus nachvollziehen können”, sagt Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar.

Die erwartete Pause stellt eine deutliche Veränderung gegenüber Mitte Juli dar, als fast 60 % der von Reuters befragten Ökonomen eine Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte im September erwarteten.

“Die Einschätzung des Marktes zu weiteren Zinssenkungen der EZB hat sich über den Sommer vor allem wegen des Zoll-Deals geändert”, sagt Tuan Huynh, Interims Chief Investment Strategist für DACH und Osteuropa des BlackRock Investment Institute. Ende Juli erzielten die EU und die USA eine Einigung zur Entschärfung ihres Handelsstreits.

Die Inflationsrate der Eurozone lag im August bei 2,1 % und entsprach damit den Erwartungen und dem Ziel der EZB von 2 %, wie aus der Schnellschätzung von Eurostat hervorgeht.

Die Kerninflation verlangsamte sich auf 2,3 % und lag damit leicht unter den Prognosen. Mitarbeiter der EZB werden am 11. September neue vierteljährliche Inflations- und Wachstumsprognosen vorlegen, die nach Einschätzung von Ökonomen weitgehend unverändert bleiben werden.

Wie hoch sind die Leitzinsen der EZB?

Nach acht Zinssenkungen in etwas mehr als einem Jahr lauten die drei EZB-Leitzinsen:

  • Satz der Einlagefazilität: 2,00 %.
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,15%
  • Spitzenrefinanzierungsfazilität: 2,40%

Nähert sich der EZB-Zinssenkungszyklus dem Ende?

Während die Märkte zu einer weiteren Zinssenkung im Dezember tendieren, sind einige EZB-Beobachter anderer Meinung. Konstantin Veit, Portfoliomanager bei Pimco, erwartet keine weiteren Zinssenkungen: “Unser Basisszenario ist, dass die EZB mit den Zinssenkungen durch ist. Die Hürde, noch einmal an der Zinsschraube zu drehen, ist recht hoch. Kleine Abweichungen vom Inflationsziel werden die Meinung des EZB Rats nicht ändern. Solange die Inflation um die 2% liegt, wird sich die EZB nur mit klarer Begründung bewegen. Und wenn sie sich bewegt, dann in einer Reihe von Zinsschritten”, sagt er.

Im Gegensatz dazu erwartet Huynh von BlackRock eine weitere Zinssenkung auf 1,75 % im Dezember. “Eine Zinssenkung im Oktober wäre zu früh, da noch makroökomische Zahlen fürs 3. Quartal ausstehen. Die Dezember-Sitzung gäbe der EZB nochmals Zeit, um einzuschätzen, wie sich die Verhältnisse entwickeln. Das erhöht die Sicherheit.”

Er hält 1,75 % für den endgültigen Zinssatz, es sei denn, es komme zu Schocks. “Wir glauben, dass auf Sicht der nächsten 2-3 Jahre die Zinsen wieder steigen könnten, wenn Wachstum und Beschäftigung sich erholen und die Konsumenten mehr ausgeben.”

Auch die DWS rechnet mit einer letzten Senkung im Dezember. “Vor einer Sitzung der EZB gab es selten so wenige Kommentare von Notenbankgouverneuren”, sagt Ulrike Kastens, Senior Economist für Europa bei der DWS. “Allerdings spricht die aktuelle Datenlage auch gegen einen akuten Handlungsbedarf. Das Wachstum in der Eurozone fiel im ersten Halbjahr höher als erwartet aus, der Arbeitsmarkt zeigt nur in einigen Ländern vereinzelte Schwächen und die Inflationsrate bewegt sich um die Marke von 2 %.”

Was bedeuten die politischen Unruhen in Frankreich für die EZB?

Die politischen Unruhen in Frankreich stellen ein neues Risiko für die Wirtschaft der Eurozone dar. Der französische Premierminister François Bayrou plant, am heutigen 8. September eine Vertrauensabstimmung über seine Strategie zum Defizitabbau durchzuführen, was die Märkte nur wenige Tage vor der EZB-Sitzung beunruhigt. Dies trug Anfang vergangener Woche zu einem Abverkauf an den Anleihemärkten bei.

Auch wenn EZB-Präsidentin Christine Lagarde das Thema wahrscheinlich ansprechen wird, ist ein Eingreifen der EZB eher unwahrscheinlich. Die Messlatte hierfür liegt extrem hoch, da die Geldpolitik nicht darauf ausgelegt ist, die Herausforderungen eines einzelnen Mitgliedstaates anzugehen, sagt Kastens von der DWS.

Veit von Pimco fügt hinzu, dass die aktuellen Anleihepreise eher ein Re-Pricing der Fundamentaldaten als eine Ansteckung widerspiegeln.

Was ist die Erwartung für Inflation und Wachstum?

In ihren Juni-Projektionen erwartete die EZB von eine durchschnittlichen Inflation von:

  • 2,0% im Jahr 2025
  • 1,6 % im Jahr 2026
  • 2,0% im Jahr 2027

“Die EZB-Sitzungsprotokolle zeigen die Diskussion, inwieweit ein Unterschießen zum Problem wird. Wenn man wieder in den Zinssenkungsmodus ginge, dann wegen eines dauerhaften Unterschießens”, sagt Veit von Pimco. “In den Juni EZB-Inflationsprognosen sehen wir ein zeitweises Unterschießen, für 2026 von 1,6%. Die Inflation ist insgesamt aber durchaus am Ziel und das Wachstum ist ordentlich. Die Zinsen liegen in der Mitte eines neutralen Bandes. Von daher hat die EZB recht, wenn sie sagt: We are in a good place.”

Im Juni sagten die Ökonomen der für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts voraus:

  • 0,9 % im Jahr 2025
  • 1,1 % im Jahr 2026
  • 1,3 % im Jahr 2027

Wann sind die nächsten EZB-Sitzungen in 2025?

  • 11. September 2025
  • 30. Oktober 2025
  • 18. Dezember 2025

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