Geldanlage & Altersvorsorge: Fünf Dinge, die Frauen über ihre Finanzen wissen sollten

Frauen tragen größere finanzielle Risiken, können aber mit klugen Entscheidungen gegensteuern.

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Wichtigste Erkenntnisse:

  • Frauen haben höhere Risiken in der Altersvorsorge - wer früh spart und investiert, ist besser abgesichert.
  • Gender Gaps summieren sich: Weniger Gehalt, mehr Care-Arbeit, geringere Rente - das hat langfristige Folgen.
  • Konkrete Schritte helfen: Drei-Konten-Modell, eigene Vorsorge und finanzielle Eigenständigkeit machen den Unterschied.

Frauen verdienen weniger, arbeiten häufiger in Teilzeit – und leben länger. Das hat Folgen für Altersvorsorge und Geldanlage. Besonders kritisch wird es für Frauen, die im Alter alleinstehend sind oder früh auf ihre Ersparnisse angewiesen sind.

“Der Gender Pension Gap liegt bei rund 50 Prozent“, sagt Anne Connelly, Gründerin der Finanzplattform herMoney, mit Blick auf aktuelle Zahlen von GDV und Prognos. “Frauen müssen wissen, was ihre persönlichen Lebensentscheidungen für finanzielle Konsequenzen haben.“ Davon profitieren nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Sie warnt: „Wer die Verantwortung für Geldfragen allein dem Partner überlässt, riskiert nicht nur finanzielle Abhängigkeit, sondern im Ernstfall den wirtschaftlichen Absturz.“

Connelly empfiehlt konkrete Schritte: das Drei-Konten-Modell in der Partnerschaft, eine eigene Berufstätigkeit und gegebenenfalls einen Ehevertrag. Ihr Appell: „Karriere sollte kein Zwang für Männer und Muttersein kein Hindernis für Frauen sein.“

Fünf Lücken mit langfristigen Folgen

Die finanzielle Situation von Frauen wird von mehreren strukturellen Ungleichgewichten geprägt, den sogenannten „Gender Gaps”. Sie zeigen, wo finanzielle Nachteile für Frauen entstehen können:

  • Gender Pay Gap: Frauen verdienen im Schnitt rund 16 % weniger als Männer. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts für den unbereinigten Gender Pay Gap im Jahr 2024 hervor. Ein Großteil dieser Lücke lässt sich durch strukturelle Faktoren wie Teilzeitarbeit, Branchenwahl oder fehlende Repräsentation in Führungspositionen erklären. Doch selbst bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie bleibt eine Differenz bestehen: Der bereinigte Gender Pay Gap beträgt laut Destatis rund 6 %, was bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Arbeit weniger verdienen als Männer.
  • Gender Pension Gap: Laut einer Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft GDV und Prognos erhalten Männer im Bundesdurchschnitt 52 % mehr gesetzliche Rente als Frauen. In Westdeutschland liegt die Lücke sogar bei 66 %. Frauen bekamen 2023 durchschnittlich 936 Euro monatlich, Männer 1.427 Euro – eine Differenz von 491 Euro. „Von Gleichberechtigung können wir hier noch lange nicht sprechen“, sagt Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des GDV.

Auch hier liegen die Ursachen für die Lücke in den unterschiedlichen Erwerbsbiografien: Frauen unterbrechen häufiger ihre Berufstätigkeit, arbeiten öfter in Teilzeit und in geringer bezahlten Berufen. „Das führt dazu, dass Frauen weniger in Rentenkassen und Altersvorsorge einzahlen und im Alter dann finanziell schlechter dastehen als Männer. Das ist eine erhebliche Benachteiligung“, so Schumann vom GDV.

  • Gender Investment Gap: Frauen investieren seltener und vorsichtiger als Männer. Laut den Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts gab es 2024 rund 4,4 Millionen Aktien-Anlegerinnen - gegenüber 7,7 Millionen männlichen Anlegern mit Aktieninvestment. Das Vermögen der Frauen entwickelt sich dadurch langsamer. Laut Zahlen der ’Female Finance’ Studie der Sparkassen beziffert sich das Investitionspotenzial von Frauen in Deutschland und Österreich auf stolze 39 Milliarden Euro.
  • Gender Care Gap: Frauen übernehmen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit – Kinder, Pflege von älteren Angehörigen, Haushalt – was die Erwerbsbiografien unterbricht. Das hat langfristige Folgen: weniger Einkommen, geringere Rente und verpasste Karrierechancen.
  • Gender Awareness Gap: Viele Frauen unterschätzen die langfristigen finanziellen Folgen ihrer Entscheidungen - oder sie trauen sich das Thema Geld schlicht nicht zu. Eine Studie des ZEW Mannheim zeigt: Etwa 30 Prozent des geschlechtsspezifischen Unterschieds in der finanziellen Bildung sind auf unterschiedliche Ausprägungen von Selbstvertrauen zurückzuführen. Frauen beantworten die drei Standardfragen zur finanziellen Allgemeinbildung („Big Three“) seltener richtig. Besonders auffällig ist, dass Frauen deutlich häufiger die Option „weiß nicht“ wählen oder ganz auf eine Antwort verzichten. Fehlt diese Antwortmöglichkeit, so fällt der Gender Awareness Gap deutlich kleiner aus.

Doch das beginnt zu bröckeln: Laut Anne Connelly hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. “Female Finance” rückt zunehmend in den Fokus - durch ‘Finfluencerinnen’, neue Medienformate und die Finanzbranche selbst, die Frauen gezielter anspricht. Die Beobachtung teilt Barbara Rojahn, Gründerin der FrauenFinanzBeratung. Frauen benötigen oft eine individuellere Beratung als Männer – besonders in reinen Frauensettings. Spezielle Finanzprodukte brauche es aber nicht, betont sie.

Reform des Unterhaltsrechts 2008: Die Folgen für Frauen

Die Reform des Unterhaltsrechts im Jahr 2008 markierte einen Wendepunkt: Seitdem gilt der Grundsatz der Eigenverantwortung nach einer Scheidung. Der Anspruch auf nachehelichen Unterhalt wurde deutlich eingeschränkt – in der Regel endet er mit dem dritten Lebensjahr des Kindes. Frauen müssen sich seither schneller wieder selbst absichern, während auch Männer häufiger in Teilzeit arbeiten.

Anne Connelly betont: „Die Reform hat die Erwartungen an beide Geschlechter verändert – weg von der Versorgerehe, hin zu Partnerschaften auf Augenhöhe.“ Gleichzeitig brachte der seit 2013 geltende Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz mehr Planungssicherheit für berufstätige Eltern. Doch die Realität zeigt: Frauen tragen weiterhin den Großteil der Sorgearbeit – mit direkten Folgen für ihre Erwerbsbiografie und spätere Altersvorsorge.

5 Geldanlage-Tipps für Frauen

Anne Connelly nennt fünf Maßnahmen, mit denen Frauen heute starten können – unabhängig von Alter oder Einkommen:

  1. Finanziellen Überblick verschaffen: „Viele Frauen beschäftigen sich zu wenig mit dem Thema Finanzen“, sagt Connelly. Der erste Schritt sei deshalb: sich Klarheit verschaffen. Wer weiß, was monatlich reinkommt und wofür das Geld ausgegeben wird, kann gezielt planen - etwa mithilfe eines Haushaltsbuchs oder Budgettools. Nur wer seine Ausgangslage kennt, kann fundierte Entscheidungen treffen.
  2. Das Drei-Konten-Modell nutzen: „Eine finanzielle Abhängigkeit vom Partner ist ein großes Risiko“, warnt Connelly. Ihr Tipp: Das Drei-Konten-Modell. Es umfasst ein gemeinsames Konto für Haushaltsausgaben und je ein eigenes Konto pro Partner für individuelle Ausgaben. So bleibt finanzielle Eigenständigkeit gewahrt – gerade in Partnerschaften mit ungleichem Einkommen.
  3. Berufstätigkeit nicht aufgeben: Auch wenn es in bestimmten Lebensphasen herausfordernd ist: „Teilzeitarbeit ist besser als gar keine Arbeit“, so Connelly. Jede Unterbrechung der Erwerbsbiografie hat langfristige Auswirkungen auf Gehalt, Rentenansprüche und Vermögensaufbau. Wichtig sei, zumindest im reduzierten Umfang beruflich am Ball zu bleiben.
  4. Vorsorge selbst in die Hand nehmen: „Frauen müssen ihre Altersvorsorge selbst in die Hand nehmen“, mahnt Connelly. Selbst kleine Beträge, regelmäßig in ETFs oder Rentenverträge investiert, machen langfristig einen Unterschied. „Wichtig ist, überhaupt anzufangen.“
  5. Partnerschaftsmodelle bewusst gestalten: „Wer mehr Care-Arbeit übernimmt, muss auch mehr Absicherung fordern“, rät die Expertin. Das kann eine faire Verteilung von Vermögen, Rentenpunkten oder ein Ehevertrag sein.

Dabei lohnt es sich, früh anzufangen: “Wer früh mit dem Anlegen anfängt und durchhält, profitiert vom Zinseszinseffekt, der erst mit langfristiger Anlage seine volle Wirkung entfaltet”, ergänzt Nathalia Wolfstetter, Senior Principal bei Morningstar. “Bei langer Anlagedauer steht man zudem nicht unter Verkaufsdruck und kann kurzfristige Verluste und Schwankungen aussitzen. Das mindert die Scheu vor Aktieninvestments.”

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