Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der Rückzug in Bargeld ist der klassische Fehler, den Anleger in volatilen Märkten begehen.
- Eine Buy-and-Hold-Strategie ist besser als der Einsatz „defensiver“ Strategien, etwa einer taktischen Anlagestrategie oder die Hinwendung zu alternativen Anlageklassen.
- Sie sollten geopolitische Überlegungen nicht in Ihre Anlagepolitik einfließen lassen.
- Wenn Sie einen großen Teil Ihres Portfolios in ein Unternehmen oder eine Branche investieren, die Volatilitäts-bedingt stark unter Druck geraten ist, haben Sie möglicherweise den Tiefpunkt noch nicht erreicht.
- Man sollte nicht davon ausgehen, dass Untätigkeit in Bären- oder volatilen Märkten wie aktuell die richtige Entscheidung ist.
Susan Dziubinski: Ich bin Susan Dziubinski, Co-Moderatorin des Podcasts „The Morning Filter“ von . Das Jahr 2026 war bislang von starken Schwankungen geprägt, und die Unsicherheit in Bezug auf Zinssätze, Inflation, Wirtschaft, Zölle und sogar Private Credit dürfte Anleger auf absehbare Zeit in Atem halten. Welche Fehler machen Anleger mit ihrem Portfolio in einer anhaltenden Phase der Marktvolatilität am ehesten, und wie können sie diese vermeiden? Zu diesem Thema begrüße ich heute Christine Benz. Christine ist bei Morningstar Director für persönliche Finanzen und Altersvorsorge, Co-Moderatorin des Podcasts „The Long View “ und Autorin des Buches „How to Retire“. Christine, vielen Dank, dass Sie heute bei uns sind.
Christine Benz: Susan, es ist schön, Sie zu sehen.
Ziehen Sie sich in volatilen Märkten nicht in Bargeld zurück
Dziubinski: Schön, Sie wiederzusehen. Sie sagen, dass ein häufiger Fehler, den Anleger in volatilen Märkten begehen, darin besteht, sich in Bargeld zurückzuziehen. Ich denke, wir alle wissen irgendwie, dass das keine gute Idee ist, aber erzählen Sie uns doch bitte ein wenig darüber, warum dies für die meisten Menschen tatsächlich ein eher schlechter Schachzug ist.
Benz: Das ist der klassische Fehler, den man bei volatilen Märkten macht. Es ist ein schlechter Schachzug, denn auch wenn er kurzfristig Erleichterung verschafft – so nach dem Motto: „Ah, ich bin dem Chaos entkommen“ –, muss man herausfinden, wann man wieder einsteigen soll. Man muss also, wie man so schön sagt, zwei Entscheidungen richtig treffen. Man muss zum richtigen Zeitpunkt aussteigen und wissen, wann man wieder einsteigen soll. Jeff Ptak hat vor ein paar Wochen einen wirklich großartigen Artikel geschrieben, in dem er untersuchte, wie die schrecklichen Tage an den Märkten oft untrennbar mit den wirklich guten Tagen verbunden sind. Oft liegen sie direkt nebeneinander an jenem Tag, an dem man sich gerade dazu beglückwünscht, aus dem Markt ausgestiegen zu sein. Nun, wissen Sie was? Der nächste Tag könnte ein wirklich guter sein. Es ist schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Ich würde niemandem raten, sich darauf einzulassen. Man sollte zwar kontinuierlich einige Barreserven beiseite legen, um den Liquiditätsbedarf zu decken, aber was das Hin- und Herbewegen großer Teile des langfristigen Portfolios angeht, ist das einfach nichts, wofür ich mich aussprechen würde.
Warum Anleger in Zeiten hoher Volatilität mit einer Buy-and-Hold-Strategie besser fahren
Dziubinski: Ein weiterer Fehler, dem Anleger in Zeiten anhaltender Marktvolatilität zum Opfer fallen könnten, sind die Botschaften von Vermögensverwaltern, die für „defensive“ Strategien werben oder Maßnahmen anbieten, die als Puffer oder Stabilisator in ihren Portfolios dienen sollen. Erläutern Sie bitte kurz, wie solche Strategien aussehen oder klingen könnten, und erklären Sie anschließend, warum das für viele Anleger ein Fehler ist.
Benz: Richtig. Wie Sie sagten, Susan, beobachten wir bei den Vermögensverwaltern tendenziell etwas mehr Begeisterung für solche Ansätze. Sobald wir uns bereits mitten in einem Bärenmarkt befinden, tauchen taktische Mischfonds auf, die ihre Engagements in den verschiedenen Anlageklassen ein wenig umschichten, um von den potenziellen zukünftigen Gewinnen zu profitieren. Das ist im Wesentlichen das, was ich hier anspreche. Das Problem ist: Wenn man sich die Daten ansieht – und natürlich war es bis vor kurzem ein ziemlich lang anhaltender Bullenmarkt –, dann waren diese Ergebnisse einfach nicht besonders gut. Es handelt sich hier um professionelle Vermögensverwalter, was ein weiterer Grund ist, davon abzuraten, solche Strategien auf eigene Faust umzusetzen. Betrachtet man also die 15-Jahres-Rendite eines typischen Mischfonds mit taktischer Asset Allokation, so liegt diese bei etwa 5 %, während ein ganz einfacher 60/40-US-Mischindex im gleichen Zeitraum von 15 Jahren um fast 8 % gestiegen wäre.
Ich bin daher der Meinung, dass eine Buy-and-Hold-Strategie besser ist als der Einsatz einer taktischen Anlagestrategie, ganz gleich, ob Sie diese selbst umsetzen oder an einen Fonds delegieren. Eine weitere beliebte Option, die in einem Umfeld wie diesem manchmal angepriesen wird, sind alternative Anlagen, denn wir befinden uns derzeit in einer Situation, in der sich Aktien nicht besonders gut entwickeln, Anleihen aber auch nicht. Sie haben nicht unbedingt die Rolle des Stoßdämpfers übernommen, die wir von Anleihen erwarten, und genau das ist das große Verkaufsargument für alternative Strategien – wenn keine dieser Anlageklassen diese Funktion erfüllt. Das Problem ist, dass alternative Anlagen zwar ein breites Spektrum abdecken, aber undurchsichtig und teuer sein können. Letztendlich sehe ich einfach nicht, welchen Vorteil der typische Anleger daraus zieht, den er nicht auch durch ein gut diversifiziertes Portfolio über die Kernanlageklassen hinweg erzielen könnte, das in sehr kostengünstige, vielleicht Indexfonds-ähnliche Produkte investiert ist.
Dziubinski: Vor allem, wenn man darüber hinaus noch einen ausreichend langen Zeithorizont hat, nicht wahr?
Benz: Genau.
Lassen Sie sich durch geopolitische Ereignisse nicht von Ihrer Anlagestrategie abbringen
Dziubinski: Christine, manchmal beeinflussen oder prägen geopolitische Ereignisse übermäßig stark die Art und Weise, wie ein Anleger über sein Portfolio denk. Das scheint natürlich zu sein, aber Sie sagen, dass dies tatsächlich ein Fehler sein kann. Erläutern Sie das bitte.
Benz: Richtig. Das Problem dabei ist, dass man meist einen Tag zu spät dran ist, wenn man erst einmal erkannt hat, wie sich die geopolitischen Ereignisse tatsächlich entwickeln und wie sich das auf verschiedene Marktsegmente auswirken könnte. Energieaktien sind meiner Meinung nach ein hervorragendes aktuelles Beispiel dafür: Als der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten die Energieaktien in die Höhe schnellen ließ, geschah das innerhalb weniger Tage sehr, sehr schnell. Wenn Sie fünf Tage später Ihren Tank füllen und denken: „Hey, vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um energiebezogene Aktien zu kaufen.“ Nun, wissen Sie was? Dann haben Sie den besten Teil des Kursanstiegs verpasst. Für mich ist das der Grund, warum Sie keinen geopolitischen Taktiker als Teil Ihrer Portfolioverwaltung haben sollten – schlichtweg, weil Sie hier mit den Profis spielen und diese oft einen Tick schneller am Zug sind, als Sie es vielleicht sind.
Warum der Kauf von stark gefallenen Wertpapieren in Zeiten hoher Volatilität ein Fehler sein könnte
Dziubinski: Manchmal sehen Anleger volatile Märkte als ideale Gelegenheit, sozusagen voll auf den Zug aufzuspringen und stark unter Druck geratene Wertpapiere zu kaufen, die sie vielleicht schon länger im Auge hatten – seien es bestimmte Aktien, vielleicht einige ETFs oder was auch immer. Warum kann diese Denkweise ein Fehler sein?
Benz: Ja, das ist ein wenig kontraintuitiv, denn Value-Investing – also der Kauf von stark gefallenen Wertpapieren – ist zweifellos eine bewährte Strategie. Einige unserer bevorzugten Fondsmanager hier bei Morningstar wenden eine Variante dieses Ansatzes an. Der entscheidende Risikofaktor besteht darin, dass man davon ausgeht, den absoluten Tiefpunkt erreicht zu haben, und daher einen großen Teil seines Portfolios in dieses stark gefallene Unternehmen oder diesen Sektor investiert – dabei hat man den Tiefpunkt möglicherweise gar nicht erreicht. Wenn dies Ihre Strategie für einen Teil Ihres Portfolios ist, nach solchen stark gefallenen Titeln Ausschau zu halten, sollten Sie sich absichern. Setzen Sie auf den Durchschnittskosteneffekt über einen Zeitraum von mehreren Tagen und verfolgen Sie vielleicht einen breit gefächerten Ansatz: Anstatt sich nur auf diese eine in Ungnade gefallene Aktie zu stürzen, kaufen Sie vielleicht einen ETF, der breiter in diesen angeschlagenen Sektor investiert. Ich würde dazu neigen, etwas vorsichtiger vorzugehen, um das Risiko abzufedern, falls ich mich bei einigen dieser ungeliebten Titel irren sollte.
Lassen Sie sich die Chance nicht entgehen, von der Volatilität zu profitieren
Dziubinski: Abschließend sagen Sie, dass es für manche Anleger ein Fehler sein kann, untätig zu bleiben oder abzuwarten, bis die Marktvolatilität nachlässt. Welchen Vorteil könnte es für einen Anleger haben, die Volatilität zu seinem Vorteil zu nutzen? Woran erkennt man, ob man selbst dazu in der Lage ist, und wie würde eine solche Strategie oder Vorgehensweise aussehen?
Benz: Ich höre in solchen Kreisen manchmal, Susan, dass eine gewisse Mentalität herrscht: Alle halten sich zurück, niemand unternimmt etwas. Das ist meist ein guter Rat, besonders wenn man ein jüngerer Anleger ist; man sollte bei Aktien abwarten. Der Grund, warum ich gerne darüber spreche, ist, dass es viele ältere Menschen gibt, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Sie haben sehr gute Erfahrungen mit Aktien gemacht. Sie zögern extrem, ihre Portfolios weniger risikoreich zu gestalten. Sie gehen also mit sehr aktienlastigen Portfolios in den Ruhestand. Für sie ist die Annahme, dass sie bei Aktien abwarten sollten, nicht unbedingt die richtige. Wir hatten zwar ein wenig Volatilität am Markt, aber es war nicht dramatisch. Wenn Sie ein übermäßig aggressives Portfolio haben, ist es kein schlechter Zeitpunkt, etwas abzuziehen und in hochwertige Anleihen oder vielleicht ein wenig Bargeld umzuschichten. Der Vorteil dabei ist: Wenn Sie kurz vor dem Ruhestand stehen, können Sie bei Bedarf auf diese sichereren Anlagen zurückgreifen, um Entnahmen aus dem Portfolio vorzunehmen, und das Aktienportfolio unberührt lassen. Es sollte also nicht jeder davon ausgehen, dass Untätigkeit die richtige Entscheidung in schwachen oder volatilen Märkten wie den aktuellen ist.
Dziubinski: Christine, wie immer ein toller Ratschlag. Wir danken Ihnen für Ihre Zeit.
Benz: Vielen Dank, Susan.
Dziubinski: Ich bin Susan Dziubinski. Schalten Sie jede Woche unbedingt „The Morning Filter“ und „The Long View“ ein, wo immer Sie Ihre Podcasts beziehen. Vielen Dank fürs Zuschauen.

