Welche europäischen Aktien haben die starke Rallye im zweiten Quartal vorangetrieben?

Der Tech-Sektor der Region entwickelte sich überdurchschnittlich, aber die allgemeinen Kursgewinne wurden von US- und asiatischen Indizes übertroffen.

Darstellung von Diagrammelementen auf grünem Hintergrund mit der Aufschrift „Q2“ in der Mitte, die ein positives Quartal anzeigt

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Der Morningstar Europe Index beendete das zweite Quartal mit einem Plus von mehr als 11 %.
  • Technologie-, Finanz- und Industriewerte führten die Kursgewinne an, der Energiesektor gab gegenüber seinen vorherigen Höchstständen nach.
  • Das Augenmerk der Anleger richtet sich jetzt auf die Geschäftszahlen des zweiten Quartals.

Die europäischen Aktienmärkte beendeten soeben ihr stärkstes Quartal seit Ende 2020. Dabei igtnorierten die wichtigsten Indizes die geopolitischen Unsicherheiten und Inflationssorgen und steuerten auf historische Höchststände zu.

Der Morningstar Europe Index schloss das zweite Quartal 2026 mit einem Plus von mehr als 10 % in US-Dollar ab, weil die Begeisterung für Künstliche Intelligenz die Stimmung der Anleger beflügelte und sich die Aktien von einem starken Ausverkauf im März infolge des Iran-Kriegs erholten. Die Rallye in Europa verblasste jedoch im Vergleich zum technologieorientierten Morningstar US Market Index, der um rund 16 % zulegte, und zum Morningstar Asia Index, der um etwa 20 % stieg.

„Eine Rendite von 11 % in einem einzigen Quartal ist in jeder Hinsicht beeindruckend. Wie in den USA waren diese Gewinne größtenteils auf die Begeisterung für KI zurückzuführen, wobei der europäische Technologiesektor in diesem Zeitraum um fast 40 % zulegte. Doch nicht nur dieser Sektor verzeichnete Zuwächse. Der Finanzsektor legten um fast 20 % zu, Industriewerte verzeichneten einen sehr respektablen Anstieg von 14 %“, sagt Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar.

Tech-Aktien stützen Erholung in Europa

Europäische Halbleiterwerte gehörten zu den Aktien mit der besten Performance im Quartal: Infineon Technologies (IFX) aus Deutschland verzeichnete einen Kursanstieg von über 100 %, und ASML (ASML) aus den Niederlanden legte um 45 % zu, da die Branche vom Boom der Investitionen in Künstliche Intelligenz profitierte. Weitere nennenswerte Kursgewinne verzeichneten Nokia (NOKIA) mit einem Plus von 70 % und Siemens (SIE) mit einem Plus von 37 %.

Energieaktien waren die größten Verlierer: Sie fielen um 14 % und gaben ihre starken Gewinne vom März wieder ab, weil die Anleger auf eine Deeskalation der Feindseligkeiten im Nahen Osten und die Wiederöffnung der Straße von Hormus setzten. Die in Großbritannien notierte BP (BP) und das norwegische Unternehmen Equinor (EQNR) verloren beide mehr als 20 %. Zu den weiteren Verlierern zählten die Sektoren Kommunikations-Dienstleistungen, Gesundheitswesen und Versorger, die das Quartal weitgehend unverändert beendeten.

Auf regionaler Ebene führten die Niederlande die Gewinne an und legten dank des Indexschwergewichts ASML 34 % zu. Auch Italien und Spanien verzeichneten Zuwächse von mehr als 15 %, während Frankreich und Deutschland mit jeweils 10 % weniger stark zulegten, da dominierende Sektoren wie Software, Konsumgüter und Verteidigung die Entwicklung belasteten.

Infolgedessen weisen die Marktbewertungen in Europa mittlerweile große Unterschiede auf. Schweden, Spanien und Italien werden zu Kursen gehandelt, die den Fair Value-Schätzungen von Morningstar entsprechen oder darüber liegen, die Niederlande liegen geringfügig darunter, Frankreich und Deutschland dagegen gelten als die beiden preiswertesten Märkte von nennenswerter Größe auf dem Kontinent.

„Wer glaubt, dass sich solche Renditen jedes Quartal wiederholen lassen, sollte vielleicht noch einmal darüber nachdenken. Aktien werden derzeit mit einem Abschlag von nur 4 % gegenüber unserer Fair Value-Schätzung gehandelt. Das bedeutet zwar nicht, dass die Marktbegeisterung die Kurse nicht weiter nach oben treiben kann, aber es bedeutet, dass es fundamental gesehen keine wirkliche Rechtfertigung dafür gibt“, erklärt Field von Morningstar.

Wie sieht der Ausblick für den Aktienmarkt im dritten Quartal aus?

Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun auf die Ergebnisse des zweiten Quartals, die im Laufe dieses Monats veröffentlicht werden, um die Aussichten für das dritte Quartal und darüber hinaus einzuschätzen. Laut der Deutschen Bank deuten die Konsensprognosen auf ein Gewinnwachstum in Europa von 12 % im Vergleich zum Vorjahr hin. Die Bank merkt an, dass dieser Wert noch höher ausfallen könnte. „Vor dem Hintergrund starker positiver Korrekturen im Vorfeld der Berichtssaison prognostizieren wir, dass die Erwartungen leicht, aber positiv übertroffen werden, und gehen von einem Gewinnwachstum von 14 % in diesem Quartal aus“, so die Analysten der Bank.

Unterdessen dürften die übergeordneten Themen des ersten Halbjahres die Positionierung in Zukunft dominieren. Unterdessen setzen die Märkte mit dem schwer fassbaren Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran, der jüngsten Entwicklung des KI-Handels und einer neuen Führung bei der US-Notenbank auseinander.

„Diese Themen stellen Anleger zu Beginn der zweiten Jahreshälfte vor eine Reihe bekannter Fragen“, sagt Neil Wilson, Anlagestratege für Großbritannien bei Saxo. „Können die Gewinne weiterhin schnell genug wachsen, um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen? Wird die Inflation den Zentralbanken endlich mehr Flexibilität bei ihrer Geldpolitik ermöglichen? Könnten geopolitische Spannungen erneut die Energiemärkte bedrohen? Und – was vielleicht am wichtigsten ist – wird sich die Marktführerschaft über den Bereich der KI hinaus ausweiten, oder wird weiterhin eine Handvoll Technologieunternehmen die Richtung der globalen Aktienmärkte bestimmen?“

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