Ausblick auf den US-Aktienmarkt für das 2. Quartal 2026 – Die wichtigsten Erkenntnisse
- Der US-Aktienmarkt notiert derzeit mit einem Abschlag von 12 % im Vergleich zu dem Durchschnitt unserer Bewertungen.
- Aktien sind unterbewertet, aber das hat seinen Grund: Am Horizont zeichnen sich eine ungewisse Zukunft und eine sich abschwächende Konjunktur ab.
- Diese Volatilität bietet Gelegenheiten, Gewinne mitzunehmen und in unterbewertete Sektoren und Aktien umzuschichten.
In unserem Ausblick für 2026 haben wir zahlreiche wichtige Gründe aufgeführt, warum wir davon ausgingen, dass 2026 volatiler verlaufen würde als 2025. Wir ahnten nicht, wie schnell sich diese Prognose bewahrheiten würde. Zwar bewegte sich der breite Aktienmarkt innerhalb einer Spanne von weniger als 7 %, doch verbirgt sich hinter dieser Spanne eine erhebliche Sektorrotation, die unter der Oberfläche stattfindet.
Auf der Grundlage einer Zusammenfassung unserer intrinsischen Bewertungen der mehr als 700 von uns beobachteten Aktien, die an US-Börsen gehandelt werden, haben wir zum 23. März 2026 ermittelt, dass der US-Aktienmarkt mit einem Kurs-/Fair-Value-Verhältnis von 0,88 gehandelt wurde. Dies bedeutet, dass der Markt mit einem Abschlag von 12 % im Vergleich zu unseren Fair Value-Schätzungen gehandelt wird.
Kurs/Fairer Wert der US-Aktienanalyse von Morningstar zum Monatsende

US-Aktienmarkt ist unterbewertet – aber aus gutem Grund
Der US-Aktienmarkt ist mit einem Abschlag von 12 % gegenüber unseren Bewertungen attraktiv bewertet und zeigt immer wieder Anzeichen für einen Aufwärtstrend, sobald Schritte zur Entschärfung des Konflikts mit dem Iran unternommen werden. Solange es jedoch kein öffentliches Signal seitens des Iran gibt, dass er zu Verhandlungen bereit ist, gehen wir davon aus, dass diese Kursanstiege begrenzt bleiben werden.
Zwar war der Investitionsboom im Bereich Künstlicher Intelligenz in den letzten zwei Jahren ein wichtiger Wachstumsmotor, doch ist ein Großteil dieses Optimismus bereits in den Kursen eingepreist. Um bei diesen Aktien die nächste Aufwärtsbewegung einzuleiten, suchen Anleger unserer Ansicht nach nach mehr Klarheit darüber, wie sich die Investitionen in KI in neuem Umsatzwachstum und höherer Effizienz niederschlagen, um so eine Steigerung der operativen Marge voranzutreiben.
Mit Blick auf die Zukunft beginnt die Berichtssaison für das erste Quartal in der Woche vom 13. April. Sollten die Ölpreise auf hohem Niveau bleiben, könnten die Unternehmensleitungen konservativere Prognosen abgeben, um angesichts der zunehmenden Unsicherheit einen Sicherheitspuffer einzubauen. Gleichzeitig verschlechtern sich die makroökonomischen Rahmenbedingungen: Das Wachstum verlangsamt sich, der Inflationsdruck kehrt zurück und die Zinsen steigen langsam an. Dies bringt die Fed in eine Zwickmühle: Sie kann die Zinsen nicht senken, ohne die Inflation anzukurbeln, und nicht anheben, ohne eine Konjunkturabkühlung zu riskieren.
Kurs/Fairer Wert nach Morningstar Style Box

Gemessen an der Marktkapitalisierung haben Large-Cap-Aktien nach ihrem Kursrückgang im ersten Quartal deutlich an Attraktivität gewonnen und werden derzeit mit einem Abschlag von 13 % auf den fairen Wert gehandelt. Mid-Cap-Aktien haben ihren Wert gehalten und weisen nur einen Abschlag von 6 % auf. Small-Cap-Aktien bleiben mit einem Abschlag von 17 % auf unsere Fair Value-Schätzung weiterhin am attraktivsten.
Nach Anlagestilen betrachtet sind Wachstums-Aktien deutlich attraktiver geworden. Der Wachstumssektor wurde in diesem Jahr bislang am stärksten in Mitleidenschaft gezogen, dennoch haben wir unsere Bewertungen für mehrere Wachstums-Aktien angehoben; somit ist der Sektor im Vergleich zum letzten Quartal stärker unterbewertet. Mit dem aktuellen Abschlag von 21 % wurden Wachstums-Aktien seit 2011 nur in weniger als 5 % der Fälle mit einem derart hohen Abschlag gehandelt. In ähnlicher Weise hat ein Ausverkauf bei Kernaktien in Verbindung mit einigen Erhöhungen des fairen Werts dazu geführt, dass Kernaktien nun einen Abschlag von 10 % gegenüber dem fairen Wert des letzten Quartals aufweisen. Die Bewertung von Value-Aktien ist stabil geblieben, da unsere Bewertungserhöhungen der Rendite dieser Kategorie entsprachen.
Wo wir Value nach Sektoren sehen
Technologieaktien, insbesondere Softwareaktien, wurden im bisherigen Quartalsverlauf hart getroffen; dennoch haben wir mehrere unserer Fair Values nach oben korrigiert, da die Hyperscaler noch umfangreichere Investitionspläne für 2026 als erwartet bekannt gaben, was den Boom beim Ausbau der KI-Infrastruktur weiter ankurbelte. Die Kombination aus niedrigeren Kursen und höheren Bewertungen hat zu einem Abschlag von 23 % für den Sektor geführt. Seit 2011 wurde der Technologiesektor nur dann mit einem derart hohen Abschlag gehandelt, als der Markt 2022 seinen Tiefpunkt erreichte sowie auf dem Höhepunkt der Staatsschulden- und europäischen Bankenkrise 2011.
Im Laufe des Jahres 2025 zeigten Anleger wenig Interesse am Energiesektor; dennoch empfahlen wir ihnen, diesen Sektor überzugewichten, da er zu den am stärksten unterbewerteten Sektoren gehörte, eine attraktive Dividendenrendite bot und als natürlicher Schutz vor Inflation und/oder geopolitischen Problemen dienen würde. Der Sektor ist diesem Ruf gerecht geworden und ist in diesem Jahr um 34 % gestiegen. Nach diesem Anstieg ist er nun der am stärksten überbewertete Sektor. Wir haben vor kurzem damit begonnen, Gewinnmitnahmen zu empfehlen.
Im letzten Quartal waren Finanzwerte am stärksten überbewertet, doch nachdem sie die größten Kursverluste verzeichneten, sind sie nun leicht unterbewertet. Ebenso gehörten die überbewerteten zyklischen Konsumgüter zum Sektor mit der zweit schlechtesten Wertentwicklung und sind nun attraktiv bewertet.
Morningstar Kurs-Fairer-Wert-Verhältnis nach Sektoren

USA: Value-Aktien profitieren von der Flucht in sichere Anlagen, Core- und Growth-Aktien verlieren an Wert
Der Morningstar US Market Index verzeichnete bis zum 23. März 2026 einen Rückgang um 3,49 %.
Value blieb von den Marktrückgängen verschont, da die Rendite von über 34 % im Bereich der Energie mehr als ausreichte, um die Verluste in anderen Value-Bereichen auszugleichen.
Die Core-Kategorie wurde durch ihre hohe Gewichtung in den Sektoren Technologie, zyklischer Konsum und Finanzwerte belastet, den drei Sektoren mit der schlechtesten Wertentwicklung. Unter den einzelnen Positionen machte allein der Kursrückgang bei Microsoft (MSFT) 38 % des Verlusts in dieser Kategorie aus.
Der Technologiesektor macht 42 % der Growth-Kategorie aus und war der größte Negativfaktor für die Rendite. Die größten Verluste entfielen auf Nvidia (NVDA), Meta Platforms (META), Broadcom (AVGO) und Oracle (ORCL) sowie auf den ehemals überbewerteten Kursliebling Eli Lilly (LLY), doch waren Verluste in der gesamten Wachstumskategorie weit verbreitet.
So wie Mega-Cap-Aktien in den letzten Jahren einen überproportionalen Aufwärtstrend verzeichneten, haben die Kursverluste bei eben diesen Titeln in diesem Jahr die Large-Cap-Aktien nach unten gezogen. Zu den größten Belastungsfaktoren zählten Microsoft, Apple (AAPL), Nvidia, Amazon (AMZN) und Tesla (TSLA).
Mid-Cap-Unternehmen stemmten sich gegen den Abwärtstrend, da ihr Engagement in Energie- und KI-Hardware-Aktien mehr als ausreichte, um Verluste in anderen Bereichen auszugleichen.
Es war nicht überraschend, dass Small Caps sich mit nur minimalen Verlusten behaupten konnten, da dies nach unseren Bewertungen zu Jahresbeginn der am attraktivsten bewertete Teil des Marktes war.
Der Morningstar US Market Index ist seit Quartalsbeginn um 3,49 % gefallen

Umschichtung in Energie- und defensive Aktien verursachen große Bandbreite der Sektor-Renditen
Energieaktien legten kräftig zu, da die Ölpreise nach den US-Luftangriffen auf den Iran sprunghaft anstiegen. Industriewerte aus den Bereichen Verteidigung und dem Boom beim Ausbau der Künstlichen Intelligenz entwickelten sich gut.
Die risikoaverse Stimmung führte zudem zu einer Umschichtung in defensive Werte, was Kursgewinne in den Sektoren defensiver Konsum und Versorger zur Folge hatte. Das Gesundheitswesen verzeichnete Kursverluste, wobei ein Drittel des Rückgangs direkt auf die Kursverluste des überbewerteten Unternehmens Eli Lilly zurückzuführen war.
Angesichts der angespannten Ölversorgung im Nahen Osten dürften Unternehmen, deren Rohstoffe aus Onshore-Quellen stammen – wie beispielsweise US-amerikanische Chemie- und Düngemittelhersteller –, auf Kosten ihrer internationalen Konkurrenten profitieren und den Sektor der Grundstoffe nach oben treiben.
Im letzten Quartal haben wir festgestellt, dass der Finanzsektor der am zweitstärksten überbewertete Sektor war, da der Markt das Wachstum der Nettozinserträge überschätzt hatte. Da die Fed ihre Zinspolitik auf absehbare Zeit unverändert halten wird, sind Bankaktien gesunken.
Höhere Ölpreise und höhere Zinsen werden die Konsumausgaben einschränken – daher der Rückgang beim zyklischen Konsum.
Renditen nach Sektoren: Seit Quartalsbeginn (%)

Es droht erhöhte Volatilität – mögliche Umschichtungen und Risiken, die es im Auge zu behalten gilt
Wir gehen davon aus, dass die Volatilität auch nach einer Entspannung der Lage im Iran hoch bleiben wird, da mehrere wesentliche Risiken bestehen, die sich auswirken könnten.
Dazu gehören:
- Hohe Ölpreise führen zu Stagflation:
- Verlangsamung des Wirtschaftswachstums
- Eine Inflationsrate, die höher ausfällt als erwartet
- KI-Aktien benötigen ein noch stärkeres Wachstum, um ihre hohen Bewertungen zu rechtfertigen
- Neuer Vorsitzender übernimmt die Leitung der Fed
- Die bevorstehenden Zwischenwahlen
- Wiederaufnahme der Handels- und Zollverhandlungen
- Sich verschlechternde Fundamentaldaten auf den Märkten für Private Credit
- Chinas Wirtschaft schwächer als erwartet / Konjunkturabschwächung beschleunigt sich
- Japanische Staatsanleihen verzeichnen Verluste, da die Renditen steigen und der Yen nachgibt
Das wirft die Frage auf: Wie können Anleger sich positionieren, um von der Volatilität zu profitieren?
Angesichts der Entwicklungen am Markt und in den einzelnen Sektoren sehen wir eine Reihe von Möglichkeiten, die Portfolios neu auszurichten, um von den Veränderungen bei den Bewertungen zu profitieren.
So empfahlen wir Anlegern beispielsweise 2025, den Eneregiesektor überzugewichten, da dieser unterbewertet war, eine hohe Dividendenrendite aufwies und als natürliche Absicherung des Portfolios gegen eine höher als erwartete Inflation oder geopolitische Probleme dienen würde. Diese Absicherung hat sich bewährt, und nun ist ein guter Zeitpunkt, zumindest einen Teil dieser Gewinne mitzunehmen und in andere Sektoren umzuschichten, die stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.
Im vergangenen Quartal haben wir zudem ein „Barbell“-Portfolio empfohlen, um das weitere Aufwärtspotenzial, das wir bei Technologie- und KI-Aktien sehen, zu nutzen, die Positionen jedoch durch hochwertige Value-Aktien abzusichern, um dem Risiko einer erhöhten Volatilität 2026 entgegenzuwirken. Da Value-Aktien inzwischen gestiegen sind und KI- sowie Technologieaktien nachgegeben haben, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um bei diesen Value-Aktien Gewinne mitzunehmen und in unterbewertete und überverkaufte Wachstums-Aktien umzuschichten.

