Bitcoin über 80.000 US-Dollar: Warum der Kurs jetzt so stark steigt - und was kommen könnte

Sorgen um die US-Staatsverschuldung, Zuflüsse in ETFs und ein schwächerer US-Dollar haben die aktuellste Erholung des Bitcoin-Kurses ausgelöst.

Collage-Illustration mit Bitcoins, einem Ticker und einem Anleger, der auf sein Smartphone schaut.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Das Rückkaufprogramm des US-Finanzministeriums für US-Staatsanleihen hat den sogenannten „Debasement Trade“ wiederbelebt, da die Sorgen über die US-Staatsverschuldung und die hohen Finanzierungskosten zunehmen.
  • Die Eindeckung von Short-Positionen und ein kräftiger Anstieg der Zuflüsse in Bitcoin-ETFs haben eine zunächst makroökonomisch getriebene Bewegung zusätzlich verstärkt, sagen Analysten.
  • Bitcoin hat wichtige technische Marken zurückerobert. Ein nachhaltiger Ausbruch über 80.000 US-Dollar könnte jedoch davon abhängen, ob die US-Notenbank weitere Signale zur künftigen Zinsentwicklung gibt.

Bitcoin hat seine stärkste Wochenrally seit März 2023 hingelegt. In der vergangenen Woche legte die Kryptowährung um 23,6 Prozent zu und durchbrach zuletzt die Marke von 80.000 US-Dollar – ein Niveau, das zuletzt Mitte Mai erreicht wurde.

Die jüngste Kursbewegung hat nach Einschätzung von Experten das spekulative Interesse an der Kryptowährung wiederbelebt. Die bislang wichtigsten Treiber der Rally haben jedoch wenig mit dem Kryptomarkt selbst zu tun.

Vielmehr reagiert Bitcoin auf ein sich rasch veränderndes makroökonomisches Umfeld, das von einer lockereren Fiskalpolitik, einem schwächeren US-Dollar und erneut wachsenden Sorgen der Anleger über die Tragfähigkeit der US-Staatsverschuldung geprägt ist.

Sorgen über die US-Verschuldung steigern das Interesse an Bitcoin

Der unmittelbare Katalysator war die Entscheidung des US-Finanzministeriums, seine Käufe länger laufender Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln – von monatlich 2 Milliarden auf 4 Milliarden US-Dollar. Ziel war es, die Renditen länger laufender US-Staatsanleihen zu senken, die zuletzt auf den höchsten Stand seit 2007 gestiegen waren.

Bitcoin reagierte fast sofortund legte am 19. August um fast 6 Prozent zu, bevor es seine Gewinne weiter ausbaute. und baute seine Gewinne anschließend weiter aus. André Dragosch, Head of Research Europe bei Bitwise, bezeichnet die Ankündigung des US-Finanzministeriums als den „wichtigsten makroökonomischen Katalysator“. Dies signalisiere eine größere Bereitschaft zu einer Lockerung der Fiskalpolitik und habe zugleich den US-Dollar geschwächt.

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum diese Maßnahme für Kryptowährungen von Bedeutung ist.

Blue Macellari, Head of Digital Assets bei T. Rowe Price, sieht in der Rückkehr des sogenannten „Debasement Trade“ den wichtigsten Treiber für die Erholung des Bitcoin. Dabei handelt es sich um eine Anlagestrategie, bei der Investoren Bargeld und Staatsanleihen verkaufen und stattdessen knappe Vermögenswerte kaufen.

„Hinter der Erholung von Bitcoin in der vergangenen Woche stehen mehrere Faktoren“, sagt Macellari und verweist auf den jüngsten Krypto-Gipfel im Weißen Haus sowie auf mögliche positive Impulse für den Digital Asset Markets Clarity Act, über den derzeit im US-Senat beraten wird. „Der wichtigste Treiber ist jedoch, dass das Narrativ des Debasement Trade wieder stärker in den Fokus rückt.“

Die US-Staatsverschuldung liegt mit rund 40 Billionen US-Dollar auf einem Rekordhoch, während die Finanzierungskosten weiterhin hoch sind. Jede Intervention, die darauf abzielt, die langfristigen Renditen von US-Staatsanleihen einzudämmen, verdeutlicht das Spannungsverhältnis zwischen dem wachsenden Finanzierungsbedarf der US-Regierung und der Bereitschaft des Marktes, immer größere Mengen an Schuldtiteln aufzunehmen.

Macellari zufolge haben Diskussionen über eine Ausweitung der Anleiherückkäufe durch das US-Finanzministerium sowie die Möglichkeit, Mittel aus dem Treasury General Account zu nutzen, diese Sorgen erneut angefacht. „Der Markt wird daran erinnert, dass der Kampf gegen die Bond Vigilantes selten schnell oder einfach ist“, sagt sie. Als „Bond Vigilantes“ werden Anleger bezeichnet, die Staatsanleihen verkaufen, um Druck auf die Politik auszuüben und eine Änderung des fiskalpolitischen Kurses zu erzwingen.

Für Bitcoin ist dies relevant, weil die Kryptowährung von Anlegern zunehmend nicht nur als spekulativer Technologiewert betrachtet wird, sondern auch als Absicherung gegen eine Geldentwertung und eine nachlassende Glaubwürdigkeit der Fiskalpolitik. Deshalb reagiert der Bitcoin-Kurs mittlerweile sensibel auf die breitere Debatte über die Tragfähigkeit der US-Fiskalpolitik.

Macellari erwartet, dass diese Dynamik anhält. „Für Bitcoin dürfte dies bedeuten, dass die Stärke anhält, da sich Anleger zunehmend auf die Verschuldungsdynamik in den USA und die hohen Finanzierungskosten konzentrieren“, sagt sie.

Ein „Short Squeeze“ trieb den plötzlichen Aufschwung von Bitcoin weiter an

Der makroökonomische Impuls allein erklärt jedoch nicht das Tempo der Rally. Bitcoin startete die Aufwärtsbewegung nach einer längeren Phase niedriger Volatilität und einseitiger Positionierung. Dragosch von Bitwise zufolge war der hauseigene „Seller Exhaustion Indicator“ auf den niedrigsten Stand seit November 2018 gefallen, während die Volatilität Mehrjahrestiefs erreichte. Da zugleich die Handelsvolumina niedrig waren, reichte bereits ein moderater Anstieg der Nachfrage aus, um eine überproportional starke Kursreaktion auszulösen, sagt er.

Als die Kurse zu steigen begannen, mussten gehebelte Short-Positionen geschlossen werden. Dabei setzen Anleger mit geliehenem Kapital auf fallende Bitcoin-Kurse. Dragosch zufolge wurde in der vergangenen Woche ein Rekordvolumen an Short-Positionen liquidiert. Dadurch entstand zusätzlicher Kaufdruck – ein klassischer „Short Squeeze“.

Diese Dynamik erklärt, warum sich die Kursgewinne von Bitcoin so schnell beschleunigten. Der ursprüngliche Impuls war makroökonomischer Natur - die Hebelwirkung verstärkte die Bewegung dann erheblich.

Institutionelle Anleger kehren zu Bitcoin zurück

Es gibt zudem Anzeichen dafür, dass der Kursanstieg echte Nachfrage anzieht und nicht ausschließlich durch die Glattstellung von Leerverkäufen getrieben wird. „Die ‚Whales‘ haben ihre Verkäufe eingestellt und wieder mit dem Aufbau von Beständen begonnen, wenn auch noch nicht in einem Umfang, der auf einen unmittelbaren und anhaltenden Durchbruch hindeutet“, sagt James Butterfill. „Whales“ sind große Bitcoin-Besitzer, die einen überproportionalen Einfluss auf die Kursentwicklung des Marktes ausüben.

In den USA domizilierte ETFs auf digitale Vermögenswerte verzeichneten in der vergangenen Woche Nettozuflüsse von 2,36 Milliarden US-Dollar – die stärksten seit Anfang Oktober 2025. Auf Bitcoin ausgerichtete Produkte verbuchten am 20. August Zuflüsse von 537 Millionen US-Dollar und am 21. August weitere 659 Millionen US-Dollar. Damit verzeichneten sie die höchsten täglichen Zuflüsse seit Anfang Mai.

Ein Short Squeeze kann eine spektakuläre Rally auslösen. Anhaltende ETF-Zuflüsse würden jedoch darauf hindeuten, dass Anleger ihr strategisches Engagement in Bitcoin aktiv wieder aufbauen.

Kann sich der Bitcoin-Kurs über 80.000 US-Dollar halten?

Die Kryptowährung hat zudem mehrere wichtige technische Marken zurückerobert. Dazu zählen laut Dragosch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt sowie der durchschnittliche Preis, den aktive Anleger für am Sekundärmarkt gehandelte Bitcoin gezahlt haben.

Die Marke von 80.000 US-Dollar bleibt jedoch der entscheidende Test. Butterfill von CoinShares erwartet, dass sich Bitcoin innerhalb seiner aktuellen Handelsspanne bewegen wird, solange die US-Notenbank nicht deutlicher bestätigt, dass das Risiko weiterer Zinserhöhungen vom Tisch ist. Dies „könnte der Katalysator für einen nachhaltigen Ausbruch von Bitcoin über die Marke von 80.000 US-Dollar sein“.

Damit kommt dem Jackson-Hole-Symposium in dieser Woche besondere Bedeutung zu. Die Märkte werden Experten zufolge auf Signale der Fed-Vertreter achten, die die inzwischen in den Vermögenspreisen eingepreisten Erwartungen einer lockereren Geldpolitik bestätigen.

Die Bitcoin-Rally folgt einer klaren Logik, birgt aber zugleich Risiken. Bitcoin ist stark gestiegen, weil Anleger darauf setzen, dass die Finanzierungsbedingungen günstiger werden. Sollte sich diese Annahme als falsch erweisen, könnte die Hebelwirkung, die die Rally beschleunigt hat, ebenso schnell in die entgegengesetzte Richtung wirken.

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