Ausblick auf den US-Aktienmarkt: Zeit, von Growth- in Value-Aktien umzuschichten

Wachstumsaktien, insbesondere Technologie- und KI-Aktien, bietet keine übermäßige Sicherheitsmarge mehr

Stylebox-Illustration für Value Funds

Das Wichtigste in Kürze:

  • Es ist an der Zeit, Gewinne aus dem Wachstumssegment mitzunehmen und in Value-Aktien zu reinvestieren.
  • Die erhebliche Unterbewertung im Technologiebereich hat sich verringert.
  • Der US-Aktienmarkt notiert derzeit mit einem Abschlag von 5 % gegenüber dem Durchschnitt unserer Bewertungen.
  • Die Abweichungen zwischen den verschiedenen Anlageklassen und Sektoren haben sich seit dem 30. März normalisiert.

Update zur Umschichtung des Barbell-Portfolios

In der Folge von „The Morning Filter“ vom 30. März haben wir empfohlen, die Gewichtung im Wachstumssegment (insbesondere bei Technologie- und KI-Aktien) zu erhöhen, indem Investoren Gewinne aus dem Value-Segment (insbesondere bei Energieaktien) mitnehmen. Seitdem legten Wachstums- und Technologieaktien deutlich zu, während Value-Aktien nur moderate Gewinne verzeichneten. Als langfristige Anleger versuchen wir nicht, den Markt zu timen, sondern passen die Portfoliopositionen bei Bedarf an, wenn sich Märkte und Bewertungen verändern.

Vom 30. März bis zum 18. Mai stieg der Morningstar US Growth Index um 20 %, der Morningstar US Technologie-Index um 32 %. Neun der zehn Titel, die am meisten zur Marktrendite beitrugen, standen in direktem Zusammenhang mit KI. Im Vergleich ging der Morningstar US Value Index lediglich um 4 % nach oben, während der Morningstar US Energie-Index um 3 % fiel.

Aufgrund unserer aktuellen Bewertungen halten wir den jetzigen Zeitpunkt für günstig, um Gewinne in der Wachstumskategorie (insbesondere bei Technologie- und KI-Aktien) mitzunehmen und die Erlöse in Value-Aktien umzuschichten. Mit Blick auf die Zukunft sind wir der Ansicht, dass die Rückkehr zu einem „Barbell“-Portfolio (halb Value, halb Growth) ein ausgewogenes Verhältnis bietet zwischen Absicherung gegen Abwärtsrisiken und der Möglichkeit, an künftigen Aufwärtstrends teilzuhaben. Darüber hinaus ermöglicht es Anlegern, ihre Investments entsprechend den Bewertungen neu zu gewichten.

Der Wachstumssektor notiert derzeit nur noch mit einem Abschlag von 5 % im Vergleich zum fairen Wert, während er am 30. März noch mit einem Abschlag von 20 % gehandelt wurde – eine deutlich größere Sicherheitsmarge als heute. Value-Aktien sind etwas stärker unterbewertet und weisen aktuell einen Abschlag von 7 % auf, verglichen mit dem Abschlag von 5 % am 30. März.

Kurs/Fairer Wert nach Morningstar Style Box

Grafik, die die Morningstar-Kennzahl „Kurs-Fairer-Wert-Verhältnis“ aufgeschlüsselt nach der Morningstar Style Box darstellt
Source: Morningstar. Data as of May 15, 2026.

Der Technologiesektor ist mit einem Abschlag von 7 % gegenüber dem Durchschnittswert unserer fairen Bewertungen weiterhin unterbewertet; da er jedoch am 30. März noch mit einem Abschlag von 25 % gehandelt wurde, bietet er nicht mehr dieselbe zusätzliche Sicherheitsmarge. Ebenso hat sich der Abschlag für den Kommunikationssektor, zu dem die KI-Giganten Alphabet (GOOGL) und Meta (META) gehören, von 17 % auf 12 % verringert.

Im Vergleich dazu sank der Aufschlag für den Energiesektor auf nur noch 4 %, während er Ende März noch bei 18 % lag. Unter den anderen Value-Sektoren, deren Bewertungen gesunken sind, ist der Aufschlag für die Versorger von 7 % auf 1 % geschrumpft.

Nach der Kursrallye sind US-Aktien nicht mehr so stark unterbewertet

Ende März notierte der Markt mit einem Abschlag von 12 % gegenüber einem Durchschnitt unserer Bewertungen. Seitdem stieg der Morningstar US Market Index um 16 %. Aufgrund einer Kombination aus der Marktrallye, die teilweise durch Anstiege bei einer Reihe unserer Bewertungen ausgeglichen wurde, notierte der US-Aktienmarkt zum 15. Mai 2026 mit einem Abschlag von 5 %.

Preis/Fairer Wert der US-Aktienanalyse von Morningstar

Grafik, die die Kennzahl „Kurs-Fairer-Wert-Verhältnis“ von Morningstar seit 2011 darstellt.
Source: Morningstar. Data as of May 15, 2026.

In Zukunft sollte die Volatilität hoch bleiben

In unserem Marktausblick für 2026 haben wir darauf hingewiesen, dass eine Reihe wichtiger aufkommender Risiken dazu führen könnte, dass dieses Jahr volatiler verläuft als das vergangene. Um von dieser Volatilität zu profitieren, haben wir ein „Barbell“-Portfolio empfohlen, bei dem die eine Hälfte aus hochwertigen Value-Aktien (insbesondere unterbewerteten Energieaktien) besteht und die andere Hälfte in Growth-Aktien (insbesondere unterbewertete Technologie- und KI-Aktien) investiert ist.

Die Strategie hinter dieser Aufteilung sah vor, dass wir bei Marktaufschwüngen davon ausgingen, dass unterbewertete Aktien im Technologiebereich – insbesondere jene, die am engsten mit KI verbunden sind – eine deutlich überdurchschnittliche Wertentwicklung verzeichnen würden. Sobald diese ihren fairen Wert erreicht hätten, könnten sie verkauft werden, um Gewinne zu realisieren, und man könnte in Value-Aktien reinvestieren, von denen wir eine unterdurchschnittliche Entwicklung erwarteten. Umgekehrt gingen wir davon aus, dass Value-Aktien bei Marktrückgängen profitieren würden, da Anleger aus Wachstums-Aktien aussteigen würden, und sobald sich Value-Aktien ihrem fairen Wert näherten, könnten Anleger Gewinne mitnehmen und in unterbewertete Wachstums-Aktien reinvestieren.

Viele der Faktoren, von denen wir erwartet hatten, dass sie zu Volatilität führen würden, sind nach wie vor aktuell, und es sind neue Faktoren hinzugekommen. Zu diesen Faktoren zählen:

  • In der letzten Woche verloren die Aufwärtsdynamik bei KI-Aktien an Schwung.
  • Die Zinsen steigen nicht nur in den USA, sondern weltweit, wobei japanische Staatsanleihen die höchsten Renditen seit 1997 verzeichnen.
  • Die Inflation steigt bzw. beschleunigt sich.
  • Wir gehen davon aus, dass sich die Geldpolitik in absehbarer Zeit nicht ändern wird, da die Federal Reserve den Leitzins nicht senken kann.
  • Während der China-Reise von Präsident Donald Trump wurden keine neuen bedeutenden Vereinbarungen oder Abkommen bekannt gegeben.
  • Wir gehen davon aus, dass Handels- und Zollverhandlungen in diesem Sommer wieder in den Schlagzeilen stehen werden.
  • Die Ölpreise bleiben auf hohem Niveau, da der Konflikt mit dem Iran noch nicht beigelegt wurde.
  • Aktuelle Wirtschaftsdaten aus China deuten darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum stärker als erwartet verlangsamt.
  • Die Zwischenwahlen stehen schneller vor der Tür, als man denkt.

Doch obwohl die Risiken zahlreich sind, schreiten die Investitionen in den Boom beim Ausbau der Künstlichen Intelligenz unvermindert voran, und die langfristigen Chancen im Bereich KI sind nach wie vor überzeugend.

Wir sind der Ansicht, dass Anleger weiterhin in KI investiert bleiben sollten, allerdings müssen sie umsichtig in jene Unternehmen investieren, die langfristig von Künstlicher Intelligenz profitieren werden, und dieses Engagement gegen die Bewertungen abwägen. Die Geschichte früherer Technologiezyklen legt nahe, dass Anleger unterscheiden müssen zwischen Unternehmen an der Spitze der KI-Technologie mit langfristigen, nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen, wie den unterbewerteten Titeln Nvidia (NVDA) und Broadcom (AVGO), und solchen, die standardisierte Hardware anbieten, deren Kursentwicklung eher von Erzählungen als von Fundamentaldaten getrieben wird, wie den überbewerteten Titeln Ciena (CIEN) und Micron (MU).

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