5 Charts, die Investoren in Europa 2026 beobachten sollten

Von Wirtschaftswachstum und Aktienbewertungen bis hin zu Energiepreisen und KI-getriebener Stromnachfrage – diese fünf Grafiken verdeutlichen die Trends, die Anleger in diesem Jahr in Europa beachten sollten.

Illustration der Marktvolatilität mit Bildern einer Frau mit Fernglas, Ticker und Münzen in Masken in Form von Aufwärts- und Abwärtspfeilen.

Wichtige Erkenntnisse

  • Das Wirtschaftswachstum bleibt verhalten, wird sich jedoch voraussichtlich bis 2027 allmählich verbessern.
  • Die Energiemärkte bewegen sich von Krisenmanagement hin zu einem strukturellen Wandel.
  • Aktien in Europa sind weiterhin günstiger als ihre US-Pendants und profitieren von der makroökonomischen Erholung, moderater Inflation, niedrigen Zinsen und höheren Ausgaben.

Die europäischen Märkte starten positiv in das Jahr 2026: Die Rezessionsängste haben sich verringert, die Inflation liegt nahe den Zielen der Zentralbanken und die Konjunkturpakete beginnen sich in der Realwirtschaft bemerkbar zu machen, während mehrere europäische Vermögenswerte weiterhin zu moderateren Bewertungen gehandelt werden als ihre US-Pendants.

Da sich die Bewertungen jedoch ihrem Zweijahreshoch nähern, werden Aktienanleger zunehmend kritischer und wägen die sich verbessernden Wachstumsaussichten gegen höhere Anleiherenditen und geopolitische Risiken ab. Das KI-Narrativ, das die Märkte 2025 geprägt hat, dürfte auch 2026 eine dominierende Rolle spielen. Investoren richten ihren Blick dabei zunehmend darauf, wo sich die tatsächliche Nutzung von KI in steigende Unternehmensgewinne übersetzen lässt. Wir haben fünf Signale identifiziert, die hierfür Hinweise liefern.

Europas Wachstumsaussichten: Eine allmähliche Erholung, kein Boom

Nach mehreren Jahren schwachen und uneinheitlichen Wachstums – mit einem EU-27-Wachstum von rund 1 % im Jahr 2024 und nur einer allmählichen Erholung im Verlauf von 2025 angesichts von Energieschocks, hoher Inflation, straffer Geldpolitik und US-Zollspannungen – geht Europa mit einem stabileren, wenn auch weiterhin verhaltenen Wachstumsausblick in das Jahr 2026.

Die Europäische Kommission erwartet, dass das reale Bruttoinlandsprodukt in der EU 2026 um 1,4 % und 2027 um 1,5 % wächst. Für den Euroraum wird ein ähnlicher, leicht niedrigerer Pfad prognostiziert, getragen vor allem von privatem Konsum und Investitionen. Große Mitgliedstaaten wie Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien dürften allesamt expandieren.

„Das globale Umfeld bleibt herausfordernd, aber ein widerstandsfähiger Arbeitsmarkt, eine steigende Kaufkraft und günstige Finanzierungsbedingungen dürften ein moderates Wirtschaftswachstum unterstützen“, erklärte die EU in ihrer Herbstprognose.

Die Fiskalpolitik und die Nachfrage der privaten Haushalte entwickeln sich zu wichtigen Wachstumstreibern für Europa im Jahr 2026, da die politischen Entscheidungsträger zunehmend erkennen, dass die Nachfrage eher aus dem Binnenmarkt als aus dem Export kommen muss. Eine moderate Lockerung der Fiskalpolitik im Euroraum – angeführt von Deutschlands expansiven Haushaltsplänen, darunter höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur – dürfte die Binnenkonjunktur stützen, während die nachlassende Inflation und steigende Löhne voraussichtlich die Realeinkommen anheben und die Konsumausgaben stützen werden.

Europäische Aktien: Worauf Anleger achten sollten

Die europäischen Aktienmärkte starten unter günstigeren makroökonomischen Rahmenbedingungen in das Jahr 2026. Die Wachstumsaussichten haben sich leicht verbessert, die Inflationsrisiken haben sich nach unten verschoben, und trotz anhaltender Zölle hat die größere Klarheit hinsichtlich der Handelsbedingungen eine wichtige Quelle der Unsicherheit für Anleger beseitigt. Gleichzeitig werden fiskalische Unterstützungsmaßnahmen sichtbarer, da Teile des deutschen Infrastrukturfonds eingesetzt werden sollen und höhere Verteidigungsausgaben in ganz Europa der Industriekonjunktur einen spürbaren Impuls verleihen dürften.

Diese Faktoren tragen dazu bei, zu erklären, warum sich die Bewertungen europäischer Aktien von dem durch die Ankündigung von US-Zöllen im April 2025 ausgelösten Ausverkauf erholt haben. „Die europäischen Märkte werden derzeit mit einem Abschlag von nur 1 % gegenüber unserer Fair Value-Schätzung gehandelt, was ein geringerer Abschlag ist, als der Markt in den letzten zwei Jahren größtenteils verzeichnet hat“, so Michael Field, Chefstratege für europäische Märkte bei Morningstar.

Da europäische Aktien jedoch nur mit einem geringen Abschlag zum fairen Wert gehandelt werden, spiegeln die Bewertungen nun einen Großteil der positiven Nachrichten wider, sodass für Anleger weniger Anreize bestehen, jetzt zu kaufen, fügt er hinzu.

Euro gegenüber US-Dollar: Von unterbewertet zu stabilisierend

Zölle sind nicht die einzigen Herausforderungen, denen sich europäische Exporteure im Jahr 2026 gegenübersehen. Auch Wechselkurse spielen eine Rolle: Ein starker Euro kann Exporteure belasten, indem er ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt und den Umrechnungsgewinn aus Übersee-Erträgen schmälert, was Unternehmen mit größerer Ausrichtung auf die Binnennachfrage begünstigt.

Nachdem der Euro im Jahr 2025 von einer Phase der Dollarschwäche profitiert hatte, startet er laut der Währungsanalyse von Morningstar mit einem Kurs von rund 1,16 gegenüber dem Dollar in das Jahr 2026 und liegt damit deutlich unter seinem langfristigen fairen Wert von 1,20. Während eines Großteils des letzten Jahrzehnts wurde die Gemeinschaftswährung deutlich unter ihrem fairen Wert gegenüber dem US-Dollar gehandelt, belastet durch geldpolitische Divergenzen und Bedenken hinsichtlich des Zusammenhalts der Währungsunion.

„Obwohl die Eurozone mit eigenen strukturellen Herausforderungen konfrontiert ist, tragen die relative Stabilität der Währung, die institutionelle Glaubwürdigkeit und die Stärke der Außenbilanz dazu bei, dass ihr Anteil an den weltweiten Portfolioallokationsentscheidungen zunimmt“, erklärt Michael Diamantopoulos, stellvertretender Director für festverzinsliche Wertpapiere und Währungen bei Morningstar. „Trotz seiner Aufwertung im Jahr 2025 deuten unsere Bewertungskennzahlen darauf hin, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar weiterhin moderat unterbewertet ist.“

Zukünftige Entwicklungen werden laut Morningstars „EUR Conviction Update“ weniger von Bewertungsaufholungen als vielmehr von makroökonomischen und politischen Dynamiken bestimmt werden. Die Glaubwürdigkeit der EZB bleibt relativ stark. Die Glaubwürdigkeit der EZB bleibt relativ stark. Die Inflation ist wieder in Richtung Zielwert zurückgegangen und der Zinsunterschied zur Federal Reserve ist weniger ausgeprägt, was die Abwärtsrisiken für die Währung verringert.

Gleichzeitig unterstützt die fiskalische Expansion Deutschlands das Binnenwachstum, führt aber auch zu einer erhöhten Emission von Staatsanleihen, wodurch die Renditen auf einem hohen Niveau bleiben. Während die Außenbilanz des Euroraums weiterhin solide ist, stellen die zunehmende Fragmentierung des Handels und höhere US-Zölle Risiken dar, sodass Kapitalzuflüsse in produktive Investitionen laut dem Bericht ein entscheidender Faktor für die Aufrechterhaltung der Widerstandsfähigkeit der Währung im Jahr 2026 sind.

Für europäische Anleger führt ein stärkerer Euro dazu, dass neue Dollar-Investitionen günstiger werden, jedoch verringert sich auch die Rendite in Euro aus bestehenden Dollar-Engagements.

Lässt Europa die Energiekrise langsam hinter sich?

Vor dem Hintergrund eines sich stabilisierenden makroökonomischen Umfelds verlagert der Energiesektor seinen Fokus von Krisenbewältigung im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine auf eine langfristige Transformation. Russland war vor den Sanktionen nach seiner vollständigen Invasion der Ukraine ein Hauptlieferant von Pipelinegas nach Europa.

Die Erdgaspreise sind gegenüber ihren Höchstständen im Jahr 2022 deutlich gesunken. Der Markt ist derzeit durch ein reichliches Angebot, eine gedämpfte kurzfristige Nachfrage und das Ausbleiben größerer Störungen geprägt, auch wenn die kurzfristigen Notierungen weiterhin empfindlich auf Wetterbedingungen und geopolitische Entwicklungen reagieren.

Die kontinentaleurooäische TTF-Referenzkontrakte wurden Anfang Januar bei etwas unter 30 Euro pro Megawattstunde gehandelt, dem niedrigsten Stand seit Frühjahr 2024. Obwohl die Lagerbestände niedriger sind als in den Vorjahren, „sichern Flüssigerdgas-Importe als auch Pipeline-Lieferungen – insbesondere aus Norwegen –die Versorgung“, erklärt Josephine Steppat, Analystin beim Energieinformationsdienstleister Montel. „Derzeit sehen wir keine Anzeichen für strukturelle Engpässe, solange keine unerwarteten geopolitischen Störungen oder extreme Kälte auftreten.“ Der Wettbewerb mit asiatischen Ländern um LNG könnte die Preise möglicherweise in die Höhe treiben, insbesondere wenn die Temperaturen stark fallen und die Lagerbestände weiter sinken, fügt sie hinzu.

Strategisch gesehen sei die Entscheidung der EU, die russischen Gasimporte bis November 2027 auslaufen zu lassen, von entscheidender Bedeutung, fügt sie hinzu. „Vor diesem Hintergrund wird insbesondere US-amerikanisches LNG eine der zentralen Importquellen für Europa sein und wir sehen auch schon jetzt ein Anstieg der Handelsvolumina von amerikanischen LNG. Entsprechend wird der globale LNG-Marktpreis maßgeblich immer mehr europäischen Erdgaspreis bestimmen.“

Künstliche Intelligenz und Strombedarf in Europa: Was das Jahr 2026 für Investoren bedeutet

Trotz steigender Nachfrage scheint die Stromversorgung auch in diesem Winter und in den kommenden Jahren ausreichend zu sein, ergänzt Steppat von Montel. Obwohl der Strombedarf in den nächsten Jahrzehnten unter anderem aufgrund der Anforderungen der KI steigen wird, rechnet Montel nicht mit strukturellen Stromengpässen.

Die durchschnittlichen Strompreise in Europa werden voraussichtlich im Jahr 2026 sinken, so Steppat von Montel. „In der kurzen Frist sehen wir in Europa eher eine Tendenz zu fallenden Strompreisen. Das liegt vor allem an sinkenden Gaspreisen, die sich auch für das kommende Jahr am Terminmarkt abzeichnen. Da Strompreise in Europa stark von den Gaspreisen beeinflusst werden, sorgt diese Entwicklung für eine gewisse Entspannung.“

Allerdings bestehen weiterhin erhebliche Preisunterschiede zwischen den europäischen Ländern. Während die Großhandelspreise in Südosteuropa vergleichsweise hoch sind, weisen die nordischen Länder und die Iberische Halbinsel niedrigere durchschnittliche Jahrespreise auf. Unterschiedliche Steuern und Netzentgelte erschweren die Situation für industrielle Nutzer zusätzlich. Einige Länder mit hohen Preisen, darunter Italien und Deutschland, subventionieren die Strompreise für Industriekunden oder planen dies für 2026, vorbehaltlich der Genehmigung durch die Europäische Kommission.

„Insgesamt erwarten wir keine strukturellen Engpässe in der europäischen Stromversorgung. Auf Basis der staatlichen Ausbauziele sollten europaweit ausreichend Erzeugungskapazitäten geschaffen werden, um auch die zusätzliche Nachfrage durch KI zu decken“, erklärt Steppat. Voraussetzung dafür ist ein flexibleres System mit Speichern, die Überschüsse aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben können, sowie eine Nachfrage, die sich an die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Energien anpassen kann.

In diesem Jahr wird der Strombedarf in der EU-27 sowie in Norwegen, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich voraussichtlich um etwa 7 % gegenüber 2025 steigen, mit Wachstumsraten von durchschnittlich 2,8 % für die nächsten 15 Jahre.

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