Die wichtigsten Erkenntnisse
- Eine anhaltende Outperformance von Fonds gibt es zwar, sie ist jedoch selten und oft mit Risiken verbunden.
- Von den Fonds, die in einem Jahr unter den besten 20 Prozent liegen, kann im Folgejahr nur ein Viertel die Position behaupten. Fast genauso viele fallen in den hinteren Bereich zurück oder verschwinden sogar ganz.
- Die Wertentwicklung in der Vergangenheit scheint hilfreicher zu sein, um Fonds zu identifizieren, die auch weiterhin schwach abschneiden könnten.
Anleger stützen sich bei der Auswahl von Fonds häufig auf die Wertentwicklung in der Vergangenheit. Starke historische Renditen lassen sich leicht vergleichen und werden in Rankings, Empfehlungen und den Finanzmedien häufig hervorgehoben. Infolgedessen finden Fonds, die ihre Mitbewerber übertroffen haben, oft größeres Interesse bei Anlegern, da ihre Erfolgsbilanz gemeinhin als Zeichen für Qualität oder die Kompetenz des Fondsmanagements gewertet wird.
Die wichtige Frage ist jedoch, ob sich vergangene Ergebnisse tendenziell fortsetzen. Unsere Untersuchung von in Europa ansässigen Aktien- und Rentenfonds im Zeitraum von 2010 bis 2025 zeigt, dass eine starke Wertentwicklung nur schwer aufrechtzuerhalten ist. Fonds, die in einem Jahr an der Spitze ihrer Kategorie rangierten, hatten nur eine begrenzte Chance, diese Position im folgenden Jahr zu halten. Viele fielen wieder in den Mittelfeldbereich zurück, einige sogar auf die hinteren Plätze.
Hohe Renditen in der jüngsten Vergangenheit können zwar ein nützlicher Ausgangspunkt für die Analyse sein, reichen jedoch für sich genommen nur selten als Entscheidungskriterium für eine Anlage aus. Wie die nachstehende Tabelle zeigt, blieben von den Fonds, die in einem Jahr zum obersten Quintil gehörten, nur 25,0 Prozent auch im folgenden Jahr dort, während fast der gleiche Anteil — nämlich 24,6 Prozent — entweder in das unterste Quintil abrutschte oder durch eine Fusion beziehungsweise Liquidation vom Markt verschwand.
Persistenz-Scorecard: Einjährige Persistenz aktiv verwalteter Fonds
Auf der Abwärtsseite ist das Signal deutlicher: Fonds mit den schlechtesten Platzierungen blieben eher schwach oder verschwanden vom Markt, anstatt sich nennenswert zu erholen: 34,9 Prozent verharrten im untersten Quintil oder wurden fusioniert bzw. aufgelöst, während nur 17,8 Prozent in das oberste Quintil aufstiegen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit scheint daher eher dazu geeignet zu sein, Fonds zu identifizieren, die weiterhin Schwierigkeiten haben könnten, als aktuelle Gewinner zu finden, die auch weiterhin erfolgreich sein werden.
Ein Grund dafür, dass eine starke Performance schwer wiederholbar ist, liegt darin, dass sie nicht ausschließlich auf das Können des Fondsmanagers zurückzuführen ist. Bei Aktienfonds ist sie eng mit dem Momentum am Markt verbunden. Die Nachhaltigkeit des Erfolgs steigt bei aktiven Aktienfonds tendenziell an, wenn die Momentum-Renditen stark sind. Fonds, die auf aktuelle Gewinner ausgerichtet sind, profitieren davon, wenn sich deren Marktführerschaft fortsetzt, denn dann wird es wahrscheinlicher, dass sie weiterhin zu den Top-Performern zählen. Das gleiche Engagement kann jedoch zu einem Hemmnis werden, wenn sich das Momentum umkehrt, insbesondere in volatilen Märkten. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der offensichtlichen Nachhaltigkeit des Erfolgs eher auf Risikosteuerung zurückzuführen ist als auf eine durchweg überlegene Aktienauswahl.
Sollte die bisherige Wertentwicklung allein nicht ausreichen, so sind die Gebühren laut unserer Studie ein wichtiges Kritierium für die Fondsauswahl. Kostengünstigere Fonds haben bessere Chancen, sich im oberen Bereich zu halten, während Fonds mit höheren Kosten eher im unteren Bereich verbleiben.
Beständigkeit der Wertentwicklung aktiver Fonds über verschiedene Zeithorizonte hinweg
Niedrige Gebühren bieten Vorteil
Bei den kostengünstigen Fonds verbleiben 25,9 Prozent im obersten Quintil, gegenüber nur 18,1 Prozent bei den teuren Fonds. Am unteren Ende ist die Kluft sogar noch größer: 41,4 Prozent der teuren Fonds verbleiben im untersten Quintil oder werden zusammengelegt bzw. aufgelöst, verglichen mit 29,2 Prozent der kostengünstigen Fonds. Insgesamt garantieren niedrigere Gebühren zwar keinen Erfolg, verschaffen den Fonds jedoch einen bedeutenden Vorteil. Höhere Gebühren stellen eine Hürde dar, die Jahr für Jahr überwunden werden muss.
Eine Reihe weiterer Fondsmerkmale steht ebenfalls im Zusammenhang mit der Beständigkeit der Wertentwicklung. Kleinere Fonds sowie solche, bei denen Mittelabflüsse zu verzeichnen sind, weisen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine anhaltende Schwäche auf. Auch die Wettbewerbsdynamik scheint eine Rolle zu spielen: In Kategorien, in denen der Druck durch aktive Fondsmanager größer ist oder in denen kostengünstige passive Alternativen leicht verfügbar sind, ist es weniger wahrscheinlich, dass sich Performancevorteile dauerhaft halten. Das Morningstar Rating hilft ebenfalls dabei, Fonds zu identifizieren, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer anhaltend starken Wertentwicklung höher ist.
Anleger sollten sich also nicht in den Irrglauben verfallen, dass die Gewinner der jüngsten Vergangenheit auch weiterhin erfolgreich sein werden. Eine anhaltende Outperformance gibt es zwar, doch ist sie selten und oft mit Risiken verbunden. Eine schlechte Wertentwicklung, hohe Gebühren und ein zunehmend wettbewerbsintensives Umfeld sind zuverlässigere Warnsignale als die jüngsten Renditen: Stärker berücksichtigen sollten Anleger deshalb Kosten, Risiken und den Anlageprozess sowie die Frage, wie die Wertentwicklung der Vergangenheit erklärt werden kann.
Dieser Artikel stammt aus dem Morningstar-Bericht „Persistence in European Mutual Fund Performance”

