Wichtige Erkenntnisse
- KI wird vermutlich zu erheblichen Veränderungen in der Asset-Management-Branche führen, sagen Portfoliomanager.
- Fondsmanager setzen im Research und in den täglichen Entscheidungsprozessen bereits KI-Tools ein.
- Eine Umfrage von Morningstar zeigt aber, dass eine flächendeckende Einführung in der Branche noch in weiter Ferne liegt.
Die Debatte um aktive versus passive Investments spaltet die Asset-Management-Branche seit langem. Jetzt könnten rasante Fortschritte im KI-Bereich die Grenzen zwischen diesen beiden Welten bald aufheben. Im Tagesgeschäft erleichtert KI-gestützte Technologie den Vermögensverwaltern bereits heute die Arbeit, so die Experten, indem sie Arbeitsabläufe und Reserarch-Möglichkeiten verbessert.
Kurt Kara, Leiter Global Value Equities beim dänischen Asset Manager Maj Invest, sieht eine Zukunft voraus, in der große, indexähnliche Aktienfonds aktiv durch KI verwaltet werden, wodurch die Welt der Indizes und die des aktiven Managements zusammengeführt werden. Dies bedeutet weniger „menschliche Eingriffe“, wobei beispielsweise ein einziger Fondsmanager mithilfe von KI 100 aktive Fonds steuert. Das werde unweigerlich zu erheblichen Disruptionen in der Branche führen, so Kara.
„Das wird eine Herausforderung sein […] viele Fondsmanager werden ihren Arbeitsplatz verlieren“, sagte er bei der Morningstar Global Insights-Veranstaltung in Kopenhagen.
Wie Fondsmanager KI zur Analyse von Aktien einsetzen
Einige aktive Asset Manager passen sich bereits dem KI-Wandel an. Wie große Sprachmodelle (LLMs), wie sie etwa von OpenAI und Anthropic bekannt gemacht wurden, greifen Finanzmodelle auf Daten zurück, um wahrscheinliche Anlageergebnisse und -chancen zu modellieren. Kara erklärte, die Modelle seien „enorm hilfreich“ beim Entdecken neuer Ideen und der Erstellung von Prognosen zu Aktienbewertungen.
Für Maj Invest ist es der logische nächste Schritt. Seit 2004 wendet der von Kara mitverwaltete Fonds „Maj Invest Global Value Equities“ ein hauseigenes quantitatives Modell an, um die fundamentale Analyse zu steuern. Das Modell filtert das Anlageuniversum anhand von Schlüsselkennzahlen wie Rentabilität, Renditepotenzial, Bilanzqualität und Bewertung, bevor es dem Team eine Auswahlliste mit rund 100 Titeln zur weiteren Prüfung vorlegt.
„Wir waren schon immer extrem starke Nutzer von Rechenleistung. Ich verfeinere den Prozess, anstatt ihn zu ändern“, sagte Kara über seinen neuen, KI-gestützten Prozess, der sich durch ein Netzwerk von Agenten auszeichnet, die unter einem zentralen System arbeiten, um Aktienanalysen durchzuführen. „Es ist, als würde eine Person für Sie arbeiten, und diese Person erschafft Unteragenten, die wiederum für diese Person arbeiten.“
Auch das skandinavische Finanzberatungsunternehmen Max Matthiessen nutzt KI für die Anlageanalyse. „Die Datenanalyse […] ist ungemein leistungsfähig geworden. Man erreicht mehr mit weniger Personal. Ich halte das für einen enormen Vorteil“, erklärte Geschäftsführer Sebastian Siegl bei einer separaten Morningstar-Podiumsdiskussion in Stockholm. Er fügte jedoch hinzu, dass KI-gesteuerte Anlageentscheidungen noch in weiter Ferne liegen. „Offene Fragen wie ‚Finden Sie mir die interessantesten Aktien‘ – ich glaube nicht, dass wir schon so weit sind.“
Anwendung von KI befindet sich noch in einer Frühphase
Untersuchungen deuten darauf hin, dass KI zwar den aktiven Asset-Management-Prozess unterstützt, die umfassende Anwendung jedoch weit weniger fortgeschritten ist, als die Rhetorik der Branche vermuten lässt. Eine aktuelle Morningstar-Studie, die weltweit 3.200 bewertete Strategien untersuchte, ergab, dass sich eine sinnvolle KI-Integration auf weniger als 20 Unternehmen konzentrierte – vorwiegend solche mit einer seit langem etablierten quantitativen oder systematischen Infrastruktur, wie BlackRock, AQR und Goldman Sachs. Für Kenneth Lamont, Leiter Manager Research EMEA bei Morningstar, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Aussagen und die Realität des KI-Einsatzes „etwas auseinanderliegen".
Kann KI Anlegern höhere Renditen bescheren?
Maggie Stafford, Director Produktmanagement bei Morningstar Indexes, erklärt, dass die aktuelle Entwicklungswelle in der Branche bereits eingetreten ist und sich darin widerspiegelt, wie Fondsmanager ihre Portfoliostrategien gestalten.
„Wir werden beobachten, wie sich der Trend hin zu passiven, systematischen und quantitativen Anlagestrategien durch die Entwicklungen im KI-Bereich weiter beschleunigt. Ich glaube, dass diejenigen Unternehmen die Nase vorn haben werden, die KI nutzen, um ihre Kernkompetenzen noch stärker auszubauen“, sagt Stafford.
Es ist möglicherweise noch zu früh, um zu sagen, ob KI überdurchschnittliche Renditen erzielen kann Auf die Frage, ob die Technologie ihn zu einem besseren Investor gemacht habe, antwortete Kara ganz klar: „Auf jeden Fall. Sie bringt einen dazu, die Aktien, die man besitzt, und solche, die man sonst niemals in Betracht ziehen würde, zu hinterfragen“, sagte er. Andere bleiben – zumindest vorerst – vorsichtiger. „KI macht uns effizienter, aber ich denke, in gewisser Weise sind wir eher ein schnelleres Pferd als eine neue Rasse, wenn man bedenkt, wie wir KI zurzeit einsetzen“, sagte Siegl von Max Matthiessen.

