Die wichtigsten Erkenntnisse
- Die Zuflüsse in europäische ETFs sind im März auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr gesunken, da der Iran-Konflikt die Stimmung trübt und Anleger dazu veranlasst, auf Bargeld zu setzen.
- Die Kapitalzuflüsse in Aktien-ETFs verlangsamten sich insgesamt deutlich. Energie-ETFs sahen aufgrund der Schwankungen des Ölpreises starke Zuflüsse, während Finanzwerte Rekordabflüsse hinnehmen mussten.
- Bei Anleihen-ETFs kam es zu Abflüssen, während aktive ETFs und inflationsgebundene Strategien als seltene Lichtblicke hervorstachen.
Die europäischen ETF-Anleger zogen sich im März deutlich zurück, denn der Krieg im Nahen Osten belastete die Marktstimmung stark. Nach zwei außergewöhnlich starken Monaten mit einem durchschnittlichen monatlichen Zufluss von 46 Milliarden Euro verlangsamten sich die Zuflüsse in europäische ETFs und ETCs drastisch auf 9,4 Milliarden Euro – den niedrigsten Stand seit April 2024, dem Monat nach der Ankündigung umfassender US-Zölle. Die Anleger entschieden sich eindeutig dafür, Bargeld zu horten, anstatt Kapital zu investieren.
Trotz des abrupten Rückgangs war das Gesamtbild zu Jahresbeginn robust. Die Gesamtzuflüsse im ersten Quartal erreichten einen Rekordwert von 101,7 Milliarden Euro, was die starke Nachfrage nach ETFs zu Beginn des Jahres unterstreicht.
Kapitalzuflüsse in Aktien-ETFs schwächeln - Krieg prägt Präferenzen für Sektoren
Aktien-ETFs verzeichneten im März Zuflüsse in Höhe von 8,8 Milliarden Euro, was nur einen Bruchteil der Zuflüsse der Vormonate ausmachte. Engagements in Large-Cap-Aktien aus Industrieländern – insbesondere globale, auf die Eurozone ausgerichtete und US-amerikanische Strategien – stießen weiterhin auf Interesse, was die Präferenz für Liquidität und Größe widerspiegelte.
Auf Sektorebene zeigten sich jedoch die direkten Auswirkungen des Krieges auf die Anlagepräferenzen. ETFs des Energiesektors stachen als Hauptnutznießer hervor und verzeichneten im März Nettozuflüsse in Höhe von 1,7 Mrd. EUR. Steigende Ölpreise und Sorgen über Versorgungsengpässe trieben die Nachfrage an.
Im Gegensatz dazu verzeichneten ETFs für Finanzdienstleistungen Abflüsse in Höhe von 3,7 Mrd. EUR, was das schlechteste Monatsergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen für diese Kategorie darstellt. Die wachsenden Befürchtungen einer Stagflation – also eines geringen Wirtschaftswachstums, vielleicht sogar einer Rezession, in Verbindung mit hoher Inflation – belasteten Finanzwerte erheblich.
Flows by Broad Asset Class for the European ETF and ETC Market
Anleihe-ETFs verzeichnen Mittelabflüsse
Anleihe-ETFs verzeichneten im März eine Trendwende und verzeichneten Nettoabflüsse in Höhe von 2,4 Milliarden Euro, nachdem im Februar noch Zuflüsse von 5,2 Milliarden Euro zu verzeichnen waren. Das letzte Mal, dass es zu monatlichen Abflüssen in ähnlicher Größenordnung kam, war im Jahr 2022, ebenfalls im Zusammenhang mit einem Krieg, nämlich dem zwischen Russland und der Ukraine. Wie damals spiegelt dies die Besorgnis der Anleger hinsichtlich Inflations- und Rezessionsrisiken wider.
Anleihefonds, sowohl solche mit Investment-Grade-Rating als auch Hochzinsanleihen, verzeichneten die stärksten Abflüsse. Auch bei Anleihe-ETFs aus Schwellenländern – sowohl bei Strategien in Hartwährung als auch in Landeswährung – stiegen Anleger nach einer starken Performance im vergangenen Jahr angesichts zunehmender Risikoscheu aus ihren Positionen aus.
ETFs auf Anleihen EUR inflationsgesichert bildeten eine bemerkenswerte Ausnahme. Nachdem sie in den vergangenen drei Jahren weitgehend aus dem Blickfeld geraten waren, flossen im März angesichts des steigenden Risikos einer anhaltenden Phase hoher Inflation 388 Millionen Euro in diese Anlagen.
Fallende Märkte belasten das ETF-Vermögen
Die Marktschwäche verstärkte die Auswirkungen der verhaltenen Kapitalzuflüsse. Das verwaltete Vermögen in europäischen ETFs und ETCs sank im März auf 2,80 Billionen Euro, nach 2,95 Billionen Euro im Februar. Dieser Rückgang war fast ausschließlich auf Kursverluste an den globalen Aktien- und Anleihemärkten zurückzuführen. Auch bei Produkten für reale Vermögenswerte, insbesondere bei Rohstoffen, war ein Rückgang des verwalteten Vermögens zu verzeichnen, da Anleger weiterhin aus Edelmetallen, vor allem aus Gold, ausstiegen.
Assets Under Management by Broad Asset Class for the European ETF and ETC Market
Aktive ETFs gewinnen weiter an Bedeutung
Aktive ETFs stellten inmitten der allgemeinen Konjunkturabschwächung einen Lichtblick dar. Sie verzeichneten im März Zuflüsse in Höhe von 2,4 Mrd. EUR, was rund 25 % der gesamten ETF-Zuflüsse ausmachte – ein bemerkenswert hoher Anteil angesichts der insgesamt geringen Zuflüsse in den ETF-Markt in diesem Monat. Betrachtet man die Quartalsdaten, so machten die Zuflüsse in aktive ETFs rund 7,2 % der gesamten Zuflüsse in den europäischen ETF-Markt aus, was in etwa dem Durchschnitt von 7,4 % für das Jahr 2025 entspricht. Mit einem Vermögen von 85,7 Mrd. EUR machen aktive ETFs nun 3,1 % des europäischen ETF-Marktes aus und setzen damit ihre schrittweise Expansion fort.
Ein vorsichtiger Ausblick
Der März markierte einen Wendepunkt für die europäischen ETF-Märkte, da sich die Anleger angesichts zunehmender geopolitischer und makroökonomischer Risiken zurückzogen. Zwar schloss das erste Quartal mit Rekordzuflüssen ab, doch die starke Abschwächung im März verdeutlicht, wie schnell sich die Stimmung ändern kann.
Kurzfristig dürften die ETF-Kapitalflüsse weiterhin stark von der Entwicklung der Energiepreise, den Inflationstrends und den sich wandelnden geopolitischen Rahmenbedingungen beeinflusst werden.

