Die wichtigsten Erkenntnisse
- ETFs mit geringer Volatilität (Smart-Beta-ETFs) zielen darauf ab, das Verlustrisiko zu verringern und gleichzeitig das Aktienengagement beizubehalten.
- Diese Strategien schneiden in Bärenmärkten tendenziell besser ab, können jedoch in starken Bullenmärkten hinterherhinken.
- Die Marktvolatilität hat angesichts der geopolitischen Spannungen stark zugenommen, was Anleger dazu veranlasst, auf defensive Strategien zu setzen.
In Zeiten erhöhter Marktturbulenzen stehen Anleger oft vor einer schwierigen Abwägung: entweder Risiko reduzieren oder investiert bleiben. Strategische Beta-ETFs, die sich auf Strategien mit geringer Volatilität konzentrieren, zielen darauf ab, diese Lücke zu schließen, indem sie ein Aktienengagement mit geringeren Schwankungen bieten. Vier solcher ETFs, darunter zwei von iShares, wurden von Morningstar mit Medalist Ratings in Gold oder Silber ausgezeichnet.
Der Ausbruch des Krieges im Iran verursachte einen der stärksten Anstiege der Marktvolatilität der letzten Jahre, wobei die Energiemärkte als wichtigster Übertragungskanal auf globale Vermögenswerte fungieren.
Die Aktienmärkte haben schnell reagiert. Bereits im März waren die wichtigsten Indizes in den Korrekturbereich gerutscht: Im letzten Monat fiel der Morningstar Global Markets Index um mehr als 7 %, der Morningstar US Market Index um 5 % und der Morningstar Europe Index um fast 10 %.
Für Anleger führte das zu einer raschen – und oft schmerzhaften – Neubewertung von Risiken über alle Anlageklassen hinweg, was eine Neubewertung der Portfoliostrategie erforderlich macht. Vor diesem Hintergrund könnten Anleger, die die Volatilität ihres Portfolios verringern möchten, ohne sich vollständig aus dem Markt zurückzuziehen, strategische Beta-ETFs mit geringer Volatilität in Betracht ziehen.
Was ist strategisches Beta?
Strategisches Beta, auch als Smart Beta bekannt, nimmt eine Position zwischen passivem und aktivem Investieren ein. Diese Strategien bilden regelbasierte Indizes ab, die von der traditionellen Gewichtung nach Marktkapitalisierung abweichen, um die risikobereinigten Renditen zu verbessern.
ETFs mit geringer Volatilität sind eine Form des strategischen Beta-Investierens. Sie wählen in der Regel Aktien mit historisch geringeren Kursschwankungen aus und zielen darauf ab, aktienähnliche Renditen bei geringerem Verlustrisiko zu erzielen.
Diese Strategien konzentrieren sich in der Regel auf Unternehmen höherer Qualität: Unternehmen mit stabilen Erträgen, geringer Verschuldung und besser vorhersehbaren Geschäftsmodellen. Das führt häufig zu einer natürlichen Ausrichtung auf defensive Sektoren wie Versorger, Gesundheitswesen und Basiskonsumgüter.
Dies hat jedoch auch seine Kehrseite. Strategien mit geringer Volatilität sind in der Regel antizyklisch: Sie halten sich in Marktabschwüngen tendenziell besser, können jedoch in starken Haussephasen hinterherhinken, wenn risikoreichere Aktien die Aufwärtsbewegung anführen.
4 ETFs mit geringer Volatilität
Nachfolgend finden Sie die vier von Morningstar am besten bewerteten Aktien-ETFs mit geringer Volatilität, die jeweils einen unterschiedlichen geografischen Schwerpunkt haben: Europa, globale Märkte, USA und Schwellenländer. Ein positives Morningstar Medalist Rating bedeutet, dass die Morningstar-Analysten davon ausgehen, dass ein Fonds langfristig die größten Chancen hat, seine Kategorie zu übertreffen.
State Street SPDR EURO STOXX Low Volatility UCITS ETF ELOW
- Morningstar-Kategorie: Aktien Euroland Standardwerte
- Morningstar Medalist Rating: Gold
- Laufende Kosten: 0,30 %
Der mit 32,7 Mio. EUR ausgestattete State Street SPDR EURO STOXX Low Volatility UCITS ETF verlor im März 5,4 %. Dennoch übertraf der Fonds den Morningstar Developed Eurozone Target Market Exposure Index um 3,11 Prozentpunkte. Laut einer Morningstar-Analyse sticht der Anlageansatz der Strategie heraus und erhält ein „Above Average”-Process Pillar Rating. Der Fonds hält tendenziell kleinere, stärker wertorientierte Unternehmen als der Durchschnitt seiner Mitbewerber in der Morningstar-Kategorie „Aktien Euroland Standardwerte“. Das Portfolio ist im Vergleich zum Kategoriedurchschnitt in den Sektoren Versorger und Immobilien um 10,4 bzw. 8,2 Prozentpunkte übergewichtet. Demgegenüber stehen die Sektoren Technologie und Finanzdienstleistungen, die im Vergleich zu den Mitbewerbern der Kategorie ein geringes Exposure aufweisen und gegenüber dem Durchschnitt um 13,6 bzw. 6,0 Prozentpunkte untergewichtet sind.
Xtrackers MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF XDEB
- Morningstar-Kategorie: Aktien weltweit Standardwerte Blend
- Morningstar Medalist Rating: Silver
- Laufende Kosten: 0,25 %
Der 680,3 Mio. EUR große Xtrackers MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF verlor im März 2,88 %. Der Fonds übertraf den Morningstar Global Target Market Exposure Index um 2,07 Prozentpunkte. Das Portfolio wird durch die Optimierung des Basisindexes MSCI World erstellt, um das absolute Risiko innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen zu minimieren; hierfür kommt der Barra Optimizer zum Einsatz. Es umfasst rund 270 Aktien, die etwa 20 % des MSCI World-Universums repräsentieren. Im Einklang mit einem Low Volatility-Ansatz gewichtet der Fonds zyklische Sektoren unterdurchschnittlich und legt den Schwerpunkt auf defensive Sektoren. Auf Länderebene ist er im Vergleich sowohl zum Mutterindex als auch zum Kategoriedurchschnitt deutlich in Japan und der Schweiz übergewichtet. Zudem bevorzugt er Large- und Mid-Cap-Aktien gegenüber Giant-Cap-Aktien.
iShares Edge S&P 500 Minimum Volatility UCITS ETF MVUS
- Morningstar-Kategorie: Aktien USA Standardwerte Blend
- Morningstar Medalist Rating: Silver
- Laufende Kosten: 0,20 %
Der 1,5 Mrd. EUR schwere iShares Edge S&P 500 Minimum Volatility UCITS ETF verlor im März 3,05 %. Der Fonds verzeichnete damit einen stärkeren Rückgang als der Morningstar US Large-Mid Cap Index, und zwar um 0,44 Prozentpunkte. Der S&P 500 Minimum Volatility Index zielt darauf ab, das Portfolio mit der geringsten Volatilität aus Aktien des S&P 500 zusammenzustellen. Zu diesem Zweck unterliegt er mehreren Einschränkungen, die die Diversifizierung verbessern, jedoch seine Stilreinheit verringern können. Das Portfolio des S&P 500 Minimum Volatility Index ist deutlich kleiner als das seines Mutterindexes. Es besteht aus rund 80 Aktien (im Vergleich zu den 500 Aktien im Mutterindex), wobei die zehn größten Positionen etwa 30 % der Gesamtgewichtung ausmachen.
iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility UCITS ETF USD (thesaurierend) EMV
- Morningstar-Kategorie: Aktien Schwellenländer weltweit
- Morningstar Medalist Rating: Silver
- Laufende Kosten: 0,40 %
Der iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility UCITS ETF USD (Acc) mit einem Volumen von 276,8 Mio. EUR verlor im März 6,69 %. Der Fonds übertraf den Morningstar Emerging Markets Target Market Exposure Index um 4,15 Prozentpunkte. Der MSCI Emerging Markets Minimum Volatility Index, den dieser Fonds vollständig nachbildet, folgt einem strengen Regelwerk. Er nutzt einen Optimierer, um aus dem MSCI Emerging Markets Index – einer breiten Zusammenstellung von Large- und Mid-Cap-Aktien aus Schwellenländern – ein defensives Portfolio zusammenzustellen. Bislang hat der Index seine Ziele erreicht. Seine Renditen waren in den letzten 10 Jahren rund 25 % weniger volatil als die des MSCI Emerging Markets Index. Der Fonds konzentriert sich so weit wie möglich auf defensive Sektoren. Aktien aus den Bereichen Gesundheitswesen, defensiver Konsum und Kommunikation stoßen nach Neugewichtungen normalerweise an die maximal zulässige Übergewichtung von 5 %, doch diese Gewichtsverschiebungen sind zu gering, um die indexrelative Performance zu bestimmen. Die Kontrolle dieser Risikoquellen gewährleistet den Fokus auf geringe Volatilität.

