Rheinmetall, Leonardo, BAE: Wann drehen Rüstungsaktien wieder?

Der europäische Luftfahrt- und Verteidigungssektor erholt sich im Jahresverlauf von seinem Einbruch, sagen Analysten.

Börsenanzeige mit Pfeilen und Zahlen vor einem grünen Tarnmuster, überlagert von einer weißen, nach oben verlaufenden Linie und einem Pfeil.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Europäische Verteidigungsaktien verloren 2026 an Attraktivität, nachdem sie zuvor aufgrund von Verteidigungsausgaben auf Rekordniveau einen Höhenflug erlebt hatten.
  • Analysten gehen davon aus, dass die Marktstimmung im weiteren Jahresverlauf ins Positive dreht, bevor sie 2027 deutlich anzieht.
  • Allerdings raten sie zur Selektivität, wobei Rheinmetall, BAE und Leonardo bei den aktuellen Bewertungen zu den bevorzugten Titeln zählen.

Nach den umfassenden Kursrückgängen in diesem Jahr bieten die europäischen Verteidigungsaktien nach Ansicht von Analysten bei den aktuellen Bewertungen einen attraktiven Einstiegspunkt – eine überzeugende Erholung findet jedoch nicht vor Jahresende statt.

Die Rüstungsunternehmen Europas haben 2026 bislang Schwierigkeiten, an die Dynamik der letzten Jahre anzuknüpfen, während die Investoren sie zunehmend kritisch unter die Lupe nehmen. Deutsche Branchenfavoriten wie Rheinmetall (RHM) und Renk (RENK) büßten inzwischen bis zu 50 Prozent gegenüber ihren Höchstständen im Jahr 2025 ein, während das italienische Unternehmen Leonardo (LDO), Thales (HO) aus Frankreich und das britische Unternehmen BAE (BAE) allesamt rund 20 Prozent nachgegeben haben – und das, obwohl die europäischen Regierungen ihre Verpflichtungen hinsichtlich der Verteidigungsausgaben bekräftigen.

Der jährliche NATO-Gipfel Anfang dieses Monats trug kaum dazu bei, die Erwartungen weiter zu steigern. Trotz neuer Beschaffungspläne und Finanzierungszusagen für die Ukraine konnte sich der kurzfristige Aufschwung nicht halten. Dennoch erklärt Raphael Thuin, Leiter Kapitalmarktstrategien bei Tikehau Capital, dass der Verteidigungssektor nach wie vor ein „Bereich mit starker Überzeugung“ sei, der derzeit einen „sehr guten Einstiegspunkt“ biete.

„Die Bewertungen sind gesunken. Was jedoch ihre fundamentale Entwicklung angeht, ist keinerlei Wendepunkt zu erkennen. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Bei vielen von ihnen ist nach wie vor eine Beschleunigung zu beobachten. Die Nachfrage ist groß. Sie haben vielmehr mit Problemen bei der Umsetzung zu kämpfen“, sagt er.

Europas Verteidigungsaktien verzeichneten einen mehrjährigen Aufschwung, nachdem der Krieg in der Ukraine zu enormen Militärausgaben geführt hatte, mit denen jahrzehntelange Unterfinanzierung, nachlassende Unterstützung durch die USA und ein steigendes Kriegsrisiko ausgeglichen werden sollen. Die Aktien der großen Rüstungskonzerne BAE und Thales legten vom Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 bis Ende 2025 fast 200 Prozent zu, während Leonardo um 630 Prozent stieg und Rheinmetall um satte 1.400 Prozent in die Höhe schoss.

Politische Ausgabenversprechen reichen nicht

„Die Entwicklung der Verteidigungsausgaben hat ihren zyklischen Charakter vollständig abgelegt. Es handelt sich nun um eine strukturelle, über mehrere Jahrzehnte reichende Verpflichtung“, sagt Katy Stoves, Investmentmanagerin bei Mattioli Woods.

Allerdings müssen viele dieser finanziellen Zusagen noch in Aufträge umgesetzt werden, was die Aktienkurse 2026 belastet. Selbst dort, wo es bereits der Fall ist, bleiben Zweifel hinsichtlich der Fähigkeit der Unternehmen, die Aufträge in Auslieferungen umzuwandeln, sodass der Markt nach den jüngsten Gewinnmeldungen der Unternehmen größtenteils unbeeindruckt blieb.

„Beschaffungspläne wurden langsamer als erwartet in feste Bestellungen umgewandelt“, sagt Loredana Muharremi, Aktienanalystin bei Morningstar. „Das belastet den Cashflow, in einigen Fällen die Margen, und das Vertrauen der Anleger.“

Verteidigungswelle hebt nicht alle Boote

Der kürzlich verschobene Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS verdeutlicht die Nervosität am Markt. Der Hersteller der Leopard-2-Kampfpanzer plante, noch in diesem Sommer in Frankfurt und Paris an die Börse zu gehen, doch die Aktionäre beschlossen in diesem Monat, den Börsengang zu verschieben, bis sich die Marktstimmung verbessert hat.

Thuin von Tikehau erklärt, dieser Schritt zeige die derzeitige Skepsis gegenüber dem Thema und merkt an, dass die „steigende Verteidigungswelle möglicherweise nicht alle Boote heben wird“. Stattdessen plädiert er für Selektivität: „Einige dieser Rüstungsunternehmen werden es schaffen, die nächsten Gewinner zu sein. Andere Rüstungsunternehmen werden einen wichtigen Beitrag zur Konsolidierung der Branche leisten. Wir sind jedoch der Ansicht, dass derzeit ein sehr guter Einstiegspunkt ist, um wieder in den Rüstungssektor zu investieren.“

Muharremi von Morningstar nennt das deutsche Unternehmen Rheinmetall als ihre Top-Empfehlung und zwar aufgrund der strukturellen Nachfrage, der Marktpositionierung und der künftigen Ertragsqualität. Zu ihren weiteren bevorzugten Aktien zählen bei den aktuellen Bewertungen BAE und Leonardo, die nach ihrer Aussage beide ein Engagement in Schlüsselbereichen des europäischen Wiederaufrüstungszyklus bieten, nämlich in den Bereichen Luftverteidigung und Elektronik.

Unterdessen weist Stoves von Mattioli Woods darauf hin, dass Rüstungsunternehmen, die in der Lage sind, KI zu integrieren und davon zu profitieren, künftig eine Vorreiterrolle einnehmen. Eine neue Finanzierungsrunde für die KI- und autonome Militärsoftware des deutschen Rüstungs-Start-ups Helsing festigte kürzlich dessen Position als eines der wertvollsten Start-ups Europas und untermauerte damit die Bedeutung einer wachsenden Gruppe nicht börsennotierter Rüstungsunternehmen im KI-Bereich, zu denen unter anderem Quantum Systems und Stark gehören.

„Die für Anleger interessantere Frage betrifft die Zusammensetzung: Wohin fließt das Geld? Die Antwort lautet zunehmend: in die künstliche Intelligenz“, sagt Stove. „Das Zusammenspiel von Verteidigungsbeschaffungen und KI-Investitionen bietet ein klar umrissenes und nachhaltiges Chancenpotenzial für diejenigen, die bereit sind, über die traditionellen Hauptauftragnehmer hinauszuschauen.“

Was die allgemeine Bewertung von Verteidigungsaktien betrifft, so geht Muharremi davon aus, dass sich die Marktstimmung in den nächsten Quartalen wenden dürfte, weil Anleger einen Anstieg der Produktion beobachten und dieser sich in Gewinnen niederschlägt.

„Wir gehen davon aus, dass sich die Stimmung gegen Ende 2026 positiver entwickeln wird, wobei 2027 eine deutlichere Beschleunigung zu erwarten ist“, so Muharremi. „Bis dahin rechnen wir mit einer Beschleunigung der Beschaffungsaktivitäten, insbesondere in Deutschland, wobei Rahmenvereinbarungen zunehmend in feste Verträge umgewandelt werden, während ein Großteil der in den letzten Jahren aufgebauten Kapazitäten in Betrieb genommen wird.“

„Da die Produktion hochgefahren wird und die Fixkosten durch höhere Absatzmengen aufgefangen werden, werden sich Umsatzwachstum, Margen und Cashflow verbessern“, fügt sie hinzu.

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