Die wichtigsten Erkenntnisse
- Analysten zufolge könnte der Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS angesichts politischer Uneinigkeit nicht so bald erfolgen, wie bislang erwartet.
- Der Abverkauf der Aktien des Munitionsherstellers CSG nach dessen Börsengang im Januar, sowie die allgemeine Schwäche bei Rüstungsaktien, werfen zudem Fragen hinsichtlich der Aussichten für einen Börsengang von KNDS auf.
- Laut Medienberichten von Anfang des Jahres bereitete sich KNDS bereits auf eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris im Juni oder Juli vor.
Der mit großer Spannung erwartete Börsengang des deutsch-französischen Rüstungsunternehmens KNDS könnte sich verzögern, so Analysten – einerseits wegen politischer Differenzen und andererseits wegen der jüngsten Schwäche europäischer Verteidigungsaktien.
KNDS, Hersteller von Leopard-2-Panzern und Caesar-Haubitzen, soll sich Berichten zufolge bereits auf einen doppelten Börsengang in Frankfurt und Paris im Juni oder Juli vorbereitet haben. Analysten warnen jedoch, dass die Entscheidung der deutschen Regierung vom Monatsbeginn, die Pläne für den Bau eines Kampfflugzeugs gemeinsam mit Frankreich aufzugeben, „keine guten Aussichten“ für den Börsengang von KNDS verspreche.
„Die deutsch-französischen Beziehungen und die Frage, wie es von hier aus weitergeht, sind meiner Meinung nach für diesen Börsengang von Bedeutung“, sagt Atınç Özkan, Aktienanalyst und Leiter des Bereichs Luftfahrt & Verteidigung bei Wood & Company.
Gleichzeitig hat die anhaltende Korrektur bei den europäischen Rüstungssaktien in diesem Jahr – nach einer Rekordrallye im Zuge der Aufrüstungsbemühungen auf dem Kontinent – Fragen zur potenziellen Nachfrage nach den Aktien aufgeworfen.
„Dieser allgemeine Ausverkauf mag bei einigen Titeln übertrieben gewesen sein, doch sollte er anhalten, würde es mich nicht überraschen, wenn der Börsengang von KNDS verschoben würde“, fügt Özkan hinzu.
Fragen zu Eigentumsverhältnissen und Unternehmensführung
KNDS, das 2015 aus einer Fusion des französischen Unternehmens Nexter und der deutschen Krauss-Maffei Wegmann hervorgegangen ist, befindet sich zu gleichen Teilen im Besitz der französischen Regierung und mehrerer deutscher Familien. Im Rahmen der Börsengangpläne soll ein Fünftel der Anteile öffentlich gehandelt werden, während die Familien über einen separaten Verkauf an die deutsche Regierung verhandeln, sodass sowohl Paris als auch Berlin jeweils einen Anteil von 40 % behalten.
Allerdings werfen der Einfluss der Unternehmensleitung, die geringe Liquidität und ein kürzlich beigelegtes Problem im Zusammenhang mit der Wirtschaftsprüfung für Investoren Anlässe Fragen auf. KNDS-CEO Jean-Paul Alary hat betont, dass die Schaffung einer „angemessenen Governance-Struktur“ für den Wert des Unternehmens im Interesse seiner künftigen Aktionäre von entscheidender Bedeutung. Daneben haben sowohl Frankreich als auch Deutschland angekündigt, sie würden ihre Beteiligungen in den kommenden Jahren auf 30 % reduzieren. Dennoch haben Analysten ihre ursprüngliche Bewertung von 25 Mrd. EUR auf 18 bis 20 Mrd. EUR nach unten korrigiert.
KNDS hat auf die Anfrage von Morningstar nach einer Stellungnahme zum Wert oder zum Zeitplan seines Börsengangs nicht reagiert.
Landschaft bei Börsengängen im Verteidigungssektor verändert sich
Der Börsengang der Czechoslovak Group (CSG) – eines der führenden europäischen Unternehmen für die Herstellung von Artilleriemunition für NATO-Mitglieder und die Ukraine – zu Beginn dieses Jahres könnte Anlegern Anlass zur Besorgnis geben. Die CSG ging im Januar inmitten starker Nachfrage an die Börse, doch ihr Aktienkurs hat sich seitdem mehr als halbiert.
Zwar sagt Piotr Chodyra, Analyst bei Trigon Dom Maklerski, dass ein Großteil dieser Schwäche unternehmensspezifisch sei. „Die Aktien sind mit Problemen hinsichtlich der wahrgenommenen Unternehmensführung unter Druck geraten, darunter den Auswirkungen des Berichts des Short-Sellers Hunterbrook auf die Marktstimmung, eine Geschäftsstruktur, die nach wie vor stark auf Landsysteme und Munition mit hohem Ukraine-Engagement ausgerichtet ist, sowie das Fehlen eines starken staatlichen Ankeraktionärs oder -kunden“, sagt er.
Der Short-Seller-Bericht des Hedgefonds Hunterbrook behauptet, CSG habe in seinem Börsenprospekt wesentliche Details zu seinem Geschäft verschwiegen. Zwar bestreitet CSG das. Für Özkan von Wood hat dies aber wenig dazu beigetragen, die allgemeinen Bedenken der Anleger zu zerstreuen.
„Sie hätten all diese Probleme besser angehen können. Aber ich glaube nicht, dass der Börsengang von CSG zwangsläufig den Ton für KNDS angeben wird“, sagt er.
Eine Zusammenarbeit zwischen CSG und KNDS?
Um die Angelegenheit noch komplizierter zu machen, soll CSG Berichten zufolge versucht haben, eine Minderheitsbeteiligung an KNDS zu erwerben. Laut der Financial Times erklärte KNDS-CEO Alary, dass der Börsengang zwar weiterhin seine Priorität sei, er künftige Transaktionen jedoch nicht ausschließen würde. Dennoch hält Chodyra es für unwahrscheinlich, dass es CSG gelingen würde, eine nennenswerte strategische Beteiligung zu erwerben.
„Sowohl Paris als auch Berlin signalisieren, dass sie im Rahmen des Börsengangs eine ausgewogene staatliche Beteiligung Frankreichs und Deutschlands bevorzugen, wobei Deutschland selbst bereit ist, eine große Beteiligung zu übernehmen, was einem konkurrierenden industriellen Anteilseigner aus einem Drittland nur begrenzten politischen Spielraum lässt. Vor diesem Hintergrund erscheint mir eine nennenswerte Beteiligung der CSG an KNDS eher als eine Option mit geringer Wahrscheinlichkeit“, sagt er.
Anleger sollten ihr Augenmerk darauf richten, ob sich KNDS zu einem Unternehmen wie Rheinmetall entwickeln kann.
Atınç Özkan, Wood & Company
Für KNDS dürfte es vielleicht noch wichtiger sein, ob es einige der anderen Fallstricke vermeiden kann, die CSG bisher gebremst haben. Dazu zählen etwa Bedenken hinsichtlich der Geschäftsdiversifizierung. Der Umsatz von KNDS stieg im Geschäftsjahr 2025 um 16 % auf 4,4 Mrd EUR, während sich der Auftragsbestand auf 33 Mrd EUR erhöhte, was vor allem auf Aufträge aus Deutschland und Frankreich zurückzuführen war.
„Anleger sollten ihr Augenmerk darauf richten, ob sich KNDS zu einem Unternehmen wie Rheinmetall entwickeln kann“, sagt Özkan und verweist dabei auf die Diversifizierung des deutschen Rüstungsriesen in den Bereichen Luft-, See-, Land- und Weltraumtechnik sowie zunehmend auch im Softwarebereich. Gleichzeitig geht er davon aus, dass der jüngste Rückgang bei Rüstungsaktien wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein wird.
„Insgesamt leiden die europäischen Rüstungsaktien unter der Kurzsichtigkeit des Marktes hinsichtlich eines möglichen Friedensabkommens in der Ukraine. Die Realität ist, dass der Rubikon überschritten wurde und der geopolitische Paradigmenwechsel bereits vollzogen ist“, fügt er hinzu.

