Nvidia und Broadcom - 2 unterbewertete Halbleiter-Aktien, deren Aussichten unterschätzt werden

Nvidia und Broadcom weisen noch weiteres Wachstumspotenzial auf, falls ihr KI-getriebenes Wachstum länger anhält als von Anlegern erwartet.

Abbildung, die einen Halbleiter-Chip in Nahaufnahme zeigt, der mit anderen Halbleiter-Komponenten verbunden ist, und dessen Integration in die KI-Technologie veranschaulicht.

In der Folge des Podcasts „The Morning Filter“ vom 14. September 2026 erörtern die Moderatorin Susan Dziubinski und Dave Sekera, Chefstratege für den US-Markt bei Morningstar, warum sich derzeit Chancen bei Nvidia NVDA und Broadcom AVGO bieten. Hier ein Auszug aus der Sendung.

Warum wir davon ausgehen, dass Nvidia weiter wachsen wird

Susan Dziubinski: Es ist Zeit für Daves Aktienempfehlungen der Woche. Diese Woche sind Daves Empfehlungen jene sieben unterbewerteten Mega-Cap-Aktien, auf die er zu Beginn der Sendung hingewiesen hat. Über die meisten dieser Aktien haben wir bereits gesprochen, doch wir werden sie dennoch nacheinander durchgehen, beginnend mit Nvidia. Nenn uns die wichtigsten Punkte.

David Sekera: Nvidia ist eine mit 4 Sternen bewertete Aktie, die mit einem Abschlag von 30 Prozent gehandelt wird. Die Dividende ist eher gering, die Rendite beträgt lediglich ein halbes Prozent. Wir stufen das Unternehmen als „sehr unsicher“ ein, weisen ihm jedoch aufgrund von Wechselkosten und immateriellem Anlagevermögen einen breiten Economic Moat zu.

Dziubinski: Nun, Dave, erläutere uns bitte die Erwartungen von Morningstar hinsichtlich Nvidia, da der Aktienmarkt die Aktie offenbar etwas pessimistischer einschätzt als wir.

Sekera: Ich glaube, dies wird sich ähnlich darstellen wie bei vielen anderen KI-Aktien. Meiner Meinung nach bewertet der Aktienmarkt das Unternehmen definitiv entsprechend dem Wachstum, das es hier kurzfristig für den Rest des Jahres und für das Jahr 2027 prognostiziert. Doch wie Du bereits angemerkt haben, ist der Aktienmarkt meiner Ansicht nach sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, dem Unternehmen die Erwartungen für 2028 und die Folgejahre anzurechnen.

Wenn wir uns also unsere Prognose für das Geschäftsjahr 2027 ansehen – in dem wir uns derzeit befinden –, rechnen wir mit Einnahmen von etwas über 400 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einer Wachstumsrate von 74 Prozent. Wir rechnen mit Gewinnen von fast 9,50 US-Dollar je Aktie. Das wäre ein Anstieg von fast 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie derzeit bei 23, was nicht unbedingt sehr hoch ist.

Für das Jahr 2028 rechnen wir mit einem anhaltenden Wachstum. Wir gehen von Einnahmen von etwas über 700 Milliarden US-Dollar aus. Das entspräche einem weiteren Anstieg der Einnahmen von 70 Prozent, und das bei einer leichten Margenexpansion. Wir rechnen mit einem Wachstum der Gewinne um 76 Prozent auf 16,61 US-Dollar je Aktie. Und von da an schrauben wir unsere Erwartungen etwas zurück. Im Geschäftsjahr 2029 senken wir unsere Wachstumsrate auf 15 Prozent und reduzieren sie von dort aus weiter. In diesem Fall glaube ich jedoch nicht, dass der Markt den Aussicten des Unternehmens für das Jahr 2028 wirklich Rechnung trägt. Sollte das Unternehmen auch nur annähernd unsere Prognose für die Gewinne im Jahr 2028 erreichen, wird die Aktie lediglich zum 13-fachen der Gewinne von 2028 gehandelt. Und ich denke, dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Markt dieses hohe Wachstum nach 2027 nicht berücksichtigt – nicht nur bei Nvidia, sondern auch bei vielen anderen KI-Aktien.

Warum Broadcom derzeit zu den am stärksten unterbewerteten KI-Aktien zählt

Dziubinski: Deine nächste vielversprechende Aktienempfehlung ist Broadcom, und ich halte diese Aktie für die am stärksten unterbewertete unter den Titeln, über die wir heute sprechen. Nenne uns die wichtigsten Punkte dazu.

Sekera: Ja. Broadcom, eine der wenigen Aktien mit 5-Sterne-Rating auf dem Markt, weist einen Abschlag von fast 45 Prozent gegenüber unserer langfristigen intrinsischen Bewertung sowie eine Dividendenrendite von 0,7 Prozent auf. Nun handelt es sich natürlich um eine Technologieaktie. Wir stufen sie als „hohe Unsicherheit“ ein, weisen ihr jedoch aufgrund von Wechselkosten und immateriellem Anlagevermögen ein breites Economic Moat-Rating zu.

Dziubinski: Broadcom hat kürzlich seine Gewinne veröffentlicht. Die Aktie gab daraufhin leicht nach. Morningstar behielt seine Fair Value-Schätzung von 650 US-Dollar bei. Gehe zunächst kurz auf die Gewinne ein und erläutere anschließend, welche Erwartungen Morningstar an Broadcom hat.

Sekera: Nun, ich wiederhole einfach noch einmal, was Du zuvor gesagt hast: Ich meine, dies ist nicht nur tatsächlich eine der am stärksten unterbewerteten Aktien hier, sondern wenn ich mir alle unsere KI-Titel anschaue, ist dies so ziemlich der am stärksten unterbewertete überhaupt. Der Titel ist wahrscheinlich derjenige, bei dem wir eine am stärksten vom Marktplatz abweichende Einschätzung haben. Interessanterweise kam es nach dem Gewinnausweis zu einem Kursrückgang der Aktie. Wir haben unseren Fair Value bei 650 US-Dollar pro Aktie beibehalten.

Meiner Meinung nach war es ein starkes Quartal mit einer soliden Prognose. Wir sind lediglich der Ansicht, dass der Markt sich wahrscheinlich zu große Sorgen darüber macht, dass Alphabet GOOGL TPUs von anderen Lieferanten bezieht. Der Markt ist sehr besorgt darüber, ob dies das Geschäft von Broadcom im Laufe der Zeit untergraben wird, doch das sehen wir nicht so. Betrachtet man die spezifischen TPUs, die Broadcom für Alphabet herstellt, so sind deren Stückzahlen deutlich höher als bei den an andere ausgelagerten Produkten. Und was noch wichtiger ist: Sie weisen eine höhere Komplexität auf als die bei der Auslagerung an andere Unternehmen verwendeten Chips. Auch hier gilt: Viele andere Unternehmen verfügen noch nicht unbedingt über die Technologie, um diese hochkomplexen Chips herstellen zu können.

Wir sind also nach wie vor der Ansicht, dass es hier viel mehr um Multisourcing geht als um den Versuch, etwas zu ersetzen. In diesem Fall gehen wir auf der Grundlage der Prognosen des Managements von einem Umsatzwachstum von 67 Prozent für die Jahre 2027 und 2028 aus. Unsere fünfjährigen durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten für Umsatz und Gewinne liegen bei 46 Prozent beziehungsweise 53 Prozent. Das sind also enorme Wachstumsraten: Basierend auf unserer Gewinnerwartung für 2027 von 18,85 US-Dollar pro Aktie wird das Unternehmen derzeit mit dem 19-fachen Gewinn gehandelt. Für 2028 rechnen wir mit Gewinnen von 30 US-Dollar, so dass die Aktie lediglich mit dem 12-fachen Gewinn gehandelt wird. Erfüllt dieses Unternehmen also auch nur annähernd unsere Prognosen, wird es derzeit zu sehr niedrigen Marktmultiplikatoren gehandelt.

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