Kann sich der starke Aufschwung dieser europäischen KI-Aktien fortsetzen?

Nokia und Aixtron gehören zu den Unternehmen, die in diesem Jahr bisher dreistellige Zuwächse verzeichnen konnten

Eine Gesamtansicht des Nebius-Logos an einem Gebäude.
© 2026 Nebius B.V.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Der KI-Boom veranlasst Anleger, ihren Blick über die USA und Asien hinaus nach Europa zu richten.
  • Die enormen Kursgewinne bei Halbleiter- und Rechenzentrumsaktien, darunter der Chiphersteller STMicroelectronics und der Rechenzentrumsbetreiber Nebius, treiben den europäischen Technologiesektor nach oben.
  • Investoren und Analysten sagen, Europa sei als Anlageziel im Bereich KI-Infrastruktur attraktiv, auch wenn weiterhin Bedenken wegen der Bewertungen bestehen.

Der unstillbare Appetit auf den Boom im Bereich Künstliche Intelligenz lässt Investoren über die Schwergewichte aus den USA und Asien hinaus auf eine Handvoll vielversprechender europäischer Unternehmen blicken, was zu massiven Kursgewinnen führt.

Die Aktien des deutschen Herstellers für Halbleiterausrüstung Aixtron (AIXA) stiegen in diesem Jahr aufgrund der stark steigenden Nachfrage nach KI-Lösungen bisher um 240 %. Der niederländische Chiphersteller STMicroelectronics (STMMI) und der Rechenzentrumsbetreiber Nebius (NBIS) verzeichneten beide einen Anstieg von 170 %. Darüber hinaus legte Nokia (NOKIA), das nun im Bereich der Hardware für Cloud-Dienste tätig ist, um 140 % zu, und BE Semiconductors (BESI) verzeichnete einen Anstieg von 115 %.

Einige europäische KI-Unternehmen aus dem Small- und Mid-Cap-Segment verzeichneten sogar noch größere Kursgewinne. Der Kurs des französischen Fabless-Halbleiterunternehmens Kalray (ALKAL) stieg um über 900 %. Soitec (SOI), ein Hersteller von Chipmaterialien, verbuchte einen Anstieg von rund 730 %. Die Branchenkonkurrenten Riber (ALRIB ) und AT&S (ATS) legten beide um fast 350 % zu.

„Europa wird meiner Meinung nach als eine Art Wachstumschance angesehen. In den USA lässt sich nicht alles realisieren“, sagt Rob Thummel, Senior-Portfoliomanager bei Tortoise Capital Advisors mit Sitz in Kansas, das Ende letzten Jahres in Nebius investierte. Die Aktie legte in den letzten 12 Monaten um 400 % zu.

Dieser Aufschwung erfolgt zu einer Zeit, in der Investoren nach Anlagemöglichkeiten außerhalb der wenigen bekanntesten europäischen Technologieunternehmen wie ASML und Infineon suchen – deren Aktienkurse in diesem Jahr um 40 % bzw. 85 % gestiegen sind. „Es ist bereits bekannt, dass ASML und andere Hersteller von Chip-Ausrüstung in den Jahren 2026, 2027 [und darüber hinaus] zweistellige Wachstumsraten verzeichnen werden“, sagt Javier Correonero, Senior Equity Analyst bei Morningstar. „Viele Teilbereiche der Halbleiterbranche befinden sich nach wie vor in einer Versorgungslücke, in der die Nachfrage das Angebot übersteigt.“

Esther Krukowski, Senior Analyst bei RBC Bluebay, stimmt zu und weist darauf hin, dass europäische KI-Aktien derzeit von einem „Knappheitswert“ profitieren: „Solide Ergebnisse und eine sich verbessernde Ertragsaussicht bei europäischen Hardware-Aktien, die KI-Anwendungen ermöglichen, haben zu einem deutlichen Kursanstieg geführt.“

„Picks and Shovels“ treiben KI-Investitionen in Europa

„Europa hat zwei wesentliche Möglichkeiten, im Bereich der KI eine Rolle zu spielen“, erklärt Correonero. Die erste sind Ausrüstungsanbieter wie ASML und BE, die zweite Hersteller von Analogchips wie STMicroelectronics und Infineon, deren komplexe Leistungshalbleiter für die Umrüstung von Rechenzentren auf eine 800-Volt-Stromversorgungsarchitektur von entscheidender Bedeutung sein werden.

Brian Colello, Senior Analyst bei Morningstar, geht davon aus, dass sich dieser fundamentale Ansatz in der ersten Phase des KI-Ausbaus fortsetzt. „Angesichts der hohen Ausgaben sind Zulieferer bislang die klaren Gewinner im KI-Bereich. Bei Software und KI-Anwendern ist die Lage aktuell noch etwas unklarer und schwerer einzuschätzen, doch im Laufe der Zeit wird es sicherlich auch Gewinner geben, die KI-basierte Produkte entwickeln“, sagt er.

Der Technologiebereich ist in diesem Jahr bislang der Sektor mit der besten Performance im Europe Market Index, noch vor dem Energiesektor, der sich angesichts der zunehmenden Ölknappheit infolge des Iran-Konflikts besonders gut behauptete. Untersuchungen von TS Lombard zeigen, dass zwei Gruppen KI-bezogener Aktien mehr als zwei Drittel der positiven Wertentwicklung europäischer Aktien in den letzten anderthalb Monaten ausmachen.

Europa gilt als fruchtbarer Boden für den Ausbau der KI, dank seines soliden und stetig wachsenden Zugangs zu erneuerbarer Energie, seines günstigen Klimas – insbesondere in Nordeuropa – und seiner internationalen Anbindung. Thummel von Tortoise sagt, dass diese Eigenschaften gut zur KI-Strategie seines Unternehmens passen: „Unser Ansatz bestand nicht darin, in Unternehmen zu investieren, die KI entwickeln, sondern in die Infrastruktur. Coreweave tut das hier in den USA, Nebius in Europa. Wenn man sich den KI-Wettlauf ansieht, kommt es letztlich auf Daten, Technologie und Energie an.“

Tatsächlich konnten auch Energie- und Versorgeraktien in diesem Jahr an Wert gewinnen, was zum Teil auf den KI-Boom zurückzuführen ist. Die Aktien von Siemens Energy und Schneider Electric – beides wichtige Akteure beim Ausbau von Rechenzentren – sind 2026 bislang um 40 % bzw. 10 % gestiegen.

Bewertungsrisiken zeichnen sich ab

Trotz der erwarteten Wachstumsaussichten haben einige Analysten Bedenken hinsichtlich der rasanten Kursrallye bei wichtigen europäischen KI-Aktien geäußert. „Sie sind derzeit alle fair bewertet oder überbewertet, obwohl wir unsere Fair Value-Schätzungen in den letzten sechs Monaten deutlich angehoben haben“, sagt Correonero über KI-Ausrüster wie BE und ASML. BE notiert 52 % über seiner Fair Value-Schätzung, ASML liegt im Rahmen. Beide Unternehmen haben einen breiten Economic Moat.

Nebius notiert 83 % über seiner Fair Value-Schätzung und hat kein Moat-Rating, was bedeutet, unsere Analysten erwarten nicht, dass das Unternehmen über einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil verfügt. Nokia notiert mit einem Aufschlag von 63 % und hat ebenfalls keinen Moat hat, während Soitec einen schmalen Economic Moat aufweist und mit einem Aufschlag von 297 % gehandelt wird.

Die hohen Bewertungen gehen einher mit Befürchtungen einer KI-Blase. „Die weltweit synchron verlaufenden parabolischen Kursbewegungen bei KI-Aktien haben die Befürchtungen vor einer Blase geschürt“, sagt Krukowski und weist darauf hin, dass überhöhte Bewertungen und Bedenken hinsichtlich der Lieferketten noch zu Volatilität führen und die jüngste Rallye bremsen könnten. Da die Aktienbewertungen jedoch weiterhin unter den früheren Höchstständen der Blase liegen und KI-Aktien im Vergleich zu anderen Sektoren ein überdurchschnittliches Potenzial für Gewinnwachstum bieten, „könnte eine Korrektur als Kaufgelegenheit angesehen werden.“

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