Ist die Saab-Aktie nach der jüngsten Kursschwäche ein Kauf?

Die Aktie verlor in drei Monaten 24 %, aber steigende Verteidigungshaushalte könnten langfristig Aufwärtspotenzial schaffen, so der Analyst von Morningstar

Das Logo von Saab AB ist auf einem Smartphone-Bildschirm und einem PC-Bildschirm zu sehen.
Pavlo Gonchar/SOPA Images/ via Getty

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Morningstar stuft Saab als unterbewertet ein, da die Aktie derzeit mit einem Abschlag von 19 % gehandelt wird.
  • Der Rüstungskonzern profitiert von den steigenden Verteidigungshaushalten in ganz Europa und der wachsenden Nachfrage nach Waffen, Radarsystemen und militärischer Überwachungsausrüstung.
  • Trotz solider langfristiger Wachstumsaussichten sehen sich Anleger mit Risiken konfrontiert - bei der Erfüllung der Verträge und dem Hochfahren der Produktion.

Die Saab B-Aktien SAAB B gehörten in den letzten Jahren zu den größten Gewinnern im Morningstar Sweden Index, da zunehmende geopolitische Spannungen und höhere Verteidigungsausgaben in ganz Europa die Stimmung der Anleger gegenüber Rüstungsunternehmen verändert haben.

Nachdem die Saab-Aktie in den letzten drei Jahren um mehr als 226 % gestiegen war, verlor sie jetzt an Schwung. In den letzten drei Monaten fiel der Kurs um rund 24 %, seit Jahresbeginn um 9 %.

Warum fiel der Aktienkurs von Saab?

Laut der Morningstar-Aktienanalystin Loredana Muharremi spiegelt der jüngste Kursrückgang eher eine Verlagerung des Anlegerfokus wider als eine Verschlechterung der langfristigen Aussichten des Unternehmens.

„Die jüngste Schwäche ist in erster Linie auf die Bewertung zurückzuführen, da Anleger begonnen haben, einem Sektor, dessen Kurse zuvor auf eine nahezu perfekte Umsetzung ausgerichtet waren, ein höheres Ausführungsrisiko zuzuschreiben“, sagt Muharremi.

„Die Debatte hat sich verlagert - von der Frage, ob die Nachfrage tatsächlich eintreten wird, hin zu der Frage, wie effizient Unternehmen diese Nachfrage in Umsatz, Margen und Cashflow umwandeln können“, fügt sie hinzu.

Wichtige Morningstar-Kennzahlen zur Saab-Aktie

Saab’s Herausforderung: Wie lässt sich das Wachstum bewältigen?

Muharremi hob kürzlich die Fair Value-Schätzung für Saab an und begründete das mit einem gestiegenen Vertrauen in die Fähigkeit des Unternehmens, die Produktion hochzufahren und den wachsenden Auftragsbestand abzuarbeiten.

Gleichzeitig ist sie der Ansicht, dass die größte Herausforderung für Saab in den nächsten Jahren darin besteht, dieses Wachstum effektiv zu steuern.

„Das größte Risiko bei der Umsetzung besteht darin, den industriellen Ausbau zu bewältigen, der erforderlich ist, um den rasch wachsenden Auftragsbestand abzuarbeiten“, sagt sie.

„Die Nachfrage dürfte kaum das limitierende Element sein. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, die Produktionskapazitäten auszubauen, kritische Komponenten zu beschaffen, neue Lieferanten zu integrieren und qualifizierte Arbeitskräfte einzustellen – und dabei gleichzeitig die Liefertermine und die Rentabilität aufrechtzuerhalten.“

Da Saab gleichzeitig in mehrere Geschäftsbereiche expandiert, wird eine erfolgreiche Umsetzung zunehmend entscheidend dafür sein, ob das Unternehmen die starke Nachfrage in ein nachhaltiges Gewinnwachstum umwandeln kann.

Künftige Aufträge für Kampfflugzeuge bieten zusätzliches Wachstumspotenzial

Ein Bereich, in dem Muharremi besonders großes Potenzial sieht, ist das Gripen-Kampfflugzeugprogramm von Saab.

„Die Ukraine hat bereits konkrete Schritte unternommen, um Gripen-Betreiber zu werden, doch die endgültige Flottengröße bleibt ungewiss und könnte deutlich größer ausfallen als die ursprünglich geplante Anschaffung“, sagt sie.

Die Chancen gehen weit über den Verkauf von Flugzeugen hinaus, da jeder neue Gripen-Kunde durch Wartung, Modernisierungen, Schulungen und die Integration von Waffen jahrzehntelange wiederkehrende Einnahmen generiert.

Sie sieht zudem weitere Impulse durch den möglichen Kauf weiterer Gripen-Flugzeugen durch Thailand sowie durch Veränderungen in dem künftigen Angebot europäischer Kampfflugzeuge. „Als eines der wenigen europäischen Unternehmen mit einem aktiven Kampfflugzeugprogramm könnte Saab zu einem zunehmend wichtigen Partner bei künftigen europäischen Kampfflugzeuginitiativen werden“, so Muharremi.

Ist die Saab-Aktie ein Kauf?

Morningstar beziffert die Fair Value-Schätzung für Saab auf 610 SEK pro Aktie, was bedeutet, dass die Aktie derzeit mit einem Abschlag von 19 % gehandelt wird und eine 4-Sterne-Bewertung erhält. Die Bewertung spiegelt die Erwartung wider, dass Saab von einem mehrjährigen Anstieg der Verteidigungsausgaben profitieren und gleichzeitig seine Rentabilität steigern wird, da immer mehr Programme von der Entwicklungsphase in die Serienproduktion übergehen.

Insgesamt hält Muharremi Saab für gut positioniert für den raschen Ausbau der europäischen Luft- und Raketenabwehr, da die jüngsten Konflikte die Bedeutung integrierter Verteidigungsarchitekturen deutlich gemacht haben, die Sensoren, Radarsysteme, Führungs- und Leitsysteme sowie Abfangraketen miteinander kombinieren.

„Saab verfügt bereits über bedeutende Positionen in verschiedenen Bereichen dieses Ökosystems und könnte davon profitieren, wenn europäische Staaten ihre Investitionen zum Schutz kritischer Infrastruktur, militärischer Anlagen und Ballungszentren vorantreiben“, sagt sie.

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