Etwas Ungewöhnliches passiert gerade. Space Exploration Technologies SPCX steht in mehreren bedeutenden Indizes vor einer deutlich höheren Gewichtung – und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem der Aktienkurs schwächelt.
Große Aktienindizes wie der Russell 1000, der Morningstar US Total Market und der MSCI USA gewichten ihre Bestandteile nach ihrer um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Haben Unternehmen A und Unternehmen B die gleiche gesamte Marktkapitalisierung, weist Unternehmen A aber einen höheren Streubesitz auf – also einen größeren Anteil frei handelbarer Aktien –, erhält es in diesen drei Indizes ein höheres Gewicht.
Aus diesem Grund hat SpaceX bei einer gesamten Marktkapitalisierung von 1,4 Billionen US-Dollar im Russell 1000 dieselbe Gewichtung von 0,08 Prozent wie Delta Air Lines DAL mit einer Marktkapitalisierung von 57,0 Milliarden USD.
Das wird sich schon bald ändern. Das Gewicht des Raumfahrt- und KI-Unternehmens im Index dürfte sich mindestens verdoppeln – unabhängig davon, ob der Aktienkurs bis zum nächsten Rebalancing-Termin des jeweiligen Index steigt oder fällt.
Am 6. August wurden mehr als 900 Millionen SpaceX-Aktien von Insidern zum Verkauf freigegeben, nachdem das Unternehmen seine ersten Quartalszahlen seit dem Börsengang veröffentlicht hatte. Das entspricht 143 Prozent der 639 Millionen Aktien, die kurz nach dem Börsengang frei handelbar waren. Unter sonst gleichen Bedingungen steigt die um den Streubesitz bereinigte Marktkapitalisierung von SpaceX damit auf das 2,43-Fache. Dadurch würde die Aktie unter die 100 größten Positionen im Russell 1000 aufsteigen und dort ein Gewicht von rund 0,20 Prozent erhalten – ähnlich wie CVS Health CVS, Pfizer PFE und Deere & Company DE.
Was bedeutet das für Indexfonds?
Indexfonds werden gezwungen sein, mehr SpaceX-Aktien zu kaufen – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Insider verkaufen. Das trägt dazu bei, Angebot und Nachfrage nach den Aktien auszugleichen. Gleichzeitig könnte es kurzfristig schwieriger werden, den tatsächlichen Wert der Aktie und ihr Marktgleichgewicht zu bestimmen.
Wartefristen können vielen Indizes dabei helfen, mit starken Kursschwankungen umzugehen, während der Markt sein Gleichgewicht findet. Eine solche Wartefrist („Seasoning Period“) verhindert, dass Indexfonds eine Aktie unmittelbar nach ihrem Börsengang kaufen und sich damit den möglicherweise starken oder unausgewogenen Kursbewegungen in den ersten Wochen und Monaten nach dem IPO aussetzen.
Bei großen Börsengängen wie SpaceX verzichten allerdings viele Indizes auf eine solche Wartefrist, um das jeweilige Marktsegment möglichst realitätsnah abzubilden.
Beispiel aus dem US-Markt: Der iShares Russell 1000 ETF IWB, der Vanguard Morningstar US Aktienmarkt ETF
VTI
Wann haben die großen Indizes Anteile an SpaceX erworben?
Obwohl die SpaceX-Aktie im Juli um 31 Prozent gefallen ist, werden die Indizes ihre Position bei ihrem nächsten planmäßigen Rebalancing aufstocken. Das scheint dem Prinzip der Gewichtung nach Marktkapitalisierung zu widersprechen, bei dem die Positionsgrößen automatisch an die Größe eines Unternehmens angepasst werden. Dabei handelt es sich um einen effizienten Gewichtungsansatz, bei dem das Gewicht einer Aktie entsprechend ihrer Kursentwicklung steigt oder fällt.
Die Gewichtung kann allerdings auch aufgrund von Veränderungen des Streubesitzes steigen oder fallen. Bei Unternehmen, die bereits seit Jahren an der Börse notiert sind, kommt das normalerweise nur selten vor. Bei vielen Unternehmen liegt der Streubesitz bei deutlich mehr als 90 Prozent, sodass ihre um den Streubesitz bereinigte Marktkapitalisierung ungefähr ihrer gesamten Marktkapitalisierung entspricht.
Bei SpaceX und einigen anderen von ihren Gründern geführten Unternehmen ist der Streubesitz dagegen geringer. Werden größere Aktienpakete zum Verkauf freigegeben, kann das ihre Gewichtung in vielen Indizes erheblich beeinflussen.
Hier erfahren Anleger, wann sie damit rechnen, dass die einzelnen wichtigen Indizes ihre SpaceX-Gewichtung auf der Grundlage ihrer nächsten planmäßigen Neugewichtung anpassen. Beachten Sie, dass S&P die Aktie frühestens im Juni 2027 in seinen Leitindex S&P 500 aufnehmen wird, da eine verpflichtende Wartefrist von einem Jahr gilt. Auch die Anforderungen an die Profitabilität könnten eine Aufnahme weiter verzögern.
Zeitplan für die Neugewichtung der wichtigsten Indizes
Die Freigabe weiterer Aktien wird außerdem den Streubesitz von SpaceX und damit die Gewichtung des Unternehmens in den oben genannten Indizes beeinflussen. Die folgende Übersicht zeigt die noch bevorstehenden Aktienfreigaben, den möglichen Streubesitz nach der jeweiligen Freigabe sowie die geschätzte um den Streubesitz bereinigte Marktkapitalisierung. Wie hoch diese ausfällt, hängt auch davon ab, zu welchem Kurs die SpaceX-Aktie am jeweiligen Stichtag gehandelt wird.
Verbleibende SpaceX-Aktienemissionen im Jahr 2026
Ausgehend von den Kursen vom 31. Juli dürfte SpaceX nach der Neugewichtung am 11. Dezember eine Gewichtung von etwa 0,70 Prozent im Russell-1000-Index erhalten. Die Gewichtung des Unternehmens in den anderen Indizes nach deren jeweiligen Neugewichtungen richtet sich danach, wie hoch seine um den Streubesitz bereinigte Marktkapitalisierung zum jeweiligen Neugewichtungstermin ist.
Was langfristig für Anleger wichtig ist
Kurzfristige Kursbewegungen sollten für Anleger in Indexfonds nur eine geringe Rolle spielen. Die heftigen Schwankungen der SpaceX-Aktie in den ersten Monaten nach dem Börsengang sind für eine einzelne Aktie nicht ungewöhnlich. Aufgrund der Größe des Unternehmens und der großen öffentlichen Aufmerksamkeit rücken jedoch Indexregeln ins Rampenlicht, die vielen Anlegern bislang kaum bekannt sein dürften.
Selbst nach den bevorstehenden Aktienfreigaben dürfte SpaceX in absehbarer Zeit nicht mehr als 1 Prozent der großen US-Aktienindizes ausmachen. Kursschwankungen der Aktie dürften deshalb die Gesamtentwicklung eines Indexfonds nur relativ wenig beeinflussen.

