Gold und Minenaktien: Top-Fondsmanager erwartet 2026 Fortsetzung der Rallye

Nach einem Rekordjahr für Gold spricht Fondsmanager Dr. Joachim Berlenbach über die Treiber der Goldrallye in 2025, die Aussichten für 2026 und erklärt, warum Silber strukturell an Bedeutung gewinnt.

Pixelierte Illustration in Gold

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die Goldrallye dürfte sich 2026 fortsetzen, so Joachim Berlenbach vom Earth Gold Fund UI EUR R.
  • Ausgewählte Bergbauaktien bieten Hebel und damit deutlich mehr Potenzial als physisches Gold.
  • Die Aktienauswahl erfolgt bottom-up auf der Grundlage geologischer und finanzieller Analysen.

Gold gehörte 2025 zu den stärksten Anlageklassen. Getrieben von geopolitischen Unsicherheiten, hoher Staatsverschuldung und anhaltenden Käufen durch Zentralbanken erreichte der Goldpreis neue Höchststände. Auch Goldminenaktien profitierten von diesem Umfeld - teilweise mit deutlich stärkeren Kursgewinnen als das Edelmetall selbst.

Der Earth Gold Fund UI EUR R hat im Jahr 2025 eine Rendite von 161 % erzielt und ist damit der aktiv verwaltete Aktienfonds mit der höchsten Rendite auf dem deutschen Markt im Jahr 2025. Dr. Joachim Berlenbach, Gründer und CEO von Earth Resource Investments, ist für die Anlagestrategie verantwortlich und verwaltet den Fonds mit einem Fokus auf Geologie, Fundamentalanalyse und Risikomanagement.

Antje Schiffler: Was waren Ihrer Meinung nach die wichtigsten Treiber für die Renditen am Goldmarkt – und wird sich die Rallye im Jahr 2026 fortsetzen?

Joachim Berlenbach: Die wichtigsten Treiber waren klassische Safe-Haven-Käufe. Besonders aus China kam es zu einer deutlichen Flucht in Gold, getrieben vom Wunsch, sich von US-Dollar-Investments und US-Staatsanleihen zu lösen. Hinzu kamen Käufe von Zentralbanken und Privatanlegern, vor allem aus dem asiatischen Raum. Diese Nachfrage hat den Goldpreis unterstützt.

Ein weiterer zentraler Faktor ist die weltweit hohe Verschuldung. Allein die Staatsverschuldung der USA lag 2024 bei rund 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - mit steigender Tendenz. Diese Schulden müssen langfristig bedient werden, entweder durch eine Abschwächung des US-Dollars oder durch weitere Neuverschuldung. Auch in Europa und Japan bleibt Verschuldung ein relevantes Thema. In diesem Umfeld profitiert Gold als eine Währung, die nicht beliebig vermehrt werden kann.

Aus unserer Sicht dürfte die Nachfrage auch 2026 hoch bleiben, zumal Zentralbanken angekündigt haben, ihre Goldkäufe fortzusetzen. Eine konkrete Prognose für den Goldpreis ist schwierig, doch selbst bei stabilen Kursen bleiben die Margen der Produzenten auf Rekordniveau, was dem Minenaktiensektor Rückenwind gibt. Insgesamt beurteilen wir das Umfeld für Gold weiterhin positiv.

AS: Ihr Fonds investiert nicht in physisches Gold, sondern in Aktien von Produzenten von Gold und anderen Edelmetallen. Können Sie aus Anlegersicht den Unterschied zwischen einer Investition in physisches Gold und einer Investition in die zugrunde liegenden Aktien erläutern?

JB: Gold ist eine Währung, jedoch keine Fiatwährung. Es lässt sich nicht beliebig vermehren wie etwa der US-Dollar oder der Euro und dient aus unserer Sicht in erster Linie als stabiler Wertspeicher. Zugleich ist der Goldmarkt ausreichend liquide und unterscheidet sich damit von anderen Edelmetallen. Der physische Silbermarkt etwa verfügt nicht über die notwendige Tiefe, um Gold in großem Umfang zu ersetzen.

Minenaktien sind vor allem aufgrund ihres Hebels auf den Goldpreis interessant. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei kleineren Entwicklern, die Minen aufbauen, sowie bei Explorationsunternehmen. Steigt der Goldpreis beispielsweise um zehn Prozent, kann sich die Bewertung solcher Unternehmen - gemessen am diskontierten Cashflow - um ein Mehrfaches verändern. Genau dieser Hebel macht die Anlagen attraktiv, er wirkt allerdings in beide Richtungen.

AS: Was macht ein Unternehmen für Sie attraktiv?

JB: Wir analysieren sehr genau, welches Potenzial eines Unternehmens im Aktienkurs noch nicht eingepreist ist. Häufig handelt es sich dabei um geologische oder bergbauingenieurstechnische Aspekte. Wenn ein Erzkörper hochgradig ist und gleichzeitig das Umfeld stimmt - etwa in Bezug auf geopolitische Risiken, Managementqualität und Infrastruktur -, investieren wir oft bereits vor der Veröffentlichung neuer Bohrergebnisse. Dadurch verschaffen wir uns einen zeitlichen Vorsprung gegenüber anderen Investoren.

Ein Beispiel ist K92 Mining KNT in Papua-Neuguinea. Ich habe das Projekt vor Ort besucht und die regionale Geologie sowie die Alterationszonen im Gestein angesehen. Dabei wurde deutlich, dass das Projekt über weiteres Potenzial verfügt.

Ein weiteres Beispiel ist Lundin Gold LUG in Ecuador. Dort habe ich intensiv mit den Projektgeologen zusammengearbeitet, Bohrkerne begutachtet und Strukturpläne analysiert. Das Projekt ist geologisch komplex, doch genau in solchen Situationen liegt unsere Stärke: komplexe Lagerstättentypen frühzeitig zu bewerten.

Auch Projekte in Kolumbien sowie in Serbien und Bulgarien, insbesondere im Kupfer-Gold-Bereich, haben wir eng begleitet. In vielen dieser Fälle hat der Markt das Potenzial erst spät erkannt.

Für die Bewertung entwickeln wir eigene Modelle und diskontieren die zukünftigen Cashflows. Auf dieser Basis ermitteln wir den inneren Wert eines Projekts oder Unternehmens. Liegt dieser über der aktuellen Marktbewertung, ergibt sich für uns eine Investitionschance.

AS: Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

JB: Ein Beispiel hierfür ist Aya Gold & Silver AYA. Dort hatte ein spekulativer Investor Zweifel an den sogenannten Head Grades, also den Erzgehalten, geäußert, woraufhin die Aktie zunächst unter Druck geriet. Für uns war das kein Grund zur Sorge. Da wir das Unternehmen gut kennen und selbst vor Ort in Marokko waren, haben wir die Kursschwäche genutzt und unsere Position aufgestockt. In der Folge erholte sich die Aktie wieder.

Gerade bei kleineren Titeln kommt es immer wieder zu Phasen, in denen sich ein Wert kurzfristig anders entwickelt als erwartet. In solchen Fällen agieren wir bewusst vorsichtig. Diese Positionen sind niedrig gewichtet, in der Regel mit 0,5 bis 1 Prozent des Fondsvolumens, und dienen als kalkuliertes Risikokapital. Die wesentlichen Wertbeiträge erzielen wir mit unseren High-Conviction-Positionen in höher kapitalisierten Unternehmen, bei denen wir eine besonders hohe Überzeugung haben. Diese Positionen haben sich entsprechend positiv entwickelt.

AS: Es handelt sich also um eine Kombination aus geologischem und finanziellem Fachwissen. Was steckt Ihrer Ansicht nach noch hinter dem Erfolg des Fonds?

JB: Unser Portfolio ist bewusst konzentriert und umfasst in der Regel 35 bis 45 handverlesene Aktien. Wir investieren nicht breit, sondern mit hoher Überzeugung. Fonds ausschließlich vom Schreibtisch aus zu managen, halten wir für wenig zielführend. Stattdessen gehen wir vor Ort, begutachten Bohrkerne und verschaffen uns ein eigenes Bild der Projekte. Dieser praxisnahe Ansatz schafft aus unserer Sicht einen klaren Mehrwert für Investoren, der sich auch in der Performance des Fonds widerspiegelt.

Zwar ist der Fonds teurer als viele passive Produkte, doch wir sind überzeugt, dass aktives Management in diesem Sektor einen entscheidenden Vorteil bieten kann. In den vergangenen Jahren haben wir kaum erlebt, dass Investoren die Gebühren infrage stellen - vielmehr steht die Wertentwicklung im Vordergrund. Gerade in Nischen wie Rohstoffen und Minenaktien halten wir aktives Management für besonders sinnvoll. Ein ETF kann den Markt abbilden, jedoch keine geologischen Risiken bewerten oder Projekte vor Ort analysieren.

AS: Welche Rolle spielt Silber?

JB: Silber ist längst nicht mehr nur der „kleine Bruder“ von Gold. Es zählt zu den zentralen Metallen für erneuerbare Energien. Ob Solarzellen, Windturbinen oder Elektromotoren - überall werden Metalle mit hoher Leitfähigkeit benötigt. Silber besitzt dabei die höchste elektrische Leitfähigkeit aller Metalle.

Wir haben deshalb Mitte des Jahres teilweise Positionen aus Gold- in Silberaktien umgeschichtet. Diese Entscheidung hat die Performance unseres Fonds deutlich unterstützt, da Silber begonnen hat, Gold zu outperformen. Silber profitiert damit nicht nur von seiner monetären Funktion, sondern als Industriemetall auch strukturell von der Energiewende.

Der Autor/Autorin oder die Autoren besitzen keine Aktien der in diesem Artikel erwähnten Wertpapiere. Informieren Sie sich hier Redaktions-Richtlinien von Morningstar.