Wichtige Erkenntnisse:
- Analysten erwarten 2026 steigende Aktienkurse dank KI, Konjunkturpaket und einer möglichen wirtschaftlichen Erholung.
- Der Aufschwung hängt stark von Reformen, schneller Umsetzung des Merz-Fiskalpakets und einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ab.
- KI bleibt ein zentraler Wachstumstreiber, doch Chancen weiten sich auf andere Sektoren aus- in diesen Sektoren sind viele deutsche Aktien noch unterbewertet.
Deutsche Aktien haben der schwachen Konjunktur jahrelang getrotzt. 2026 könnte erstmals wieder beides zusammenkommen: steigende Kurse und ein echter wirtschaftlicher Aufschwung. Die Hoffnung wächst, dass mit der konjunkturellen Erholung eine breitere Grundlage für weiteres Kurswachstum entsteht.
Die Kombination aus KI-Boom, historisch expansiver Fiskalpolitik und unterstützender Geldpolitik schafft ein grundsätzlich freundliches Umfeld für Risikoanlagen, so die Konsenseinschätzung der Marktbeobachter. Gleichzeitig bleibt der Blick nüchtern: Strukturelle Standortprobleme, politische Risiken und die Frage nach der Umsetzungsgeschwindigkeit des deutschen Fiskalpakets lassen wenig Euphorie aufkommen.
Nach dem ereignisreichen Börsenjahr 2025 liegt der Morningstar Germany Index aktuell rund 17 Prozent im Plus und steht damit im Mittelfeld der europäischen Aktienmärkte.
Deutsche Aktien im Jahr 2026: Weitere Aufschläge erwartet
Vor allem internationale Investoren haben deutsche Aktien bisher untergewichtet. Das bietet Chancen, so Deutsche Bank Research: “Stellen Sie sich einen Markt ohne KI-Sorgen, mit attraktiven Bewertungen sowie großzügigem fiskalischem Spielraum und starken Impulsen vor. Willkommen in Deutschland”, so die Analysten.
Nach einer Phase der Euphorie im Frühjahr 2025 und einer längeren Wartephase kippte die Stimmung ab Herbst, und deutsche Aktien liefen dem europäischen Markt deutlich hinterher. Nun erwarten die Analysten eine „zweite Aufwärtswelle“: Die niedrige Positionierung, eine übermäßig negative Interpretation marktfreundlicher Reformen und Impulse in Kombination damit, dass der deutsche Fiskalimpuls nun endlich greift und der Haushalt 2026 verabschiedet wurde, schafft aus Sicht der Analysten “eine sehr interessante Kaufgelegenheit”. Von hier aus erwarten sie eine zweite Aufwärtsphase.
DWS-Aktienchef Benjardin Gärtner sieht ebenfalls Luft nach oben für deutsche Aktien und hält „zweistellige Gesamtrenditen“ im kommenden Jahr für möglich. “Insbesondere die Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben sollten dafür sorgen, dass das Gewinnwachstum per Ende 2026 bei etwa zwölf Prozent liegt”, so der globale Leiter für Aktien der DWS. Sein DAX-Kursziel für Ende 2026 liegt bei 26.100 Punkten.
Die DZ Bank geht sogar von 27.500 Punkten aus. Sören Hettler, Leiter Anlagestrategie, verweist auf die Kombination aus geld- und fiskalpolitischer Unterstützung. „Den deutschen Indizes hilft neben den freundlicheren globalen Bedingungen und den staatlichen Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit das Infrastrukturpaket der Bundesregierung“ so Hettler. Zwar hängen vor allem die kleineren Indizes MDAX und SDAX an der deutschen Konjunktur. Allerdings seien auch im global ausgerichteten deutschen Leitindex Konzerne enthalten, die von einem lokalen Aufschwung und einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit des Standorts profitieren. Vor allem der Industrie- und Verteidigungsbereich, Technologieunternehmen sowie die Finanzbranche dürften dem DAX Auftrieb verleihen.
UBS stuft die Eurozone-Aktien auf „attraktiv“ hoch und sieht den deutschen Markt als Profiteur: Immobilien, Banken, Versorger und der deutsche Aktienmarkt insgesamt stünden heraus, „da sie von den tiefen Zinsen der Europäischen Zentralbank und der gelockerten Haushaltspolitik profitieren.“
Fiskalpaket als Konjunkturmotor: Kommt 2026 der Aufschwung?
Wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Kursgewinne ist eine konjunkturelle Wende. Hier herrscht bemerkenswerte Einigkeit, dass 2025 noch Stagnation, 2026 dagegen eine spürbare Belebung bringt – getrieben vor allem durch den Fiskalimpuls.
Deutsche Bank-Volkswirt Marc Schattenberg sagt: “Nach der Stagnation im Jahr 2025 erwarten wir, dass sich die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr erholt, und prognostizieren ein BIP-Wachstum von jeweils 1,5 Prozent in den Jahren 2026 und 2027.” Neben der expansiven Fiskalpolitik rechne er auch mit einer Belebung des privaten Konsums, sobald sich der Arbeitsmarkt erholt.
Tobias Schmidt, Leiter Portfoliomanagement bei Union Investment, erwartet für Deutschland 2026 ein Wachstum von 1,2 Prozent und sieht damit ein Ende der jahrelangen wirtschaftlichen Stagnation. Auch DWS-Chefanlagestratege Vincenzo Vedda rechnet damit, dass Deutschland „die Phase der Stagnation hinter sich lassen“ und sich „vom Bremser zum Anschieber in der Eurozone entwickeln“ wird.
Gleichzeitig mahnt die DZ Bank: Ohne Reformen drohe das Wachstum „nur Strohfeuer“ zu bleiben. Der Erfolg des Fiskalpakets hänge weniger an der Höhe der Summen als an der Umsetzung. Deutsche Bank Research fasst zusammen: „Der entscheidende Faktor wird sein, wie schnell die von der Regierung geplanten Mittel tatsächlich in Aufträge und letztlich in Multiplikatoreffekte umgesetzt werden.“
„Der Bürokratieabbau muss tatsächlich vorangetrieben, Genehmigungsprozesse beschleunigt und Überregulierung reduziert werden. Industrie und Wirtschaft müssen dabei unterstützt werden, international wieder wettbewerbsfähiger zu werden“, sagt Christoph Ohme, Leiter Deutsche Aktien bei Oddo BHF. Mit der Reduktion des Industriestrompreises und einer Absenkung der Unternehmenssteuer in den nächsten Jahren seien erste Schritte getan.
KI bleibt auch 2026 Megatrend - wie profitieren deutsche Aktien?
Kein Thema prägt die Märkte so stark wie die künstliche Intelligenz. DWS-Stratege Vedda spricht von einem „rationalen Überschwang“ an den Märkten: „Wir sehen keinen irrationalen, sondern einen rationalen Überschwang an den Märkten, getrieben von KI.“
BlackRock beschreibt KI als wohl mächtigsten Megatrend der kommenden Jahre: „Die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte werden von Megakräften grundlegend verändert, allen voran von der Künstlichen Intelligenz. Technologie entwickelt sich zunehmend zu einem kapitalintensiven Geschäft, und der Aufbau der KI-Infrastruktur könnte in Tempo und Größenordnung beispiellos sein.“
Laut Tuan Huynh, Chief Investment Strategist für Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa bei BlackRock Investment Institute, hat Europa die erste Phase des KI-Zyklus, der von US-Konzernen dominiert wurde, verpasst. Doch in der jetzigen Adaptionsphase gehe es darum, KI breit in bestehende Geschäftsmodelle zu integrieren, um Produktivitätsgewinne zu heben und den technologischen Rückstand nicht weiter anwachsen zu lassen. “Hier schließt sich der Kreis zu den notwendigen Reformen, wie sie auch im Draghi-Bericht zur Zukunft der Wettbewerbsfähigkeit der EU klar benannt sind: mehr Innovationsfähigkeit, weniger Regulierung, tiefere Kapitalmärkte und schnellere Investitionsprozesse”, so der Experte. Als strukturelle Bremsklötze nennt Huynh den fragmentierten europäischen Kapitalmarkt und die demografische Entwicklung.
In Europa sieht BlackRock die klarsten KI-Gewinner in drei Sektoren: Energieversorgung, Finanzwirtschaft und Gesundheitswesen. Der Ausbau der KI-Infrastruktur treibt den Strombedarf massiv nach oben: Rechenzentren zählen zu den energieintensivsten Anwendungen überhaupt. Davon profitieren vor allem Versorger, Netzbetreiber und Energieinfrastruktur-Anbieter. Im Finanzsektor sorge KI für einen tiefgreifenden Effizienzschub, im Gesundheitssektor wiederum verkürzt KI Forschungs- und Entwicklungszeiten.
AllianzGI betont, dass sich die KI-Investitionen zunehmend weg von reinen US-Tech-Plattformen hin zu einem globaleren, beiter aufgestellten Ökosystem bewegen. Europa, China und Indien bieten „ breitere, stärker diversifizierte und attraktiv bewertete Chancen”, heißt es im Ausblick 2026.
Union Investment hebt KI zwar als strukturellen Treiber der Aktienmärkte hervor, verweist aber darauf, dass sich 2026 die Marktdynamik verbreitert: „Die Gewinner am Aktienmarkt werden 2026 nicht mehr allein im Segment KI zu finden sein“, betont Schmidt von Union Investment. Zyklische Industrie-, Logistik- und Dienstleistungstitel, IT-Dienstleister sowie Bau- und Infrastrukturwerte rücken damit verstärkt in den Fokus – insbesondere in Europa.
Diese deutschen Aktien sind zurzeit unterbewertet
“Einige der besten Chancen bieten sich bei Vermögenswerten, die in Ungnade gefallen sind oder – in der Sprache von Morningstar ausgedrückt – mit einem Abschlag gegenüber einer unabhängigen Fair Value-Schätzung gehandelt werden”, sagt Dan Kemp, Chief Investment Officer bei Morningstar. “ In diese Vermögenswerte zu investieren und dabei die von anderen geschätzten zu ignorieren, mag zunächst unangenehm erscheinen, kann jedoch die Renditen verbessern.”
Morningstar bewertet weltweit Aktien auf Basis fundamentaler Analysen. Jede Aktie erhält ein Sterne-Rating – je nachdem, ob sie als über- oder unterbewertet gilt. Papiere mit 4 oder 5 Sternen gelten als unterbewertet, während Aktien mit 1 oder 2 Sternen als überbewertet eingestuft werden. Von den 49 deutschen Aktien, die Morningstar analysiert, rangieren zurzeit 26 im unterbewerteten Bereich:

