ASML-Aktie: 55 Prozent Kursplus im Jahr 2026 - kann die Rallye weitergehen?

Ein starker Auftragseingang und eine boomende Nachfrage nach KI-Chips verbessern die Aussichten für den niederländischen Halbleiterriesen.

Beschilderung mit dem ASML-Logo.
Nicolas Economou/NurPhoto via Getty

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Die Aktie des niederländischen Unternehmens ASML hat im Jahr 2026 zugelegt, da das Unternehmen als ein entscheidender „Pick-and-Shovel“-Profiteur des KI-Booms gilt.
  • Analysten zufolge werden die Auswirkungen der Fortschritte Chinas in der Lithografietechnologi auf ASML kurzfristig überbewertet.
  • Morningstar hat seine langfristigen Prognosen und seine Fair Value-Schätzungen für das Unternehmen angehoben.

Der niederländische Hersteller von Halbleiterausrüstung ASML hat sich im laufenden Jahr bisher als eine der erfolgreichsten Aktien im Bereich der KI-Infrastruktur herausgestellt. ASML hat eine Korrektur im Juli überwunden, die viele Schwergewichte unter seinen Konkurrenten übertroffen und seine Position als entscheidender „Picks-and-Shovels“-Anlage im KI-Bereich gefestigt.

Die Aktien von ASML, dem wertvollsten Unternehmen Europas und weltweit einzigen Hersteller von Extrem-Ultraviolett-Lithografiemaschinen (EUV), die für die Produktion modernster Halbleiter benötigt werden, haben seit Jahresbeginn um 55 Prozent zugelegt. Mit dem Kursanstieg seit Jahresbeginn übertreffen sie das Plus von 18 Prozent bei Nvidia NVDA sowie den Anstieg von 50 Prozent, den TSMC 2330 in lokaler Währung erzielte. Allerdings bleiben sie hinter den noch dramatischeren Kursgewinnen volatiler Speicherchip-Aktien wie Samsung 005930 und SK Hynix 000660 zurück.

Die ASML-Aktie war während der Berichtssaison eine Ausnahme unter den Hardware-Aktien, da viele Titel trotz starker Ergebnisse Kursverluste verzeichneten. Die Aktie legte um 7 Prozent zu, nachdem das Unternehmen unerwartet gute Ergebnisse vorgelegt und seine Gesamtjahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben hatte.

Die ASML-Aktie wurde später jedoch durch einen allgemeinen Ausverkauf von AI-Hardware-Aktien gebremst, der vor dem Hintergrund anhaltender Bedenken hinsichtlich der Ausgaben für künstliche Intelligenz und der Bewertungen im Juli stattfand. Als dann Ende Juli Berichte auftauchten, laut denen ein chinesisches Staatsunternehmen mit der Herstellung von Immersions-DUV-Lithografieanlagen begonnen hat, brach die ASML-Aktie über mehrere Tage hinweg um 13 Prozent ein. Denn die Anleger stellten da die anhaltende Marktführerschaft des niederländischen Unternehmens in Frage.

Bedroht China die marktbeherrschende Stellung von ASML im Bereich der Lithografie?

ASML verfügt seit langem über eine Quasi-Monopolstellung bei Lithografieanlagen, die für die hochentwickeltsten Mikrochips unverzichtbar sind. Berichte, nach denen China möglicherweise kurz vor der Markteinführung von DUV-Lithografieanlagen steht, veranlassten die Anleger deshalb, über die langfristigen Wachstumsaussichten von ASML und dessen wichtige Umsatzquellen in China nachzudenken.

Julian Evans-Pritchard, Leiter des Bereichs China-Wirtschaft bei Capital Economics, hält die Bedenken für übertrieben. „Auch wenn es sich um einen wichtigen Meilenstein handelt, glaube ich nicht, dass dies kurzfristig einen großen Unterschied für Chinas Rechenkapazität bewirken wird“, sagt er.

Capital Economics schätzt, dass das chinesische Unternehmen in diesem Jahr fünf DUV-Lithografieanlagen ausliefern wird und weitere 20 im Jahr 2.027, während China derzeit jährlich rund 100 solcher Anlagen von ASML bezieht. „Im Kleinen bedeutet dies eine Steigerung des inländischen Angebots. Doch auf absehbare Zeit wird China weiterhin stark davon abhängig bleiben, was es noch von ASML beziehen kann“, fügt Evans-Pritchard hinzu.

Starker Auftragseingang stärkt die Wachstumsaussichten von ASML

Tatsächlich verzeichnen die ASML-Aktien seitdem einen Aufwärtstrend und knüpfen damit an die allgemeinen Kursgewinne der letzten 18 Monate an, da die Anleger die verbesserten Prognosen für das Unternehmen berücksichtigen.

ASML teilte im vergangenen Monat mit, dass der Auftragseingang im ersten Halbjahr „äußerst stark“ geblieben sei, da Kunden wie TSMC, Micron MU, Samsung und SK Hynix ihre Chip-Produktion weiter ausbauten. Deshalb will das Unternehmen seine Kapazitäten in der der Low-NA-EUV-Technologie und im Bereich der Deep-Ultraviolet-Immersionstechnologie (DUV) in diesem Jahr um je 30 Prozent erhöhen. In den kommenden Jahren sei mit ähnlichen Steigerungen zu rechnen.

Infolgedessen haben die Analysten von Morningstar ihre langfristigen Prognosen für das Unternehmen angehoben und dabei angemerkt, dass sich das „Umfeld hoher Nachfrage im zweiten Quartal noch deutlicher durchgesetzt hat“, da die Kunden ihre Future-Orders verstärkt haben. Zudem haben die Analysten ihre Fair Value-Schätzung für die Aktie von 1.200 Euro auf 1.800 Euro pro Aktie angehoben.

„Während unsere bisherige Umsatzprognose für 2030 am oberen Ende der langfristigen Prognose von ASML in Höhe von 60 Milliarden Euro lag, erscheint diese Zahl nun irrelevant. Wir erwarten, dass ASML bereits im Jahr 2028 einen Umsatz von fast 70 Milliarden Euro und einen Gewinn je Aktie von 69 Euro erzielt, selbst ohne seine Kapazitäten voll auszuschöpfen“, so Javier Correonero, Senior Analyst bei Morningstar.

Unterdessen weisen die Analysten darauf hin, dass es höchst unwahrscheinlich sei, dass ASML in absehbarer Zeit seine Schlüsselrolle in der KI-Lieferkette verlieren wird. „Bislang hat noch kein Wettbewerber die technologische Führungsposition von ASML erreicht, und wir gehen nicht davon aus, dass sich dies in den nächsten zehn Jahren ändern wird“, fügt Correonero hinzu. Er verweist auf die hohe Entwicklungsstufe der ASML-Maschinen sowie den kostspieligen und komplexen Prozess, den viele Chiphersteller durchlaufen haben, um ihre Fertigungsanlagen auf die niederländischen Maschinen auszurichten.

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