Wichtige Erkenntnisse
- ASML, Siemens und SAP sind wichtige europäische Aktien im Bereich der künstlichen Intelligenz in Europa.
- Der Ausbau von Rechenzentren macht Energieeffizienz, Elektrifizierung und Halbleitertechnik zu wichtigen indirekten Profiteuren des KI-Trends.
- KI-Gewinner finden sich quer durch alle Unternehmensgrößen.
Europäische Unternehmen können US-Aktien, die den KI-Boom im Jahr 2025 dominiert haben, durchaus ergänzen, sagt Christoph Berger, Chief Investment Officer für europäische Aktien bei Allianz Global Investors. Er empfiehlt Anlegern, über die US-Giganten Nvidia NVDA, Microsoft MSFT und Alphabet GOOGL hinauszuschauen und europäische Technologieaktien wie ASML ASML nicht aus den Augen zu verlieren.
„Wenngleich in den USA in den letzten Jahren insbesondere die Tech-Werte sehr gut gelaufen sind, bietet es sich dennoch an, auch nach Europa zu diversifizieren“, erklärt Berger.
Er erklärt, dass die Rolle Europas darin besteht, Schlüsseltechnologien bereitzustellen, um das KI-Ökosystem, wie beispielsweise große Sprachmodelle, effizienter zu gestalten.
So sitzt beispielsweise der Weltmarktführer in der Halbleiterausrüstung, ASML, in den Niederlanden. “ASML gewährleistet als einer der entscheidenden Ausrüster, dass immer leistungsfähigere Halbleiter in der ganzen Welt produziert werden können. Und leistungsfähigere Halbleiter werden wiederum benötigt, um zusätzliche Informationen durch künstliche Intelligenz generieren zu können”, betont Berger.
Berger verantwortet gemeinsam mit seinem Team bei Allianz GI mehrere Aktienstrategien mit Deutschlandfokus, darunter Concentra, Fondak und den Allianz Vermögensbildungsfonds Deutschland.
„KI-Adapter“ in Unternehmen jeder Größe
Während KI in den USA häufig über datengetriebene Geschäftsmodelle monetarisiert wird, spielen in Europa industrielle Einsatzfelder, Effizienzsteigerungen und infrastrukturelle Investitionen eine größere Rolle.
„So profitieren in Europa viele Unternehmen von den hohen Investitionen in Datencenter, etwa im Bereich Elektrifizierung und Kühlung““, erklärt Berger. Drei Beispiele hierfür sind das französische Unternehmen Schneider Electric SU sowie die deutschen Unternehmen Infineon IFX und Siemens SIE.
Dass KI kein Monopol der großen Konzerne ist, zeigt sich laut Berger auch an der breiten industriellen Basis. „Bei der Marktkapitalisierung geht es quer durch alle Größenklassen. Auch viele kleine Unternehmen können ihre Prozesse durch KI wesentlich effizienter aufstellen - dies sind die sogenannten KI-Adaptoren“, erklärt er.
Das eröffnet Anlegern Chancen jenseits der Blue Chips. Nicht nur Tech-Schwergewichte, sondern auch spezialisierte Mittelständler oder Softwareanbieter können durch intelligente Automatisierung ihre Marge verbessern. „Diese Entwicklung ist breit in Europa verankert - KI kennt keine Grenzen“, betont Berger.
Profitieren SAP und Siemens von der KI?
„KI ist ein Querschnittsthema, das viele Unternehmen und Branchen betrifft“, fügt er hinzu.
Für europäische Aktien mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz ist die Größe weniger entscheidend als die Frage, ob das Geschäftsmodell durch künstliche Intelligenz bedroht ist oder ob es mit ihrer Hilfe angepasst und verbessert werden kann.
Dieser entscheidende Faktor kann Investoren dabei unterstützen, zu beurteilen, ob ein Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz erfolgreich sein wird oder nicht – unabhängig davon, ob es als traditionelle Technologie gilt oder nicht, fügt Berger hinzu.
SAP und Siemens sind Unternehmen mit einem besonders hohen Exposure zum Thema KI und gehören entsprechend zu den größten Holdings im Deutschland-Flaggschifffonds Concentra.
Zwar habe SAP 2025 an der Börse enttäuscht, sei aber technologisch gut positioniert. Für Berger ist SAP ein gutes Beispiel für einen KI-Adapter: „Über 300 Millionen Endnutzer greifen regelmäßig auf eine Cloud-Applikation von SAP zu, welche KI-unterstützte Tools bietet.“
Diese breite Nutzerbasis ermögliche nicht nur enorme Datenmengen, sondern auch messbare Produktivitätsgewinne. „Damit lassen sich in den Arbeitsprozessen deutliche Effizienzvorteile erzielen, die von SAP mit 30 Prozent quantifiziert werden. Kunden zahlen für diese Vorteile einen Aufpreis.“
Seiner Ansicht nach profitiert auch Siemens Healthineers, ein aus Siemens hervorgegangenes Medizintechnikunternehmen, davon: „Auf Basis der umfangreichen Datenbasis in der Diagnostik kann KI hier zusätzlichen Nutzen für Patienten und Anwender generieren“, sagt Berger.
Wird die KI-Blase im Jahr 2026 platzen?
Während manche Marktbeobachter bereits vor einer möglichen KI-Blase warnen, sieht Berger keine Überhitzung.
„Aktuell sehen wir keine ausgeprägte KI-Blase“, sagt er. Zwar müssten die hohen Investitionen in US-Datenzentren – von schätzungsweise rund 430 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf etwa 700 Milliarden Dollar im Jahr 2027 – genau beobachtet werden. Doch dies sei „vor allem ein US-Thema und weniger für europäische Unternehmen“.
Entscheidend sei, dass die Expansion aus dem laufenden Cashflow finanziert werde. „Bei zu hoher Finanzierung über Fremdkapital könnten allerdings Fragezeichen aufkommen. Alles in allem wäre es aber verfrüht, aktuell von einer breiten KI-Blase zu sprechen.“

